AJ & Enrico: Die heimlichen EHC-Zwillinge

Daniel Laufer

Sie sind dicke Kumpels, haben (fast) am gleichen Tag Geburtstag und sorgen gemeinsam beim EHC Freiburg für Furore. Am Freitag haben die beiden 19-jährigen EHC-Stürmer Enrico Saccomani und Julian "AJ" Airich jedoch das Auswärtsspiel ihrer Mannschaft in der Stadionkneipe "Zamboni" nur beim Internet-Liveticker verfolgt. Warum sie in dieser Saison nicht mehr aufs Eis gehen werden - und ob Julians Playoff-Bart trotzdem dran bleiben wird:



Am Freitagabend gewinnt der EHC Freiburg in Kaufbeuren mit 5:4 und ist damit ganz dick dabei im Rennen um den Aufstieg in die DEL2. Zwei Spieler fehlen jedoch: Julian Airich (auf dem Foto rechts) und Enrico Saccomani. In den ersten beiden Partien der DEL2-Aufstiegsrunde haben sie sich verletzt. Die Diagnose ist bitter und bedeutet für beide Spieler das vorzeitige Saisonende.


Am vergangenen Wochenende habt ihr mit der Mannschaft noch auf dem Eis gekämpft, jetzt spielt sie irgendwo in Bayern und ihr sitzt hier in Freiburg vor dem Liveticker. Wie fühlt sich das an?

Enrico Saccomani: Blöd, ich würde lieber mitspielen, kann es aber leider nicht ändern.

Julian Airich: Verletzungen passieren halt, das ist ganz normal im Sport. Jetzt muss man das Beste daraus machen und die Jungs unterstützen. Dann schauen wir mal, wie es nächste Saison aussieht.



Was für Verletzungen habt ihr?

Enrico Saccomani: Ich habe einen Kapselriss in der Schulter. Auf den Röntgenbildern konnte der Arzt nicht sehen, ob da noch ein Stück Knochen abgebrochen ist oder nicht. Deshalb hat er gemeint, ich soll erst mal drei Wochen warten und dann noch mal zu ihm gehen – dann wird geschaut, was genau passiert ist.
Julian: Ich habe den linken Außenknöchel gebrochen. Dazu kommt noch, dass das Syndesmoseband gerissen ist. In sechs Wochen wird der Gips entfernt und dann dürfte ich wieder anfangen zu laufen – aber noch ohne große Belastung.

Wie habt ihr euch denn verletzt?



Julian: Ich bin nach einem Check unglücklich gelandet. Mein Fuß ist im Eis stecken geblieben, hat sich verkantet und ist dann umgeknickt.

Enrico: Ich wollte einen Gegenspieler checken. Der ist anscheinend hingefallen, aber ich auch. Ich bin dann mit Speed blöd in die Bande gekracht und habe mich an der Schulter verletzt.

Ihr spielt beide sehr körperbetontes Eishockey. Julian, du hast während der Play-offs in Füssen gleich zwei Spieldauerdisziplinarstrafen bekommen und wurdest von den Füssener Fans sogar als „Goon“ bezeichnet. Inwiefern hängt eure Spielweise jetzt auch mit euren Verletzungen zusammen?

Julian: Andere Spieler unserer Mannschaften hatten genauso Verletzungen, das passiert eigentlich jedem.

Meinst du, du denkst nach deiner eigenen Verletzung in Zukunft bei Checks aber mehr über die Folgen nach?

Julian: Ich habe letzte Saison schon eine Verletzung an der Schulter gehabt und diese Saison am Anfang gar nicht mehr daran gedacht. Jetzt ist es am Ende schon wieder passiert und ich glaube, nächstes Jahr wird es mich wieder nicht jucken. Bis dahin ist das schon wieder ein Weilchen her.



Ihr habt euch praktisch gleichzeitig verletzt, aber es gibt ja durchaus noch mehr Parallelen: Ihr seid beide 19, habt jahrelang im Nachwuchs zusammengespielt und es jetzt gemeinsam geschafft, euch in der ersten Mannschaft zu etablieren…

Enrico (lacht): Wir haben auch außerhalb des Eishockeys viel miteinander zu tun. Ich sehe Julian jeden Tag, jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend…

Julian: Enrico ist wie mein Bruder. Er hat sogar einen Tag nach mir Geburtstag. Er ist quasi ein Seelenverwandter.

Ihr habt vom Trainer in dieser Saison zunehmend mehr Eiszeit bekommen. Wie seht ihr eure eigene Entwicklung?

Enrico: Ich denke, ich habe mich sehr positiv entwickelt. Weil ich mehr spielen konnte, bin ich sicherer geworden.

Julian: Am Anfang hatte ich nicht wirklich geglaubt, dass ich soviel Eiszeit bekommen würde, wie es jetzt am Ende der Fall war. Es freut mich natürlich sehr, aber ich habe auch hart dafür trainiert.

Ihr habt in der dritten und vierten Reihe gespielt. Was waren eure Aufgaben?

Enrico: Eher defensiv zu spielen und keine Gegentore zu kassieren, um der ersten und zweiten Reihe etwas Pause zu gönnen. Wenn wir die Chance hatten, sollten wir auch mal ein bisschen nach vorne arbeiten. Ich betrachte meine Rolle im Team als „Joker“.

Julian: Wir haben die Aufgabe, körperbetont zu spielen – weil wir im Gegensatz zu anderen Spielern in der Mannschaft auch den entsprechenden Körperbau dafür haben. Wenn ich vor dem Tor die Chance bekomme, versuche ich es aber natürlich auch und mache das Beste daraus.

In Freiburg habt ihr noch Verträge bis zum Saisonende. Wie wird es für euch danach weitergehen? Plant ihr, weiter hier zu spielen?

Julian: So wie es aussieht, bin ich auch nächstes Jahr hier – auch weil ich meine Ausbildung fertigmachen will.

Enrico: Ich werde mal schauen, wie es läuft. Mehr will ich noch nicht sagen.

Ihr seid mit der Mannschaft gut in die Aufstiegsrunde gestartet. Was glaubt ihr, wo der EHC am Ende stehen wird?

Julian: Meine Meinung ist: Wenn wir als Mannschaft zusammenspielen, haben wir das Ass im Ärmel. Als Team können wir es auch packen, wenn ein paar Spieler fehlen, wie Enrico und ich jetzt – das macht dann gar nichts.

Enrico: Vielleicht könnten wir Platz vier schaffen. Die Moral ist natürlich super. Die meisten von uns spielen schon einige Jahree zusammen und verstehen sich einfach richtig gut.

Wer aus dem Nachwuchs könnte wie ihr denn in der nächsten Saison den Sprung in die erste Mannschaft schaffen?

Enrico: Iven Rösch hat schon ein paar Spiele bei uns gespielt und hat sich ganz gut gemacht.  Vielleicht könnte er nächstes Jahr einen Vertrag kriegen. Ansonsten vielleicht aus Ivens Jahrgang noch Maxim Engel, außerdem Vitalij Wiesner.

Julian, was noch geklärt werden muss: Bärte sind zur Zeit ja wieder salonfähig – ist das bei dir ein Play-off-Bart – und wenn ja: Wann kommt der ab?

Julian: Das ist ein Play-off-Bart – und der kommt ab, wenn die Jungs das letzte Spiel fertiggespielt haben. Auch wenn ich jetzt nicht mehr dabei bin: Der bleibt trotzdem dran!

[Fotos: Daniel Laufer]

Mehr dazu:

  • Am heutigen Sonntag,6. April 2014,  empfängt der EHC Freiburg den ESV Kaufbeuren in der Aufstiegsrunde zur DEL2. Das Spiel beginnt um 18 Uhr in der Freiburger Franz-Siegel-Halle (Ensisheimerstraße 1, Mooswald).