Äl Jawala: von China ins Jazzhaus

Alexander Ochs

Morgen spielt das Freiburger Balkan-Quintett Äl Jawala ein Doppelkonzert im Jazzhaus: nachmittags für Kinder, abends für Erwachsene. Vorab erzählen uns die Bandmitglieder, wie ihre Gigs beim Jazzfestival in Nanjing (China) und auf der Expo in Shanghai ankamen.



Freiburgs Balkan-Big-Beat-Combo Äl Jawala setzt zum Sprung über die Grenzen an. Im Sommer haben die fünf Musiker aus Freiburg zum ersten Mal in Spanien gespielt, anschließend sind sie, ebenfalls zum ersten Mal, in den Benelux-Ländern aufgetreten. Beide Male waren es Festivals, wo die Jawalas vor 3.000 bis 4.000 Leuten auf der Bühne standen, schätzt Markus Schumacher, der für die Percussion zuständig ist.


Doch Ende Oktober haben die Jawalas eine ganz andere Premiere erlebt: Sie haben ihr erstes Konzert außerhalb Europas gespielt. Und zwar in Asien. China, um genauer zu sein. In zwei Städten haben sie dort ein Konzert gegeben: zum einen auf der Expo in Shanghai, zum anderen beim Jazzfestival Nanjing. Das Fliegen sind die Bandmitglieder immerhin ein bisschen gewohnt, aber dennoch waren sie richtig aufgeregt – bis auf Saxofonistin Steffi Schimmer war noch keiner der fünf je in Asien.



„Als wir auf der Expo in Shanghai gespielt haben, haben uns wahnsinnig viele Menschen gehört. Das waren mehrere Gigs über den Tag verteilt“, berichtet Markus. Und wie haben die Leute reagiert? Der Perkussionist der Balkan-Combo hatte damit gerechnet, dass das chinesische Publikum zurückhaltend, reserviert ist. Doch das Gegenteil war der Fall. „Die Chinesen haben uns als Publikum total überrascht – in jeder Hinsicht positiv“, freut sich Markus. „Jede Mimik, jede Geste, ja, jede Nuance von uns wurde von den Leuten aufgenommen. Das hat uns sehr beeindruckt.“

Mit dem Schnellzug rauschte die Truppe dann ins 300 Kilometer entfernte Nanjing, Fahrtdauer: etwas mehr als eine Stunde. Auch beim Jazzfestival in Nanjing war das Publikum „der Hammer“ – trotz Bestuhlung. „Und das, obwohl wir in der ersten Hälfte improvisieren mussten zu viert, bis der Bassverstärker repariert war.“ Notgedrungen war Äl Jawala so eine halbe Stunde lang ihre eigene Vorband. Und als die Technik dann wieder funktioniert hat und Bassist Daniel Verdier endlich an Bord war, war der Jubel riesengroß. „Die Chinesen sind ein unglaublich freundliches Volk und ein äußerst aufmerksames und dankbares Publikum. Wie ein Vergrößerungsglas: Die haben jede winzige Kleinigkeit wahrgenommen“, erläutert Markus.



Und was hat die Band sonst noch beeindruckt im Reich der Mitte? Faszinierend war Markus zufolge, wie das Leben in der Stadt organisiert und strukturiert ist. Selbst in einer 14-Millionen-Metropole wie Shanghai funktionieren die Transportmittel und die Menschenmassen reibungslos, fanden er und seine Bandkollegen. Alles im Fluss, im sprichwörtlichen flow. In guter Erinnerung bleiben den Fünf sicher auch ihre abenteuerlichen Ausflüge in Shanghais Garküchen-Viertel – ohne Übersetzer.

„Am letzten Tag haben wir uns in einer Kneipe unterhalten und über die Streiks in Frankreich geredet. Irgendwann kam die Kellnerin dazu und fragte uns neugierig, worüber wir denn reden würden. Als wir ihr das erklärt hatten, meinte sie nur: ‚Wenn ich hier streiken würde, käme ich 15 Tage in den Knast – und wäre meinen Job ein für alle Mal los.’“

Nur auf der Straße haben die überzeugten Straßenmusiker dort nicht gespielt. Dazu hat die Zeit nicht gereicht, und die Genehmigungsprozedur wäre wohl auch nicht ohne gewesen. „In Shanghai gibt es eine Riesenfußgängerzone, zehn Mal so groß wie die Kajo“, schwärmt Markus. „Das wäre ein Traum, da zu spielen.“

Einen anderen Traum verwirklichen die fünf Musiker jetzt: Sie geben zum ersten Mal ein Konzert für Kinder. Auf die Idee gebracht haben sie – wer wohl? – Kids, die bei einem Straßengig stehen geblieben sind und explizit danach gefragt haben. Sogar Briefe von Kindern haben sie bekommen. Daher spielt die Band am Samstag unplugged, nur leicht verstärkt, im Jazzhaus. Um 16 Uhr gibt’s ein Kinderkonzert, das etwa 30 bis 45 Minuten dauern soll, und am Abend dürfen die Erwachsenen sich den Klängen der Balkan-Beat-Meister hingeben.

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Mehr dazu:

Was: Äl Jawala Doppelkonzert
Wann: Samstag, 20. November 2010, Kinderkonzert um 16 Uhr, Abendvorstellung um 20 Uhr (Einlass jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn)
Wo: Jazzhaus Freiburg
Eintritt: Kinder- und Jugendkonzert: Kinder bis 14 Jahre: VVK 4 Euro / AK 5 Euro, Erwachsene VVK 8 Euro / AK 9 Euro; Abendkonzert Äl Jawala unplugged: VVK 12 Euro / AK 16 Euro