Welt-Aids-Tag

Aidshilfe hofft auf die Arbeitgeber im Kampf gegen Stigmatisierung

Maxim Melzer

Nach wie vor werden Aids-Infizierte stigmatisiert. Dabei sind sie nicht ansteckend, wenn sie therapiert sind. Im Kampf gegen Diskriminierung will die Aidshilfe Freiburg auch die Unternehmen gewinnen.

In Deutschland sind rund 88.000 Menschen mit HIV infiziert, etwa 1100 davon in Freiburg. Um auf deren gesellschaftliche Ausgrenzung hinzuweisen und die Prävention voranzubringen, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den Welt-Aids-Tag ausgerufen. In diesem Jahr findet er am Sonntag, 1. Dezember, statt. Erneut beteiligt sich die Aidshilfe Freiburg mit Aktionen und Infoständen.


Dank einer Prävention, die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten ist, sei es in den vergangenen Jahren gelungen, die Zahl neuer Diagnosen kontinuierlich zu senken, sagt Ulrike Hoffmeister, Geschäftsführerin der Aidshilfe: "Wir gehen beispielsweise in Flüchtlingsheime und veranstalten dort Infoveranstaltungen und anonyme, freiwillige Tests." Zudem biete sie zusammen mit dem Gesundheitsamt kostenlose Tests und Beratungen für Sexarbeiterinnen an. Auch das Projekt "Checkpoint" wächst jährlich. Jeden Montag kann man sich bei der Aidshilfe, mit oder ohne Termin, auf sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen. Insgesamt betreue und berate die Freiburger Einrichtung zur Zeit 202 Menschen. In diesem Jahr haben 31 Personen erstmalig Kontakt aufgenommen.

93 Prozent aller HIV-Infizierten bekommen in Deutschland Therapie

"Nach wie vor ist der Irrglaube weit verbreitet, dass HIV auch therapiert ansteckend sei", sagt Hoffmeister. Dabei bekämen 93 Prozent aller HIV-Infizierten in Deutschland eine Therapie, die eine Weitergabe des Virus verhindere. Die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) schütze auch präventiv vor einer Infektion. Vor allem homosexuelle Männer mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern nutzten diese Methode. Die Kosten übernehmen seit September 2019 die gesetzlichen Krankenkassen. Seitdem habe sich die Nachfrage nach PrEPs im Raum Freiburg verdoppelt, berichtet Robert Sandermann, Mitarbeiter der Aidshilfe.

"Beim Thema Stigmatisierung hinken wir jedoch weit hinterher", meint Geschäftsführerin Hoffmeister. Um der alltäglichen Ausgrenzung der Infizierten entgegenzuwirken und Vorurteile abzubauen, hat die deutsche Aidshilfe eine Arbeiternehmerdeklaration initiiert, die sich "für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben" stark macht.

Unternehmen erhalten kostenlose Workshops

Mehr als 50 deutsche Unternehmen haben diese unterzeichnet, darunter auch SAP oder IBM. Vor Ort machen die städtische Gesellschaft "Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe", die kommunale Stiftungsverwaltung sowie die Unterlinden-Apotheke mit. Weitere Unternehmen sollen folgen, die dann kostenlose Workshops für ihre Beschäftigten erhalten. Es brauche mehr Bereitschaft, sich gegen Diskriminierung einzusetzen. Je mehr Unternehmen sich beteiligen, umso größer werde die gesellschaftliche Akzeptanz, findet Sandermann. Die Deklaration ist für mehrere europäische Länder geplant und soll auf der Welt-Aids-Konferenz 2020 in San Francisco vorgestellt werden.
Aktionen der Aidshilfe: vom 30. November bis 14. Dezember Infostand und Spendensammelaktion im Stadttheater; Infostände am 30. November von 10 bis 14 Uhr an der Ecke Kaiser-Joseph-Straße/Schiffstraße und am 1. Dezember auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt; ein "Flashmob" an verschiedenen Stellen der Stadt.