ZDF-Sendung

"Aktenzeichen XY ... ungelöst" bringt 16 Hinweise zum Fall Carolin G.

Gina Kutkat

Der Fall Carolin G. war Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst". Der Fall war kurzfristig aufgenommen und als sogenannter Studiofall behandelt worden. Liefert das Millionenpublikum die heiße Spur?

Rudi Cerne steigt gleich mit dem Fall Carolin G. in die Sendung ein - und verbindet ihn schon im zweiten Satz mit dem Fall der getöteten Studentin Maria L. aus Freiburg. "Geht im Raum Freiburg ein Serientäter um?" fragt der Moderator im Studio in München, aus dem die Sendung live übertragen wurde. Beide Frauen seien an einem Sonntag getötet worden, so Cerne weiter.


Die Polizei könne zwar nicht ausschließen, dass sie Opfer ein und desselben Täters geworden sind. Sie habe aber bisher keine konkreten Anhaltspunkte dafür. "Fest steht: Beide Tatorte liegen nur rund 30 Kilometer auseinander - und beide Frauen waren vergewaltigt und getötet worden". Nach etwa einer Minute hat Rudi Cerne den Fall Carolin G. zusammengefasst.

Gibt es noch unbekannte Zeugen?

Danach folgen erst einmal zwei andere Fälle, zu denen jeweils, ganz xy-typisch, ein kleiner Film mit nachgestellten Szenen läuft. Der Fall der getöteten Joggerin aus Endingen war erst kurzfristig in die Sendung aufgenommen worden und wurde als sogenannter Studiofall behandelt - ohne Film. Von der Sonderkommission "Erle", die an dem Fall seit Tagen mit Hochdruck arbeitet, war niemand im Studio zu Gast. Die Polizei hatte sich im Voraus keine allzu großen Hoffnungen gemacht: "Es ist eine weitere Möglichkeit, bisher unbekannte Zeugen zu finden. Wenn dies nicht gelingt, war es wenigstens den Versuch wert", so Polizeisprecher Walter Roth.

Ganz im Gegensatz zu Rudi Cerne. Der Moderator hatte in einem Interview für ein Boulevardmagazin behauptet, sein Bauchgefühl sage ihm, der Fall Carolin G. könne noch vor Ausstrahlung der Sendung gelöst sein. Noch erstaunlicher war seine Aussage, dass die Polizei nach aktueller Ermittlungslage nicht davon ausgeht, dass die Fälle Carolin G. und Maria L. auch zusammenhängen. Dabei ist das bisher ungewiss. Die Polizei hat noch keine Aussage darüber gemacht, dass sie nach zwei verschiedenen Tätern fahndet.

"Jeder Hinweis ist hier wichtig" Rudi Cerne
Nach 45 Minuten dann der zweite Aufruf in Bezug auf Carolin G.: Rudi Cerne bittet die Zuschauer, sich bei jedem noch so kleinen Hinweis an die Polizei zu wenden. "Nochmal eindringlich: Jeder Hinweis ist hier wichtig. " Besonders interessant seien Beobachtungen nach 15 Uhr an dem Sonntag, an dem Carolin G. verschwand. Im Studio wird das Foto gezeigt, das entstand, kurz bevor die Joggerin ihr Haus im Endinger Stadtgebiet verließ. Auch ihr vollständiger Name wird in der Sendung genannt. Eine Karte wird eingeblendet: Sie zeigt das Waldstück zwischen Endingen und Bahlingen, in dem die Leiche der jungen Frau gefunden worden war.

Dann kommt der Aufruf ans Millionenpublikum: Wer hat Carolin G. gesehen? Wer hat im Bereich der Verbindungswege zwischen Endingen und Bahlingen verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen? Während ein Vergleichsfoto den Joggingschuh der Läuferin zeigt, fragt Cerne das Publikum auch nach diesem. Über eine Hotline können sich mögliche Zeugen mit der Kripo Emmendingen in Verbindung setzen. Knapp zwei Minuten Sendezeit bekommt der Zeugenaufruf, der in den vergangenen Tagen schon zigmal gedruckt, gepostet und geteilt worden ist.

Laut Polizeisprecher Walter Roth ist auch nach der regionalen und überregionalen Berichterstattung immer noch damit zu rechnen, dass es Menschen gibt, die noch nichts von dem Fall Carolin G. gehört haben - und die womöglich als Zeugen in Frage kämen. "Vielleicht bekommen wir durch die landesweite Ausstrahlung weitere Tipps aus der Bevölkerung."

Weitere 45 Minuten vergehen, bevor Alfred Hettmer vom LKA Bayern die Zuschauerhinweise zusammenfasst. Ob ein wertvoller Tippgeber unter den Zuschauern dabei war? Zum Fall Carolin G. kam bis 21.45 Uhr, dem Ende der Sendung kein neuer Hinweis. Am Morgen nach der Ausstrahlung meldet die Freiburger Polizei, es seien während und nach der Sendung 16 Hinweise eingegangen. Nähere Informationen über deren Inhalte machen die Ermittler nicht.

Rückblick

Carolin G. war am Sonntag, 6. November, in Endingen zum Joggen aufgebrochen und war von ihrer Runde nie zurückgekehrt. Vier Tage später wurde ihre Leiche in einem kleinen Waldstück zwischen Endingen und Bahlingen gefunden. Die Polizei geht von einem Sexualverbrechen aus. Bis Dienstagabend, 15. November, dauerte die Spurensuche am Tatort an. Ob eine brauchbare DNA-Spur gefunden wurde, ist noch nicht bekannt.

Bislang gehen die 40 Ermittler der Sonderkommission "Erle" knapp 400 Hinweisen im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod der Endingerin nach. Bislang gibt es jedoch noch keine heiße Spur.

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