Äl Jawala: Asphaltpiraten feiern CD-Release

Alexander Ochs

Fast zehn Jahre spielen Äl Jawala nun schon zusammen, und so lange hat es gedauert, bis die Balkan-Beat-Band ihr erstes Studioalbum aufgenommen hat. Bevor das neue Werk am 2. Mai im E-Werk offiziell vorgestellt wird, hat fudder zwei Bandmitglieder zum Interview getroffen.



Äl Jawala
sind – nicht nur in Freiburg – eine Institution. Sie haben sich als Straßenmusiker im besten Sinne in der Balkan-Schiene eine große Fangemeinde erobert. Sie lieben nach wie vor die spontanen Gigs auf der Straße, haben aber nichtsdestotrotz das E-Werk letztes Jahr locker voll bekommen – und mussten sogar noch rund 300 Fans abweisen. Vor der CD-Release-Party kommende Woche hat sich Alex mit Saxofonistin Steffi Schimmer, 31, und Percussionist Markus Schumacher, auch 31, unterhalten.


Ihr habt jetzt, nach fast schon 10 Jahren Bandgeschichte, euer erstes Studioalbum fertig gestellt. Eher ungewöhnlich, oder?

Steffi: Das ist ja nicht das erste Studioalbum. Das allererste, Urbanatya (2002), haben wir live im Studio eingespielt. Das neue Album Asphalt Pirate Radio ist eine Hommage an unsere Geschichte. Der Titel sagt schon alles: Als Strassenband kann man eben spontan und völlig unabhängig Musik aussenden - wann und wo man will. Warum erst jetzt ein Studioalbum? Wir haben uns immer als Liveband gesehen und das Publikum kennt uns einfach auch als Liveband.

Markus:
Dieses Gefühl wollten wir halt immer einfangen, im Studio ist es einfach anders.

Was genau ist denn anders? Wie seid ihr da rangegangen?

Steffi: Einzelaufnahmen konnten wir uns zunächst nicht vorstellen, so jeder der Reihe nach. Die Lust, etwas Neues auszuprobieren, war der Auslöser dafür, dies jetzt doch zu wagen und nun ein Studioalbum zu machen. Hinzu kommt, dass auf dem Balkan-Ost-Club-Markt mittlerweile viel passiert ist. Wir bekommen immer wieder Remixanfragen von DJs, für die das Mixen der Stücke wesentlich einfacher wäre ohne die Live-Atmosphäre.

Markus: Mit zwei Songs haben wir Neuland betreten, indem wir eine Sängerin, Delhia de France alias Franziska Grohmann von den Pentatones, dazugebeten haben. Wir wollten einfach schauen, was da passiert, was da draus wird.

War das Aufnehmen im Studio eine große Umstellung?

Beide: (gleichzeitig) Ja!

Steffi:
Es war ein fast chaotischer Arbeitsprozess: viele, viele Fehler machen. Wir haben auch den zeitlichen Rahmen total unterschätzt.

Markus: Anders gesagt, eigentlich haben wir erstaunlich zielstrebig gearbeitet, trotzdem haben wir am Ende viel Zeit gebraucht.

Steffi: Knapp drei Monate haben wir die Sachen eingespielt, danach noch drei Monate gemischt.

Markus: Vieles haben wir so aufgenommen, wie wir es auch live gespielt haben, dann auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt – quasi ein Remix von uns selbst, zumindest teilweise. Wir haben zum Beispiel auch YouTube-Material mit reingeschnitten, das ein Fan bei einem Gig von uns am Schwarzmeer mitgefilmt hatte. Für uns kommt es aber nicht in Frage, mit irgendwelchen Loops zu spielen. Live ist der Moment, da muss nichts perfekt sein, da geht es nur um das Gefühl.



Wie oft kommt ihr noch dazu, „spontan“ draußen zu spielen?


Markus:
Wir kommen nicht mehr sooo regelmäßig dazu wie früher. Da waren wir praktisch jedes Wochenende draußen. Wenn wir jetzt zum Beispiel nach Rumänien aufbrechen, stoppen wir in Frankfurt, bevor wir von dort abfliegen. Im Juni werden wir zum ersten Mal in Istanbul auftreten – ein Traum! Der Veranstalter dort hat uns gebeten, doch bitte noch einen Tag dranzuhängen, um auf der Straße zu spielen.

Wie ist das Feedback dabei – wie verhält sich das Publikum?


Markus:
Oft sehr ähnlich. Nur im Norden dauert es etwas länger, bis sich eine Menschentraube bildet.

Steffi: Das hängt aber auch von allem Möglichen ab – unserer Tagesform, unserer Laune und so weiter.

In Freiburg, so mein Eindruck, scheint es gut zu funktionieren.

Beide: (gleichzeitig) Ja, Freiburg ist schon etwas Besonderes.

Ihr spielt, wie gesagt, viel „für umme“ auf der Straße. Wie wirkt sich das auf die CD-Verkäufe aus?

Markus: Je nachdem, wie es an dem Tag läuft, verkaufen wir auch viele CDs.

Steffi: Die Straßengigs stehen nicht in Konkurrenz zu uns als Bühnenband.

Markus: Straße ist so die Piratenaktion, Konzert ist eben live, fett und verstärkt, da steckt ganz andere Energie dahinter. Unser erstes Konzert haben wir im Winter 2001/02 im jos fritz gespielt. Wir hatten mit 20, 30 Leuten gerechnet – und haben gleich den Laden gesprengt! (lacht)

Seit Jahren steckt das „klassische“ Produkt CD in der Krise. Wie ist das bei Äl Jawala?

Steffi: Krise haben wir keine, weil wir unser eigenes Label sind, unsere eigene Booking-Agentur sind und selber produzieren.

Markus: Bei manchen anderen Bands aus der Balkanszene bleibt halt kaum noch was hängen von den CD-Verkäufen, da das Plattenlabel und der Vertrieb bezahlt werden müssen. Bei uns sieht’s da ein bisschen besser aus.

Könnt ihr von eurer Musik leben?

Steffi: Ja, im weitesten Sinne. Keiner macht einen Job, der nicht mit Musik zu tun hat. Krischan, unser Saxofon-Mann, ist zum Beispiel der geborene Pädagoge. Und unser Bassist Daniel macht Musik- und Sprachprojekte in Kindergärten – großartig!

Euer Konzert im E-Werk Anfang 2008 habt ihr aufgezeichnet. Wann kommt endlich die Live-DVD?

Markus: Das hat leider nicht geklappt. Der Harddisk-Recorder hatte damals einen Fehler und  darum waren Bild und Ton ein paar Sekunden auseinander. Das Material lässt sich kaum verwenden – obwohl die Stimmung großartig war. Das war bitter… Ein paar Ausschnitte gibt es aber auf unserer MySpace-Seite zu sehen.

Was steht als nächstes an?

Steffi: Wir plakatieren jetzt erstmal für unser Konzert im E-Werk, das machen wir zum Teil noch selber. Wir sind ’ne Gärtner-Band: hegen und pflegen… (grinst)

Markus: Ich freue mich schon tierisch auf unser Konzert im E-Werk. Es wird sicher ein ganz besonderes Konzert werden. Wir haben auch einige der Gastmusiker des Albums eingeladen. Und nach dem Konzert legen die Balkanstyleee aus München auf. So ziemlich alle Tickets sind übrigens letztes Mal im Vorverkauf weggegangen. Wer sichergehen will, sollte sich schon vorher eine Karte besorgen.



Verlosung

fudder verlost zwei Mal die neue Äl Jäwala Album 'Asphalt Pirate Radio' , und zwar signiert. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt eine E-Mail mit Eurem Namen, Eurer Adresse und dem Betreff "Asphalt Piraten" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Mittwoch, 29. April 2009, 14 Uhr. Die Gewinner werden sofort nach dem Ende der Verlosung per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mehr dazu:

Äl Jawala: Website& MySpace

Was:
Äl Jawala Konzert und CD-Release-Party
Wann: Samstag, 2. Mai 2009, 20 Uhr
Wo: E-Werk