Achtung: Fertig, los!

Carolin Buchheim

'Achtung: Fertig, los!' Genau das scheint das Motto der Band Fertig, Los! aus München zu sein. Nach einer Support-Tour mit den Rifles und den Aufnahmen für ihr erstes Album wollen die drei Jungs mit Mädchen 2007 durchstarten: Am 27. April erscheint 'Das Herz ist ein Sammler' und getourt wird wie wild, allein und unter anderem auch als Begleitung von Anajo und Olli Schulz. Heute Abend stehen sie vor Klee auf der Bühne des Jazzhaus. Frontmann Philipp Leu hat fudder vom Album, vom Touren mit den Rifles und von den Liedern über seine Ex-Freundinnen erzählt.

Wie würdest Du den Sound von Fertig, Los! einer tauben Person beschreiben, Philipp?


Das ist ja eine brutale Frage, echt gemein. (Überlegt einige Zeit, debattiert kurz mit Bandkollege Raphael ein, der am anderen Ende des Telefons ebenfalls im Raum ist.) Ich würde ein Bild malen, nein, halt! Ich würde der Person ein Bild von Max Beckmann zeigen, und zwar ein ganz Bestimmtes: Das Abfahrt-Triptychon, das hat er 1933 gemalt. Das hängt in der Pinakothek der Moderne in München. Darf ich auch erklären, warum?

Klar!

Es ist nämlich so, dass dieses Bild einfach enorm interessant ist. Es ist einfach aufgebaut und der Stil von Beckmann ist sehr plakativ, aber wenn man in die Details geht, dann merkt man, dass da sehr viel dahinter steckt. Wenn man es anschaut meint man zuerst, da sei ein Schwarzer, der mit einer Axt versucht, einen Menschen zu erschlagen. Aber wenn man dann genau hinschaut, dann sieht man, dass dem gar nicht so ist, der hält ein Netz mit Fischen drin. Das mag ich an Beckmann, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt, und dass es so kräftig ist von den Farben, und dass die Farben so aussagekräftig sind.

Meinst Du, Das ist bei Eurer Musik und eurem Album ähnlich? Dass man beim ersten Hören etwas anderes hört als beim zweiten, Dritten, zehnte Mal?

Ja, ich glaub schon, dass man immer mehr entdeckt, je öfter man es sich anhört. Genau das finde ich auch super an Filmen. Bei Krieg der Sterne zum Beispiel, da hat man immer wieder das Gefühl, 'Woah, diese Szene habe ich noch nie gesehen.' Und genau das wollte ich auch mit unserem Album erreichen. Da hab' ich aufgepasst, dass es schön vielschichtig geworden ist.



Euer erstes Album 'Das Herz ist ein Sammler' ist jetzt fertig und erscheint Ende April.Was bedeutet es Dir?

Ich bin gerade einfach total gespannt, denn das Album ist so das erste wirklich Große was man geschaffen hat im Leben, vor allem wenn man erst 24 ist und noch nicht so viel gemacht hat, so viel Künstlerisches, meine ich. Und da ist halt totale Spannung in mir, was jetzt passiert, was die Öffentlichkeit meint, wie sie das aufnimmt, weil da so viel ist, was aus einem kommt. Da hofft man natürlich, dass es auch wohlwollend gehört wird.

Welche Reaktion erhoffst Du Dir genau?

Dass die Leute auf Konzerte kommen und dass sie dann Spaß haben und wir sie zum Tanzen bringen.

Ist es das, was Du findest was Leute zum Album machen sollen?

Was sie zum Album machen sollen? Die Frage bringt mich auf ein Lied vom Album, ich glaube es ist Nummer fünf, es heißt 'Links, Rechts, Links', das ist auch auf unserer MySpace-Seite. Es ist ein Lied über die rechte Szene in München, über eine Nazi-Demo, und erst klang das Lied so, dass man dazu hätte Liebe machen können. Damit war ich ganz unzufrieden, denn zu so einem Lied darf man sich nicht entspannen. Deswegen haben wir noch einen anderen Teil hinzugefügt. Bei den anderen Liedern darf man durchaus dazu kuscheln.

Ich hab' gelesen, dass Du sehr viele Texte über Sachen schreibst, die Du tatsächlich erlebt hast, viel über Zwischenmenschlichkeiten und auch über Deine Ex-Freundinnen. Machst Du Dir Sorgen, wie sie reagieren, wenn sie das Album hören? Hast Du in der Vergangenheit schon mal Probleme bekommen weil sich Leute in Deinen Texten erkannt haben?

Nee, noch nie, die wissen das alle gar nicht! Ich hab vor einer Woche eine Ex-Freundin getroffen, und da habe ich mit dem Gedanken gespielt, ihr das zu sagen, ist ja alles auch schon ein paar Jahre her. 'Du, ich hab' da ein Lied über Dich geschrieben.' Aber dann hab' ich mich doch nicht getraut sondern mir gedacht 'Nee, das behälst Du lieber für Dich.' Irgendwie wär' es komisch, wenn sie wüsste 'Das ist genau über mich!'

Würde sie das nicht merken, dass das Lied über sie ist, wenn sie es hört?

Das könnte sein, aber ich weiß gar nicht, ob sie so Musik mag, oder ob sie da zufällig drauf stoßen könnte. Vielleicht sag' ich ihr das ja dann irgendwann doch mal. Nur um zu gucken, wie sie reagiert.

Euer Bandname ist ja beinahe ungooglebar. War das Absicht?

Du hast recht er ist wirklich ungooglebar, aber das war keine Absicht. Wir mussten uns vor ungefähr einem Jahr umbenennen; Vorher hießen wir Spunk, und so heißen ungefähr zwanzigtausend Bands. Wir brauchten einen neuen Namen, unter dem wir veröffentlichen können, ohne dass wir gleich zwanzigtausend Klagen am Hals haben, und da haben wir dann ganz lange überlegt, haben ganz viele schlimme Ideen gehabt, sogar der Vater von unserem Gitarristen hatte Ideen, wie wir heißen sollten. Aber dann war es ganz einfach: Ich hatte ein Bild von meiner Ex-Freundin, damals noch Freundin, auf dem sie ein Schild in der Hand hat, auf dem 'Fertig, los!' steht. Und ich hab es die ganze Zeit angeguckt und über andere Band-Namen nachgedacht, bis ich irgendwann dachte. 'Wir können uns doch 'Fertig, los!' nennen! Niemand anderes wird so blöde sein, so einen Namen auszusuchen.' Das ist einfach ein Name mit so vielen Satzzeichen, dass man schon verrückt sein muss, ihn sich auszusuchen.



Ihr seid als Vorband von Klee in Freiburg. Ihr habt jetzt in den letzten Monaten für viele tolle Bands aufgewärmt. Mit wem war es am Besten?

Ganz klar mit den Rifles, das war deren ganze Deutschlandtour. Das sind total nette Jungs. Wir sind erst einmal gewarnt worden 'Passt auf, diese englischen Bands, die müssen sich immer was beweisen, die sind ganz wild und arrogant!' Und dann lernen wir die kennen, und die kommen zu uns in den Backstage-Raum, und wir waren total perplex, weil die so nett waren. 'Ey, ihr müsst doch nicht hier im Essensraum rumhängen, kommt 'rüber zu uns, wir haben Bier.' Und dann waren wir jeden Abend mit denen unterwegs, was total auf die Gesundheit gegangen ist, aber wir haben uns wirklich saugut verstanden.

Crazy Rockstar Lifestyle?

Ja, das war wirklich Crazy Rockstar Lifestyle. Was die an Alkohol in sich reinschütten, schon vor den Konzerten, ist echt bemerkenswert.

Das ist bei Euch noch anders?

Wir trinken nicht vor dem Konzert. Aber danach mal ein Bier. Oder zwei. Oder Drei.

Wie war es beim ersten Mal als Support für die Rifles? Wart ihr sehr aufgeregt?

Ja, wir hatten total die Hosen voll. Die erste Show war dann auch gleich die Größte, im Gloria in Köln, mit über tausend Leuten und ausverkauft. Wir standen vor diesem Menschenmeer und das war die größte Menschenmenge, die wir je vor uns hatten. Die hatten Karten gekauft um eine coole englische Rockband zu sehen und bekamen deutsche Popmusik serviert. Ich hab mich wirklich gefragt, ob die das irgendwie verkraften würden. Und dann haben wir einfach erstmal gespielt, und so nach dem dritten Lied hat man dann ein bisschen Ablehnung gesehen in den Gesichtern, denn wir haben auch wirklich provokant poppig angefangen. Dann wurden die Songs aber härter, und dann konntest Du sehen, wie sich die Gesichter öffneten. 'Oh ja, wir checken das schon.' Und das war schön zu sehen, wie die Leute dann doch 'drauf eingestiegen sind.

Habt ihr schon mal mit Klee gespielt?

Nein, das ist das erste Mal, aber die sind uns alle kennen lernen gekommen, als wir eben mit den Rifles in Köln waren, das fand ich super. Da hab' ich zu Suzie gesagt "Danke, dass wir für Euch Support spielen dürfen." Und Suzie meinte so "Ach Quatsch, nicht Support, wir spielen doch zusammen!" Das hat mich so gefreut. Suzie ist nett, beinahe noch kindlich, so richtig jung geblieben.



Mehr dazu:

Fertig, los!: Website& MySpace Was: Klee (Support: Fertig, los!)
Wann: Mittwoch, 28. Februar, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus, Freiburg
Eintritt: €13 (VVK), €16 (AK)

Fertig, los!: Ich kann dich hören