Action Forest: Jane im Schwarzwald

Lilli Staiger

Der Waldhochseilgarten Action Forest in Titisee-Neustadt ist keine Caféterrasse. Man bewegt sich von Baum zu Baum und erlebt die Natur aus einem ganz anderen Blickwinkel. Die kniffligen Parcours zu bewältigen, erfordert Kraft, Mut und Überwindung, denn man befindet sich manchmal 18 Meter über dem Boden. Hier mein luftiger Bericht .

Der Action Forest liegt im "Hirschbühl" am Titisee und wurde im Juli eröffnet. Ein Abenteuerpark für jung und alt, so die Betreiber. Es gibt fünf Parcours mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Den einfachsten Parcour (hellgrün gekennzeichnet) können Kinder ab sechs Jahren bewältigen. Er befindet sich in einer Höhe zwischen vier und sechs Metern. Etwas schwieriger ist die dunkelgrüne Strecke. In fünf bis acht Metern überm Boden muss man schon kleine Balanceübungen machen.


Anspruchsvoller wird es beim blauen Parcour, der in zehn Metern Höhe verläuft. Die hier integrierte Schwingseilübung (Foto oben) hat mich schon ein wenig Überwindung gekostet. Aber es kommt noch schlimmer. Beim schwarzen Parcour kriegen schwache Gemüter weiche Knie. Man braucht Mut, Kraft, Ausdauer und viel Geduld. Diese Eigenschaften müssen übrigens auch die Trainer zeigen.

Als ich im Action Forest ankomme, erklärt mir Chef Thomas Edlefsen zunächst, was mich erwartet. Er macht mich mit den Sicherheitsvorkehrungen bekannt. Bevor es losgeht, muss ich die Benutzungsregeln lesen und eine Einverständniserklärung unterschreiben. Dann versehe ich mich mit Helm und Hosenträgergurt, an dem die Karabinerhaken befestigt sind, und laufe den Waldpfad bis zum Sammelplatz hoch. Dort warten bereits die Trainer Alex und Tanja. Sie führen mich zum Einführungsparcour, den ich fehlerfrei bestehen muss, um für alles weitere gerüstet zu sein. Aus Sicherheitsgründen ist stets mein Karabiner an einem Stahlseil eingehakt. So kann nichts passieren.

Der Anfang gestaltet sich harmlos und dem Erdboden ziemlich nahe. Dann aber begeben wir uns zum blauen und drittschwersten Parcour. Von dort aus blickt man schon tiefer. Mir wird ein wenig mulmig. Nachdem ich mich am Seil rübergeschwungen habe, lautet die nächste Herausforderung, über ein dünnes Seil zu laufen. An den Seiten kann ich mich dabei immerhin an anderen Seilen festhalten.

Geschafft! Am Ende jedes Parcours rutscht man eine Seilbahn runter. Macht Spaß.

Eigentlich wollte ich mir die schwierigeren Parcours nur ansehen. Den roten zum Beispiel. Ich gehe gleich weiter zum schwarzen. Dort angekommen, sagt Trainer Alex, ich solle es doch mal probieren. Nach anfänglichem Zögern klettere ich die Leiter am Baum hoch. Wahnsinn. Der Ausblick aus 18 Metern Höhe ist fantastisch, zumindest solange man auf dem Holzpodest steht. Aber irgendwie muss ich zum nächsten Baum kommen. Ich versuch's.

Ich halte mich am Seil fest und setze einen Fuß auf den Baumstamm. Das Gleiche mit dem anderen Fuß. Um vorwärts zu kommen, ziehe ich ein Seil von vorne an mich heran und steige vorsichtig auf den nächsten Baumstamm, slalomartig. Es funktioniert. Ab der zweiten Hälfte wird es ziemlich anstrengend. Umdrehen kann ich mich aber nicht. Schließlich klappt es irgendwie.

Die nächste Station lasse ich aus, ist mir zuviel. Ich lasse mir von Trainer Alex vorführen, wie man diesen komplizierten Teil meistert. Alex gibt zu, dass dieser Part sehr schwierig ist, viel Kraft und Ruhe erfordert. Am meisten würden mich die großen Abstände zwischen den Seilen beunruhigen. Verliert man eine Sekunde lang das Gleichgewicht, hängt man in der Sicherung. Zum Glück fällt man nur 50 Zentimeter tief, dann wird man wieder hochgezogen. Trotzdem habe ich Angst vorm Fallen.

Als Nächstes kommt eine lange, wacklige Holzleiter. Au weia. Ich bleibe erst eine Weile stehen, bis ich mich traue, loszulaufen. Die Abstände zwischen den Holzbrettchen sind sehr groß. Festhalten kann ich mich nirgends. Unten, am Boden, sehe ich eine ältere Dame, die entsetzt zu mir hoch schaut. Sie erscheint mir winzig. "Wollen Sie es auch probieren?", rufe ich runter. "Um Gottes Willen, nein", brüllt sie zurück. Konzentration. Ich laufe los. Es geht. Nach einigen Schritten verfliegt meine Angst. Ich fühle mich sogar sicher.

Jetzt liegt da nur noch ein langer, schmaler Baumstamm, der die Stationen verbindet. Wieder bleibe ich erst auf dem Podest stehen und überlege, ob und wie ich es machen soll. Es kostet mich große Überwindung. Ich mache die ersten Schritte. Was unter mir ist, versuche ich auszublenden. Sehr viel Konzentration ist jetzt gefordert. Es erinnert mich an Geräteturnen. Ich stelle mir vor: ich laufe über den Schwebebalken, strecke die Arme aus und laufe vorsichtig drüber. Geschafft.

Das Beste zum Schluss. Der Skifox, eine 210 Meter lange Seilbahn. Die längste in Deutschland. Aus 18 Metern Höhe rutsche ich los. Sehr schnell, tolles Gefühl. Leider bin ich rasch unten. Ein rasender Abschied aus dem Action Forest. Sehr spannend, empfehlenswert.

Mehr dazu:

  • Öffnungszeiten: 18. September - 29. Oktober: Mo-Fr 12.00-19.00 Uhr.
    30. Oktober - 5. November: Täglich 9.00 - 18.00 Uhr
  • Tel: 07651-9365977