Aka-aki: Kennenlernen 2.0?

Aljoscha Harmsen

Nie mehr mühsame Kennenlern-Gespräche: Das verspricht Aka-aki, ein neues Angebot für Handy-Nutzer. Aka-aki-User sehen auf dem Display ihres Handys, dank Bluetooth, die Profile anderer Nutzer in ihrer direkten Umgebung und sollen so entscheiden können, ob sich die Kontaktaufnahme lohnt. Haben wir darauf gewartet?



Stell dir vor, du sitzt morgens in der Vorlesung. Während Du gelanweilt auf Dein Handy schaust, blinkt auf Deinem Display das Profil eines Kommilitonen auf, den Du noch nicht kennst. Er muss ganz in Deiner Nähe sitzen. Wie Du mag er Linkin Park, ist Vegetarier und geht gern Snowboarden. Nimmst Du Kontakt auf?


In Japan gibts schon länger eine Handy-Hype, der so in Deutschland unbekannt ist: Handy-Flirtbörsen haben mehr Nutzer als ihre Online-Konkurrenz und bereits vor mehr als zehn Jahren gab es Tamagotchi-ähnliche Flirt-Tools, mit denen man seiner Umgebung mitteilen konnte, wonach einem der Sinn steht.
Revolutionär ist das Aka-aki Konzept also nicht, dafür will es aber mehr als ein einfaches Flirt-tool sein.

"Aka-aki verbindet echtes Leben mit Funktionen aus dem Netz", freut sich der Infotext auf der Aka-Aki-Website. "Mit Aka-aki lernst du die Leute kennen, denen du im echten Leben begegnest. Aka-aki ist Leute anklicken mit dem Handy", heißt es weiter. Was also bisher vor dem Computer in Online-Communitys geschah, soll jetzt in der realen Welt auf der Straße passieren.

"Aka-aki zeigt dir auf deinem Handy Infos zu den Leuten, die im Umkreis von 20 Metern sind. Das ist ein Portraitfoto, das sind gemeinsame Freunde, Interessen und was sie sonst noch von sich preisgeben", erklärt Roman, ein Mitglied des achtköpfigen Aka-aki-Teams (Bild unten).

Dass der Umkreis auf 20 Meter begrenzt ist, liegt an der verwendeten Bluetooth-Technologie und ist auch im Interesse des Aka-aki-Teams. "Es geht um die Leute, die direkt in meiner Nähe sind. Wenn ich weiß, dass ein Freund von mir sich in 200 Meter Umkreis aufhält, bringt mir das nichts", sagt Roman. Zur Zeit befindet sich das Projekt noch in der Beta-Phase; Hervorgegangen ist es aus einer Diplomarbeit.

Die Gefahr, dass Aka-aki als Stalking-Tool benutzt wird, sieht Roman nicht. "Man weiß nicht wo, sondern nur dass jemand im Umkreis ist", erklärt Roman.

Das Profil, das man als User auf Aka-aki einstellt, und das andere User im Umkreis von 20 Metern auf ihren Handys sehen können, besteht aus den sogenannten "Stickern", kleinen Bildern, mit denen man Informationen über sich preisgeben kann. Das Bild eines saftigen argentinischen Rindersteaks würde zum Beispiel Auskunft über die Essgewohnheiten geben; Ein Bild der Lieblingsband über die Musik im iPod.



Das Konzept Aka-aki geht natürlich nur dann auf, wenn das Programm genügend Nutzer hat: In einem vollen Hörsaal, in dem vierhundert Studenten mit ihren vierhundert Handys sitzen, die Aka-aki nutzen, oder auf einer großen Party hat Aka-aki Erfolg. In Kleinstädten und Dörfern wird man auch mit dieser Technologie nur schwerlich neue Leute kennen lernen.
"Unser Ziel ist, dass es irgendwann alle benutzen und dass es auf Messen, in der U-Bahn oder in der Disko Menschen zusammenführt", sagt Roman.

Aka-aki ist kostenlos; Der User zahlt jedoch die Gebühren für den Internet-Datenverkehr auf dem Handy. "Die Internetgebühren auf dem Handy sind noch ein Problem", sagt Roman. "Das haben die Netzbetreiber verkackt." Er hofft auf transparentere Tarife, die die Nutzung von Aka-aki günstiger machen werden.

Wie die Idee in der Praxis angenommen und umgesetzt wird, wenn sie genügent erprobt ist, bleibt abzuwarten. Wird das klassische Kennenlern-Gespräch bald überflüssig und die Face-To-Face-Kommunikation auf ein Minimum reduziert? Sind gemütliche, ungestörte Abende in der Kneipe bald passé, weil man ständig von Leuten angesprochen wird, die auch gern Douglas Adams lesen und darüber sprechen wollen?

Vielleicht ist das geupdatete Kennen-Lernen mit Online-Funktionen auch der Schlüssel ins echte Leben für den bleichen, in seinem abgedunkelten Computerraum isolierten, pizzaessenden Nerd, der plötzlich beim Einkaufen am Tiefkühlregal mit den Fertigpizzen eine Gleichgesinnte auf dem Handy-Display erspäht, die auch gerne in abgedunkelten Zimmern Pizza isst. Gemeinsam planen sie dann einen Ausflug zur Games-Convention nach Leipzig und leben glücklich bis ans Lebensende

Mehr dazu:

  • fudder-user die Aka-aki ausprobieren wollen, können sich mit dem Anmelde-Code fudder07 Zugang zur Beta-Version verschaffen.