Afrikanische Missionare im Westen

Christoph Müller-Stoffels

Im 19. Jahrhundert wurden hunderte christliche Missionare nach Afrika geschickt, um dort das Evangelium zu verbreiten. Anscheinend hat es gewirkt, denn nun kommen afrikanische Missionare in den Westen. Und auch sie wollen das Evangelium verbreiten.Bereits in den Siebzigern des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Afrikaner nach Europa und in die USA. Damals wollten sie noch in erster Linie Einwanderer aus ihren eigenen Ländern bekehren. Doch schon in den Achtzigern entschieden sich die Gruppen, unter ihnen Baptisten, Methodisten, Anglikaner und Lutheraner, auch dem ihrem Empfinden nach gottlosen Westen das Evangelium wieder näher zu bringen."Wir konnten nicht einfach zusehen, wie sich Kirchen in Nachtclubs und Moscheen verwandeln", wird der ehemalige Generalsekretär der Association of Evangelicals in Africa, Tokunboh Adeyemo, von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Und sie sind erfolgreich. Teils werden sie von ihren eigenen Kirchen geschickt, teils werben westliche Organisationen sie an. Eine der größten evangelikalen Kirchen Europas in Ostfrankreich wurde von Afrikanern gegründet. Sie hat jede Woche tausende Besucher. In der Ukraine hat der nigerianische Pastor Sunday Adeleja die unabhängige Embassy of God Kirche zum Erfolg geführt.Aber ist gibt auch kritische Stimmen. So kann es der im englischen Oxford stationierte Kenianer Patrick Mukholi nicht ganz verstehen, warum Afrikaner in Europa arbeiten, während Europäer ohne die nötigen Sprachkenntnisse nach Afrika geschickt würden. Überhaupt, ergänzt der Kenianer Rufus Nyangatare, habe Europa schon das Evangelium gehört. Man solle einfach akzeptieren, dass sich nicht alle Menschen davon angesprochen fühlten. Manche Regionen in Afrika hätten noch nie von Jesus Christus gehört, die gelte es zu erreichen.Jedenfalls kann es wohl bald passieren, dass nicht mehr nur die Zeugen Jehovas mit ihrem Wachturm an unsere Türen klopfen. Ganz ohne Missionare wird das Christentum wohl nie auskommen.