Dreizehnter Verhandlungstag

Afghanischer Ex-Zellengenosse sagt aus, dass Hussein K. im Iran geboren sei

Joachim Röderer

Am heutigen Donnerstag wird vor dem Landgericht Freiburg der Prozess gegen Hussein K. fortgesetzt. Als Zeuge sagt noch einmal ein Zellengenosse aus, dem K. vom Mord an Maria L. erzählt haben soll.

Fazit

Der 13. Verhandlungstag bringt wenig neue Erkenntnisse. Es war eine schwierige Vernehmung eines schwierigen Zeugen, der sich immer wieder auf Erinnerungslücken berief. Durchaus spannend waren seine Aussagen in punkto der Vorgeschichte von Hussein K. Nach Darstellung des afghanischen Zellengenossen soll Hussein K. eigentlich Iraner sein, weil er in dem Land geboren und aufgewachsen sein soll. Offen bleibt jedoch, wie viel diese Aussage wert ist.

11.25 Uhr Nun redet der 19 Jahre alte Zeuge also doch – und er redet viel. Obwohl er sich, wie er selbst sagt, mit seinem "Nusshirn" eben an vieles nicht mehr genau erinnere. Es geht ein wenig durcheinander und in den Zeitabläufen hin und her. In Bezug auf Hussein K.’s Schilderungen zum Geschehen in der Tatnacht kann sein Ex-Zellenmitgenosse jedoch erstaunlich konkret vom Davor und Danach erzählen.

Die Tat selbst bleibt ausgespart. Am nächsten Morgen, so der Afghane, sei Hussein nach dessen Darstellung aufgewacht und habe sich nicht mehr erinnern können, was in der Nacht auf dem Heimweg passiert sei. Bei der Vernehmung durch die Polizei dagegen hatte der Zeuge noch berichtet, Hussein K. habe ihm erzählt, er habe gemordet "wie ein Tier". "Das stimmt nicht", erklärt der Zeuge nun gleich mehrfach vor Gericht.

Hussein K. habe ihm erzählt, so steigt er in der Vorgeschichte ein, dass er im Iran die Tochter der Nachbarsfamilie vergewaltigt habe, als diese allein mit Hussein K. im Hause der Familie K. gewesen sei. Daraufhin habe der eigene Vater den Angeklagten krankenhausreif geprügelt.

Später wollte Hussein K. die eigene Cousine heiraten, was aber die Familie des Onkels mütterlicherseits verhinderte. Bei der Polizei hatte der Zeuge ausgesagt, dadurch habe der Angeklagte einen Hass auf Frauen bekommen. Als der Oberstaatsanwalt ihm diesen Satz aus dem Vernehmungsprotokoll vorliest, sagt der Zeuge: "Kann sein, dass ich das gesagt habe, ich kann mich aber nicht mehr genau erinnern." Auch im Iran sei K. bereits im Gefängnis gesessen, wohl wegen Diebstahls von Motorrädern, so der Afghane.

Auch über die Straftat in Griechenland hat der Angeklagte dem Mithäftling berichtet. Nach zwei Jahren und zehn Monaten sei er in Griechenland, wo er sich in der Haft gut geführt habe, wieder freigelassen worden. Abends habe er dann mit Wärtern am Strand noch ein Bier getrunken. Dabei habe ihm einer der Gefängnisbeschäftigten gesagt, dass er 26 Jahre alt sei. Genauso alt bin ich auch, habe Hussein geantwortet, so der Zeuge.

Da es keine weiteren Fragen gibt, entlässt Richterin Kathrin Schenk den Angeklagten aus dem Zeugenstand. Und damit ist der 13. Verhandlungstag beendet. Weiter geht es erst wieder am 28. November.

10.35 Uhr Die zähe und schwierige Befragung geht weiter. Nun schaltet sich der Oberstaatsanwalt ein. "Was hat Hussein K. nach ihrer Erinnerung genau gesagt?", fragt Eckart Berger. Der Zeuge antwortet: "Was soll ich sagen, bei Gott, das weiß ich nicht." Berger: "Das glaubt Ihnen doch niemand, dass Ihnen nichts mehr einfällt." Zeuge: "Das ist richtig, was sie sagen."

"Hussein K. hat Afghanistan noch nie gesehen." Aussage des Zeugen
Daraufhin fordert ihn der Ankläger noch einmal eindringlich auf, die Wahrheit zu sagen. Es gehe um viel: "Wir sind hier in einer ernsthaften Veranstaltung", ermahnt Berger mit pädagogischer Strenge: "Wir bemühen uns ein gerechtes Urteil zu finden. Es wäre gut, wenn sie sich auch bemühen würden." Der Afghane antwortet, Hussein K. habe ihm im Gefängnis viel erzählt, ihn aber gebeten, der Polizei oder den Beamten im Gefängnis nichts davon zu berichten.

Der Oberstaatsanwalt bleibt hartnäckig. Dann verspricht der Zeuge plötzlich doch, nun alles zu sagen, was er weiß. Nach diesem mehr als einstündigen Anlauf beginnt er quasi noch einmal ganz von vorn. Immer wieder gibt es Erinnerungslücken, auch an entscheidenden Stellen. Aber in einem Punkt gibt sich der Zeuge sicher: "Hussein K. ist im Iran geboren und dort aufgewachsen. Er hat Afghanistan noch nie gesehen." Seine Eltern seien vor seiner Geburt von Afghanistan in den Iran gezogen. Das habe ihm Hussein K. gesagt.

9.45 Uhr Als erster Zeuge sagt an diesem 13. Prozesstag der zeitweilige Zellengenosse von Hussein K. in der U-Haft aus. Er stammt ebenfalls aus Afghanistan und sitzt aktuell immer noch im Gefängnis. Vier Tage verbrachte er im vergangenen Dezember gemeinsam in der Zelle mit Hussein K. Vor Gericht hat er im Mordfall Maria L. bereits Ende September ausgesagt.

In seiner Vernehmung bei der Polizei Ende Dezember 2016 hatte er den Angeklagten schwer belastet. Unter anderem soll Hussein K. mit seiner Gewalttätigkeit geprahlt und angegeben haben. "Ich kann mich nicht genau daran erinnern. Ich glaube nicht, so etwas gesagt zu haben", sagt der Zeuge auf Nachfrage von Verteidiger Sebastian Glathe. Er wisse auch nicht, so der junge Afghane, wie diese Aussage von ihm ins Vernehmungsprotokoll der Polizei gekommen sei.

Verteidiger Glathe gibt sich alle Mühe, dem Zeugen weitere Aussagen zu entlocken. Dieser beruft sich immer wieder auf seine Erinnerungslücken. Er erzählt dann aber doch, dass Hussein K. erst einmal geweint habe, als er in die Zelle gekommen sei. Er selbst habe zunächst nicht geredet, sondern nur zugehört. Irgendwann habe er, so der Zeuge, Hussein K. gefragt, so wie es jeder machen würde, warum dieser im Gefängnis sitze. Dann habe er ihm gesagt, dass er ein Mädchen getötet habe und dass er nicht glücklich darüber sei, so etwas getan zu haben.

Hussein K. wird vorgeworfen, im Oktober 2016 die 19-jährige Maria L. an der Dreisam attackier, vergewaltigt und ermordet zu haben. Er hat die Tat bereits zu Beginn des Prozess gestanden.

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