Alarm für Abi '11: Polizeieinsatz beim Abschlussspaß

Jan Wittenbrink

Liebe Abiturienten: Falls ihr mitten in den Dreharbeiten zum Abifilm steckt, haben wir zwei Tipps für Euch: Fahrt nicht mit Sturmhauben und Softair-Pumpguns durch eine belebte Straße und simuliert eine Entführung. Und falls ihr für Euren Film ordentlich Kunstnebel durch's Schulhaus wabern lassen wollt, dann schaltet vorher die Rauchmelder aus. Hört sich absurd an? Ist es auch. Und in den vergangenen Wochen Lörracher und Müllheimer Abiturienten passiert.



Eine Entführung mitten in Lörrach? Die Fußgänger trauen ihren Augen nicht. Zwei maskierte Gangster in einem schwarzen Geländewagen, offensichtlich bis an die Zähne bewaffnet. Jemand alarmiert die Polizei, die solch eine Meldung auch nicht alle Tage erhält. Die Beamten machen sich sofort auf den Weg.


Der Schüler lenkt sein Auto durch die Lörracher Innenstadt. Das Abi ist seit Wochen rum, jetzt sind Osterferien. Nicht mehr lang, dann war's das mit der Schulzeit. Sein Kumpel liegt hinten im Kofferraum, ein anderer filmt die Szene. Dann der Schock: Ein Polizeiwagen versperrt die Straße, zwei Beamten kommen mit erhobenen Waffen auf das Fahrzeug zu. Ist das noch Film oder schon Realität? Nachdem die Situation sich aufgeklärt hat, werden die Lörracher Schüler für das unerlaubte Führen von Softairwaffen angezeigt.

Dreharbeiten von Abiturienten stehen in diesem Jahr wohl unter keinem guten Stern. In Müllheim verursachte einige Tage zuvor der Dreh eines Abifilms einen großen Feuerwehreinsatz. Die Schüler hatten direkt im Schulgebäude gedreht und dabei eine Nebelmaschine eingesetzt. Der Hausmeister hatte dafür zunächst die Rauchmelder abgeschaltet. Nachdem er sie wieder aktiviert hatte, setzten die Schüler ihre Dreharbeiten entgegen der Absprache fort. Klebeband sollte eine Alarmierung der Feuerwehr verhindern. Dass dieser Plan nicht ganz aufging, mussten die Schüler dann kurze Zeit später angesichts von vier Feuerwehrfahrzeugen und einer Polizeistreife feststellen. Die Feuerwehrleute zogen bald wieder ab. Den Abiturienten müssen wahrscheinlich die Kosten des grundlosen Einsatz tragen.

Es ist nicht das erste Mal, dass freudige Abiturienten-Aktivitäten Polizeieinsätze verursachen: In Hessen ging 2010 ein Abistreich in die Hose, als die Schüler sich als Spezialeinheit der Polizei verkleidet, um ihre Lehrer zu verhaften. Anwohner befüchteten einen Amoklauf, ein Großaufgebot der Polizei rückte an. Auch bei einem Abistreich in Hamburg wurde 2010 die Polizei gerufen, weil bei einem Abistreich Wasserpistolen benutzt wurden.

„Eigentlich passieren im Zusammenhang mit Abistreichen und Abifilmen eher selten Dinge, bei denen die Polizei einschreiten muss“, sagt Ulrich Brecht, Pressesprecher der Polizeidirektion Freiburg. „Die Polizei hat Verständnis für das Bedürfnis der jungen Erwachsenen, ihren Schulabschluss kreativ und ausgelassen zu feiern, aber sobald dadurch Schäden und Kosten verursacht oder Einsatzkräfte der Polizei unnötig eingebunden werden, hört dieses Verständnis natürlich auf.“

Ein unnötiger Polizei- oder Feuerwehreinsatz kann den Verursacher schnell ein paar tausend Euro kosten - und nicht nur für die Schüler selbst sondern auch für Passanten und natürlich die Beamten gefährlich werden. „Wenn unsere Beamten zu Einsätzen fahren, nehmen sie diese ernst und handeln auch dementsprechend.“ So hätte zum Beispiel das Fahrmanöver der Beamten im Lörracher Fall die beteiligten Schüler oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden können.

Für Schüler, die Dreharbeiten planen, die möglicherweise Aufsehen erregen und Passanten dazu verleiten könnten, die Polizei anzurufen, hat Brecht einen pragmatischen Ratschlag: "Rufen Sie vorher die Polizei an und sagen Sie den Kollegen Bescheid." Es genüge, einen Ansprechpartner zu nennen und eine Handynummer zu hinterlassen, damit gegebenenfalls Kontakt aufgenommen werden könne.

Die Schulen setzen derweil als vorbeugende Maßnahme auf gute Kommunikation mit ihren Schülern, vor allem was Abistreiche angeht. „Eine Schülergruppe bespricht sich jeweils mit der Schulleitung, klärt die Dauer und den Ablauf ab“, erklärt Heinz Epping, Leiter der Freiburger Staudinger-Gesamtschule. „Das Ganze wird dann vor dem Rest der Schule möglichst geheim gehalten.“ Er hat in seiner Amtszeit bisher keine schlechten Erfahrungen mit Abistreichen oder -filmen gemacht. Wichtig sei ihm, dass kein Lehrer von den Abiturienten persönlich verletzt werde. Verboten sei außerdem der Einsatz von Wasserpistolen, es solle sich ja „kein Schüler erkälten“.

Auch das Theodor-Heuß-Gymnasium erlaubt keine Wasserschlachten. „Uns ist wichtig, dass die Abiturienten ihre Aktivitäten mit uns sehr genau absprechen“, sagt Martina Höhmann, Schulleiterin des Freiburger Theodor-Heuß-Gymnasiums. „Auf keinen Fall nehmen wir Schäden oder zusätzliche Kosten in Kauf.“ Die Schule denkt in diesem Jahr sogar darüber nach, von den Schülern im Vorhinein eine Kaution zu kassieren, da das Schulgebäude gerade erst saniert worden ist. So etwas hält Heinz Epping aufgrund seiner positiven Erfahrungen nicht für notwendig. 2010 hatten die Abiturienten des Grimmelshausen-Gymnasium in Offenburg eine Kaution hinterlegen müssen.

Ein wenig gesunder Menschenverstand dürfte jedenfalls sowohl beim Veranstalten eines Abistreiches als auch beim Drehen eines Abifilms nicht schaden.  Wer sich die oben genannten Tipps zu Herzen nimmt, macht beim Dreh sicher schon mal einen Schritt in die richtige Richtung. Auch ein Abifilm sollte schließlich nicht mehr Action enthalten als das Drehbuch es vorsieht.

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