Ärger gespart, Geld zurück: So kannst Du alle Pfandflaschen abgeben

Konstantin Görlich

Diese eine, seltsame Flasche, die auf merkwürdige Weise immer wieder zu Hause landet, weil es aus irgendeinem Grund kein Pfand dafür zurück gibt! Wir haben Abhilfe bei allen Pfandfragen: Hier ist fudders famose Pfandflaschen-Fibel!



Sie sind aus Glas, Plastik oder Metall: Getränkeverpackungen. Auf manche gibt es Pfand, auf manche nicht. Manche werden einmal verwendet, manche mehrfach. Ihr Inhalt: alles, was Menschen in flüssiger Form zu sich nehmen, mit Kohlensäure oder ohne, mit Alkohol oder ohne, lecker oder nicht lecker. "Das ist alles ziemlich unübersichtlich und es gibt etliche Fallstricke, die man als Verbraucher beachten muss", sagt Birgit Waidele (47), Ernährungsberaterin beim Freiburger Büro der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.




“Als erstes ist da die Unterscheidung zwischen Einweg- und Mehrwegpfandflaschen - und von Behältnissen ganz ohne Pfand. Schlauchbeutel, Tetrapacks oder Behältnisse über 3 Liter sind zum Beispiel pfandfrei.” Kompliziert? Wird es jetzt: “Es gibt Sekt in Dosen, die sind pfandfrei. Bierdosen aber nicht.”

Das sieht nach Unfug aus, liegt aber an unterschiedlichen Verordnungen und Gesetzen, an Ausnahmen von Ausnahmen. Einwegverpackungen wie Dosen werden bepfandet, Verpackungen von Wein, Sekt und Spirituosen sind aber ausgenommen. Ebenfalls pfandfrei: Frucht- und Gemüsesäfte, Nektare, Milch, Milchmischgetränke sowie diätetische Getränke für Babies. So weit, so logisch.



Also der Reihe nach. Zur Unterscheidung zwischen Einweg und Mehrweg kann man sich das ganze Etikett durchlesen, oder die Faustregel von Birgit Waidele anwenden: “Der Flaschenboden ist unterschiedlich. Mehrwegflaschen müssen stabiler sein und haben deshalb einen runden Boden, wie bei Weinflaschen. Einwegflaschen sind dünner und haben diesen sternförmigen Boden.” Die meisten Supermärkte haben aber inzwischen Automaten, die einen einzigen Einwurf für alle Sorten haben.



Mehrwegflaschen.

“Das Mehrwegpfand ist eine zivilrechtliche Abmachung zwischen Abfüller, Händler und Verbraucher. Seine Höhe kann frei festgelegt werden.” sagt Birgit Waidele. Hier kommt es auf die konkrete Flasche an, wie sie gestaltet ist. “Und unter Umständen auch darauf, wo sie gekauft wurde!” Sehr spezielle Bierflaschen kleiner Südwestdeutscher Brauereien muss ein Nordostdeutscher Supermarkt nicht zurücknehmen, wenn er sie nicht verkauft. So einfach ist das. “Kaputte Mehrwegflaschen müssen natürlich nicht zurückgenommen werden, denn bei denen kommt es ja gerade auf die Wiederverwendbarkeit an.”

Einwegflaschen.

Dafür gibt es seit 2006 eine gesetzliche Regelung. Die hört auf den schönen Namen “Verpackungsverordnung” und regelt bundesweit einheitlich, wie mit Einwegverpackungen umzugehen ist. Das Einwegpfand, auch Dosenpfand genannt, beträgt immer 25 Cent. Hier ist das Produkt egal, es geht nur um das Material der Verpackung, also zum Beispiel PET-, PP- oder andere Kunststoffe oder das etwas aus der Mode gekommene Dosen-Weißblech, aber auch Glas.

Und auch der Laden ist fast egal: "Wer Getränke in Einwegpfandflaschen oder -dosen verkauft, muss alle Verpackungen aus diesem Material annehmen. Ein Laden, der nur PET-Flaschen führt, aber keine Dosen, muss keine Dosen annehmen, aber alle PET-Flaschen, egal, woher die sind." Läden, die kleiner als 200 Quadratmeter sind, müssen sogar nur die Marken zurücknehmen, die sie verkaufen.

Grenzüberschreitende Einwegpfandsysteme gibt es allerdings nicht. Wenn eine Flasche aus dem nahen Frankreich nur ein anderes Etikett hat, ansonsten aber in Deutschland genauso verkauft wird, dann gibt es dafür kein Einwegpfand. Logisch, denn es wurde beim Kauf in Frankreich ja auch kein deutsches Einwegpfand erhoben.

“Eine Einwegpfandverpackung muss zwei Merkmale haben, um als solche durchzugehen: Das Logo der Deutsche Pfandsysteme Gesellschaft und einen Barcode, der die Flasche eindeutig kennzeichnet.” sagt Birgit Waidele. Das Logo ist für die Menschen, der Strichcode für die Automaten. “Letzteres führt dann zu den bekannten Problemen, wenn der Strichcode aus irgendeinem Grund nicht gelesen werden kann.”



Was dann? “Man sollte vor allem zeigen, dass man weiß, worauf es ankommt: Logo und Code, nicht nur die Maschinenlesbarkeit. Wenn der Automat eine Flasche nicht erkennt, kann das Verkaufspersonal die Code-Nummer eintippen. Dann ist bewiesen, daß es sich um eine reguläre Pfandflasche handelt”, rät Birgit Waidele. “Wenn allerdings wirklich nichts mehr zu erkennen ist oder das Etikett ganz fehlt, hat man ein Beweisproblem und damit schlechte Karten.”

Wenn aber alles nichts hilft, dann kann das Umweltamt schlichten. “Dafür haben wir bei der Verbraucherschutzzentrale einen Musterbrief (pdf). Der Aufwand lohnt natürlich erst, wenn es bei einem Laden immer wieder zu Ärger kommt.” Das komme häufiger vor, und das sogar noch, nachdem die Flaschen bereits erkannt wurden.

“Man vergisst ja gerne mal, die Pfandbons hinterher einzulösen. Es gibt Händler, die darauf beharren, Pfandbons nur binnen einiger Wochen einzulösen. Das ist unzulässig, die Verbraucherzentrale hat das erfolgreich abgemahnt, darauf kann man sich berufen. Diese Pfandbons sind juristisch gesehen "kleine Inhaberpapiere", und die unterliegen der regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren, gerechnet ab dem 31.12. des Jahres, aus dem der Pfandbon stammt.”

Es lohnt sich also, alte Pfandbons nicht einfach wegzuwerfen.

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