Adolf Noise im Theater: Hörspielkonzert der Extraklasse

Dennies Wiesch

Was sich am Donnerstag Abend im gut gefüllten Kleinen Haus des Freiburger Stadttheaters abspielte, hatte Seltenheitswert und ließ ein begeistertes Publikum zurück: Stefan Kozalla, der Mann der eher unter Pseudonymen wie DJ Koze, Adolf Noise, Swahimi oder Monaco Schranze bekannt ist, kam im Auftrag der Kopfhörerfirma Sennheiser zusammen mit seinem alten Freund Mense Reents, Mitglied der Goldenen Zitronen, und lieferte eine Art Hörspielkonzert der Extraklasse ab.



Flankiert von zwei überdimensionalen Persil- und Aspirinboxen machten es sich die beiden Protagonisten hinter ihrem Pult, ausgestattet mit Laptop, Mischpult, Mikrofon, Blasharmonika, Xylophon, Flöte und Trompete, gemütlich und nahmen die Zuschauer mit auf eine kurzweilige und äußerst amüsante Reise. Alles was sich akustisch abspielte, war ausschließlich über Kopfhörer zu hören, die jeder Besucher am Eingang ausgehändigt bekam.


Direkt einleitend sprach Kozalla, an diesem Abend als Adolf Noise aktiv, mit tiefer bassverzerrter Stimme, dass Musik Probleme lösen könne und jeder während der Show Urlaub von sich selbst nehmen solle. Dies gelang in der Tat auch wirklich gut, wurde nur leider hin und wieder durch viel zu übertrieben begeistertes Brüllen und Schreien einer kleinen Gruppe aus dem Publikum gestört. Was nun in den nächsten knapp 90 Minuten folgte, war kurz gesagt schlichtweg grandios.

Es wurden eine Menge verschiedener Gespräche und Monologe eingespielt, wie zum Beispiel der Traum vom Staatsexamen mit Prädikat, die legendäre Rede Gunter Gabriels in Ostdeutschland über Arbeitslosigkeit und Hartz IV  ein Sextalk oder ein Gespräch mit einer Katze, die Adolf Noise dann während des Abspielens in einzelne Parts auseinander riss, diese Sprachfetzen loopte, verzerrte und stellenweise mit Beats und Soundflächen unterlegte.

Hin und wieder kam auch Mense Reets zum Einsatz, der die neu entstandenen 'Songs' mit Hilfe seiner Hirtenflöte, Trompete oder seinem Xylophon mit kleinen Melodien anreicherte. Aber auch von Kozalla selbst - hier als Der-36-Stimmen-Mann auftretend - herrlich schräg intonierte Songs wie “We are the world” von Band Aid oder Bart Howards Standard “Fly me to the moon”, die einfach nur abgespielt wurden, gehörten zum Programm.

Eingefleischten Fans werden einige dieser Beispiele bekannt vorkommen, sind sie doch allesamt auf seinem Album “Wo die Rammelwolle fliegt” enthalten, wirkten in der Live-Umsetzung aber trotzdem erfrischend und aufs neue unterhaltsam. Das Programm lebte aber vor allem von Noise’s hervorragenden Entertainer-Qualitäten, viel Situationskomik und lustigen Einlagen, mit denen er das Publikum ein ums andere Mal zum Lachen brachte.

Dazu gehörte unter anderem eine kurze Verfolgungsjagd mit Mense Reents über die Bühne (“Is schließlich Theater hier, alter”) , spontane Sprüche (“Das was wir hier machen ist genial, das ist kein Zufall! Zufall ist 80er!!”) oder der vibrierende Motor einer Stoffkatze, dessen Sound er kurzerhand verwendete, um damit rum zu experimentieren und in einen bestehenden Beat einzubauen.

Einer der Höhepunkte an einem wirklich perfekten Abend war für mich, wie Adolf Noise, sich langsam in schrägen Samples und Beatstrukturen verlierend, urplötzlich das Acappella von Matias Aguayos “Minimal” einspielte, über den bestehenden Beat legte und es spätestens in diesem Moment schaffte, dass man wirklich alle Probleme hinter sich ließ und zum Träumen verleitet wurde.

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