Ämterhäufung

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, welche einmalige politische Position Walter Scheel innehatte? Der vor allem als "Hoch auf dem gelben Wagen"-Sänger bekannte Bundespräsident der 70er Jahre schaffte es für kurze Zeit, die wichtigsten politischen Ämter der Bundesrepublik Deutschlands auf sich zu vereinigen. Und das ganz ohne Machtergreifung!

Scheel war seit 1969 der Außenminister und Vizekanzler des Kabinetts von Willy Brandt. Als dieser am 8. Mai 1974 wegen der Guillaume-Affäre seinen Rücktritt einreichte, wurde Walter Scheel vom damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann gebeten, die Geschäfte des Bundeskanzlers zu übernehmen. Das tat er als Vizekanzler auch pflichtgemäß.


In dieser Zeit, dem Mai des Jahres 1974, fanden auch die Wahlen zum Bundespräsidenten statt. Scheel setzte sich am 15. des Monats bei der Bundesversammlung gegen Richard von Weizsäcker durch. Und bis zur Wahl von Helmut Schmidt zum Bundeskanzler am 16. Mai war Walter Scheel für fast zwei Tage gleichzeitig gewählter Bundespräsident, amtierender Kanzler und natürlich immernoch Außenminister.