Ade, Robin! Dutt wechselt nach Leverkusen, Marcus Sorg wird Nachfolger

David Seitz

Seite heute mittag ist es offiziell: Robin Dutt verlässt den SC Freiburg zum Saisonende und wechselt nach Leverkusen; Sein Nachfolger wird Marcus Sorg, bisher Trainer der Regionalliga-Mannschaft des SC. In einer Pressekonferenz gab Dutt heute seine Entscheidung bekannt - und wirkte dabei hin und hergerissen zwischen Wehmut und neuem Tatendrang. David war dabei.



In einer routiniert und doch mit emotionalen Äußerungen durchtränkten Pressekonferenz erfuhren Medienvertreter heute mittag, das, "was ja die Spatzen sowieso schon von den Dächern gepfiffen hatten."(O-Ton Fritz Keller).


"Robin Dutt und mit ihm auch Damir Buric und Marco Langner haben uns darum gebeten den Verein verlassen zu dürfen, wir haben schweren Herzens zugestimmt", sagte Keller zur Entscheidung des Vereins. Im gleichen Atemzug holte er zu einer kleinen Dankesrede aus und lobte Dutt für seine hervorragende Arbeit im sportlichen, strukturellen und vor allem im menschlichen Bereich.

Der Trainerwechsel, der für die meisten SC Anhänger trotz aller Spekulationen im Vorfeld wohl doch überraschend schnell traurige Gewissheit wurde, war vereinsintern schon länger ein Thema. Das Szenario von Dutts Weggang hatte die Vereinsführung bereits vor zwei Jahren für 2011 und für 2012 durchgespielt – daher traf es den Verein nicht allzu hart, als Dutt und sein Team den Wunsch nach der Freigabe äußerten.

Dem wechselwilligen Robin Dutt merkte man derweil deutlich an, dass zwei Gefühlswelten gegeneinander ankämpften, obwohl die Erleichterung zunächst am deutlichsten erkennbar war: "Ich bin mehr froh, dass es jetzt endlich raus ist, dass das Rumgeeiere jetzt vorbei ist", sagte er seufzend.

Dutt machte klar, dass ihm die Trennung von Verein und Stadt nicht leicht fallen wird. "Jetzt wo es offiziell ist, kommt in mir schon Wehmut auf. Ich habe hier Freundschaften aufgebaut, und mir eine Wohnung gekauft." Gleichzeitig unterstrich er, dass die aktuelle sportliche Situation für ihn kaum besser sein könnte. "Es ist schöner du gehst zu einem Zeitpunkt an dem die Leute es schade finden, dass Du geht, als zu einer Zeit zu gehen in der sie sagen 'Zum Glück ist er jetzt weg'." Dutt machte keinen Hehl daraus, dass die sportliche Herausforderung in Leverkusen für ihn sehr reizvoll ist. Er wolle den vielzitierten "nächsten Schritt" in seiner Karriere machen.

Auch Sportdirektor Dirk Dufner versuchte erst gar nicht, seine Gefühle zurückzuhalten: "Ich habe in meiner Karriere noch nie einen so emotionalen Trainerwechsel erlebt." Seinen Aussagen zufolge hatte es bereits in den vergangenen Spielzeiten Angebote für Dutt gegeben, die man aber in Übereinstimmung abgelehnt habe. Nun war Robin Dutt für den SC aber nicht mehr zu halten.

Die positive Seite des Wechsels: Der SC Freiburg wird für den Wechsel von Dutt zu Bayer Leverkusen eine Ablösesumme erhalten, die laut Medienberichten im siebenstelligen Bereich liegen wird. Weder Dutt noch Dufner wollten am Mittag über die genaue Summe Auskunft geben.

Marcus Sorg (Bild oben rechts), bisher Trainer der Regionalliga Mannschaft des SC Freiburg, wird ab dem 1. Juli den Posten von Robin Dutt übernehmen, Christian Streich bleibt Co-Trainer und Leiter der Fußballschule. Noch-Trainer Dutt äußerte sich durchweg positiv zu seinen Nachfolgern. "Mir war sehr wohl ums Herz als ich gehört habe, dass es eine interne Lösung geben wird, dass hat mich auch auf privater Ebene gefreut."

Auch Fritz Keller und Dirk Duffner sprachen dem neuen Cheftrainer das volles Vertrauen aus und freuten sich vor allem darüber, dass die Talentschmiede und der Verein jetzt noch mehr zusammenwachsen. "Der Verein ist jetzt die Fußballschule", brachte es Dufner auf den Punkt. Marcus Sorg, der Robin Dutt schon seit seiner Zeit bei den Stutgarter Kickers kennt, wirkte bei seinem kurzen Statement noch etwas medienscheu und kurz angebunden, trotzdem spürte man ihm an, wie sehr er sich über seine neue Aufgabe freut. "Das ist ein sehr großer Vertrauensbeweis und eine tolle Anerkennung für meine Arbeit – es zeigt, dass der SC Freiburg auch Leistungen aus der zweiten Reihe honoriert." In Anbetracht eines möglichen Trainerwechsels war Sorg schon länger in die Geschäfte des Bundesligisten miteinbezogen worden, die Vereinschefs erhoffen sich dadurch nun einen reibungslosen Übergang.

Mit der internen Lösung bleibt der SC Freiburg weiterhin seiner Philosophie treu möglichst viele Posten aus den eigenen Reihen zu besetzen. Das Beispiel Mainz zeigt, dass man mit diesem Konzept durchaus Erfolg haben kann. Die SC-Fans reagieren auf den Weggang von Dutt verständlicherweise mit großem Bedauern, obwohl vielen klar war, dass Dutt auf Dauer nicht zu halten war. Sie müssen sich nun an ein neues Gesicht auf der Trainerbank gewöhnen, eines bleibt jedoch unverändert – auch der Neue schwäbelt.

Video: Dutt-Wechsel: was sagen die Freiburger zu den neuen Trainern?



Auch bei der heutigen Pressekonferenz konnte Dutt nicht auf seine fast schon legendären Frotzeleien verzichten – angesichts der Frage aber durchaus verständlich:

Journalist: "Wird Michael Ballack unter ihnen wieder Nationalspieler?"
Dutt: "Nein, er wird kläglich versagen."
Journalist: "Das gebe ich dann jetzt so weiter."
Dutt: "Okay."
Journalist: "Ich gebe es wirklich so weiter."
Dutt: "Okay, wenn sie weitergeben wollen, dass ich eine ironische, fast spitzbübische Antwort gegeben habe, dann tun sie das."

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[Bild: dpa]