Achtung, Shitstorm: 9 unvergessene Beispiele

Simone Bastreri

Ob Nestlé, der WWF oder die Deutsche Bahn: Über sie alle fegte schon ein so genannter Shitstorm hinweg. Das Internetphänomen kann jeden treffen - ganz unvermittelt und plötzlich: Neun spektakuläre Social-Media-Konflikte im Überblick:



Ob Firmen Umweltsünden begehen oder schlechten Kundenservice bieten: Im Social Web wird alles thematisiert und kommentiert. Die Facebook- oder Twitterauftritte von Unternehmen und Organisationen bieten der Internet-Communitydie ideale Zielscheibe für Lob, Kritik oder Spott. Manchmal braut sich aber auch ein regelrechter Sturm der Entrüstung zusammen: der sogenannte Shitstorm.  Via Blog, Facebook, Twitter und Co. hagelt es dann Kritik und Beleidigungen. Neun unvergessene Internet-Konflikte im Überblick:


Dell, 2005: Die Geburtsstunde des Shitstorms erlebte die Firma Dell 2005. Jeff Jarvis, Blogger und Journalist, beschwerte sich in seinem Blog über die Produkte und den Support von Dell. Auch ohne Facebook und Twitter erreichte der Fall viele Menschen – und die Massenmedien, die über die „Dell Hell“ berichteten.

Nestlé, Frühjahr 2010:
In einer makaberen Parodie eines Kitkat-Werbespots von Greenpeace beißt ein Mann statt in den  Schokoriegel in einen Orang-Utan-Finger. Hintergrund: Für das in Kitkat verwendete Palmöl werde der Regenwald, die Heimat der Orang-Utans, zerstört, so Greenpeace. Ein Shitstorm brauste über Nestlé hinweg, nachdem die Firma das Video auf Youtube löschen ließ und ihre Facebookseite vom Netz nahm.



Video-Umfrage: Was ist ein Shitstorm?






Schlecker, Herbst 2011:
Bestes Rezept für einen Shitstorm: Die eigenen Kunden für blöd halten und das auch noch kommunizieren: Den tumben Werbeslogan „For you. Vor Ort“ hatte ein Sprachwissenschaftler in einem Brief an Schlecker kritisiert. Unternehmenssprecher Florian Baum rechtfertigte den Slogan mit dem Bildungsniveau der durchschnittlichen Schleckerkunden. Die seien von „niederem bis mittleren Bildungsniveau“  und reflektierten Sprache gemeinhin nicht so wie er oder der Briefeschreiber. Vor allem der Dünkel des Unternehmenssprechers sorgte im Netz für einen Shitstorm.

Deutsche Bahn, Herbst 2010: Die Spott- und Häme gewöhnte Bahn war auf einen Shitstorm im Oktober 2010 nicht vorbereitet. Mit dem Angebot „Chefticket“ hatte sie Kunden auf ihre Facebookseite locken wollen. Die kamen auch, posteten aber lieber über verspätete Züge und Stuttgart 21.  Reaktionen blieben zunächst aus – die Bahn war völlig überfordert mit der Kommentarflut.

Pril, Frühjahr 2011: So hatte sich der Henkel-Konzern das Design-Casting für eine limitierte Ausgabe des Spülmittels Pril wohl nicht vorgestellt: Die Community wählte den Ulk-Vorschlag für das Etikett „Schmeckt lecker nach Hähnchen“ auf Platz eins. Aus den besten Vorschlägen wählten die Designer von Henkel dann  aber die Entwürfe mit den wenigsten Stimmen. User fühlten sich verschaukelt und witterten Manipulation.

WWF, Sommer 2011:
Auch den niedlichen WWF-Panda traf nach einer kritischen Dokumentation des WDR die volle Wucht eines Shitstorms. Zuschauer und Spender gingen nach dem Film „Der Pakt mit dem Panda“ von Wilfried Huismann auf die Facebook-Barrikaden. Öl ins Feuer goss der WWF dann selbst mit seiner Krisenkommunikation: Die Reaktion auf die Proteste ließ einen Tag auf sich warten und  um 18 Uhr wurde die Kommentarfunktion auf der Facebookseite pünktlich zum Feierabend deaktiviert.

EM-Sponsoren, Herbst 2011:
Im Vorfeld der EM 2012 wollte Gastgeberland Ukraine die heimischen Straßen von streunenden Katzen und Hunden „säubern“. Sie hätten dem Image des Landes geschadet, so die Befürchtung. Von Massentötungen und lebendig verbrannten Tieren war die Rede. Die Empörung  der Tierschützer entlud sich auf den Facebookseiten der Sponsoren wie Adidas oder McDonalds.  Es hagelte Boykottaufrufe, Werbeslogans wurden verballhornt. Eine Facebookseite mit dem Namen „Stop killing Dogs EURO 2012 in Ukraine“ hatte rasch 91.187 „Gefällt mir“-Klicks. Die Protestaktionen zeigten Erfolg: Sponsoren und UEFA setzten die ukrainische Regierung unter Druck, die Tötungen zu stoppen.

Sparda Bank, Herbst 2011:
die Photoshop-Panne! Im Stadionblatt des Fußballclubs Borussia Dortmund hatte die Sparda eine große Anzeige geschaltet. Zu sehen war ein Fan mit Megafon, der eine Menge anheizt. Geworben wurde für ein Produkt namens „Schwarzgelbe Karte“. Dumm nur, dass auf dem Megafon ein Aufkleber der Ultras aus Gelsenkirchen klebte, also Schalke 04 – dem Erzfeind der Borussen. Offensichtlich war bei der Bearbeitung der Bilder mit Photoshop ein Fehler passiert, der sofort mit einem Shitstorm auf der Facebookseite quittiert wurde. Auch einige Blogs griffen den Fall auf. Gelöscht wurden die kritischen Kommentare aber nicht.

ING DIBA, Winter 2012:
Beim Fernsehwerbespot der Bank mit Basketballstar Dirk Nowitzki ging es sprichwörtlich um die Wurst. Bodenständigkeit sollte die Reklame suggerieren, die Nowitzki in der Metzgerei seiner Jugend eine Scheibe Wurst verspeisend zeigt, damit er „groß und stark wird“. Alles andere als „wurst“ war das Vegetariern. Auf der Facebookseite lieferten sie sich mit Fleischessern tagelang eine heiße Debatte. ING DIBA schaute dem Treiben ein paar Tage lang zu, sperrte dann aber die Kommentarfunktion für weitere Beiträge zu diesem Thema.

[Bild: Fotolia/ Ben Chams]

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