Acht Tipps, wie Du Deinen Balkon oder Minigarten in eine grüne Oase verwandelst

Nora Ederer

Du willst Tomaten aus eigenem Anbau naschen, mit frischen Kräutern vom Balkon kochen und Marmelade aus selbst gezüchteten Erdbeeren einkochen? Fudder erklärt Dir, wie Du Deinen Balkon oder Minigarten in eine grüne Oase verwandelst.

Fudder-Autorin Nora Eerer hat mit der Gärtnerin Ivanka Slovic (41) gesprochen. Sie leitet den Gemüsegarten der Stadtgärtnerei und verrät dir, wie du deinen Balkon oder Minigarten in eine grüne Oase verwandelst.


1. Platz kreativ nutzen – vertikales Gärtnern

Wenn Bodenfläche rar ist, bieten Wände und Geländer einen geeigneten Ausweichplatz für Pflanzgefäße. Mit Hilfe von Säulenbeeten aus alten Plastikrohren, Hängeampeln und verschieden großen, ineinander gestellten Blumentöpfen kannst Du die Anbaufläche Deines Balkons deutlich vergrößern. Die Stufen einer aufgestellten Leiter bieten auch jede Menge Platz für kleinere Pflanzkästen. Wenn Du die Wände und Geländer so begrünst, wirkt dein Balkon auch gleich viel gemütlicher. "Aber bitte auch auf die Statik achten!", lenkt Ivanka Solvic ein, "Informiere Dich immer erst, wie viel Dein Balkon tragen kann, bevor Du große Pflanzgefäße oder Hochbeete daraufstellst."

2. Das richtige Saatgut

Alles beginnt mit der Wahl des richtigen Saatgutes. "Generell solltest Du immer darauf achten, Saatgut mit der Bezeichnung ’samenfest’ zu kaufen", rät die Expertin. Denn nur so kannst Du daraus Pflanzen ziehen, deren Samen Du später wieder anbauen kannst. Das ist günstiger als jedes Jahr neue Samen zu kaufen und macht Dich unabhängig von großen Saatgutherstellern. Als Bezugsquelle empfiehlt Ivanka Solvic den Samengarten in Eichstetten am Kaiserstuhl.

Gegen eine kleine Schutzgebühr bekommt man von dem ehrenamtlichen Verein biologisches, samenfestes Saatgut für mehr als 1000 Arten. "Dort gibt es auch viele alte Sorten. Die haben zwar ein bisschen weniger Ertrag als unsere hochgezüchteten neuen Sorten, aber sie schmecken besser und sind resistenter gegen Schädlinge und Keime", ergänzt die Gärtnerin. Samenfestes Saatgut bekommst Du aber auch in vielen Bioläden und über das Internet.

3. Mischkulturen anstelle von getrennter Beete

Auf kleinen Flächen bekommst Du mit bunten Mischkulturen mehr unter als in klar getrennten Gemüsebeeten. "Wenn die Erde überall bedeckt ist, schützt sie das auch gleich vor Hitze und Austrocknung und Du musst weniger gießen", erklärt Ivanka Solvic. Welche Sorten sich vertragen, kannst du in Mischkultur-Kalendern, wie Gartenzauber nachlesen. Erdbeeren sind zum Beispiel gute Nachbarn von Feld- und Kopfsalat, Radieschen und Knoblauch. Paprika, Möhren und Salat mögen sich auch. "Generell solltest Du darauf achten, Pflanzen aus derselben Familie, wie zum Beispiel Arten aus der Familie der Nachtschattengewächse, nicht zusammen in einem Beet zu pflanzen. Sie sind nämlich schlechte Nachbarn", so die Gärtnerin.

Gurken, Zucchini, Tomaten und Kartoffeln in einem Beet sind also eher eine schlechte Idee, nebeneinander in separaten Töpfen aber vollkommen in Ordnung. Zudem ist es ratsam, hochwachsende Sorten weiter hinten zu platzieren als niedrigere und solche, die häufig geerntet werden müssen. "Da muss man aber auch aufpassen, dass die Sonneneinstrahlung passt und die hohen Pflanzen nicht zu viel Schatten auf die niedrigeren werfen", so die Expertin. Allgemein macht Vielfalt im Gemüsebeet Deinen Minigarten resistenter gegen Schädlinge: "Tomaten werden häufig von Blattläusen befallen", weiß Ivanka Solvic. "Aber wenn Du daneben etwas Blühendes stelle, wie zum Beispiel Ringelblumen, dann zieht das Marienkäfer an, die wiederum die Blattläuse fressen. Je bunter das Angebot, desto vielfältiger die Besucher, ohne die unser Dasein auf lange Sicht nicht funktionieren kann."

4. Die besten Sorten für den Minigarten – Kräuter und Chilis

Wenn Du nur ganz wenig Platz hast, konzentriere Dich am besten auf Kräuter und Chilipflanzen, denn Du kannst sie bei so gut wie allen Gerichten verwenden. Küchenklassiker wie Basilikum, Rosmarin, Petersilie, Minze, Oregano, Dill oder Schnittlauch bekommst Du in jedem Gartencenter.

Orangeblühende Kapuzinerkresse in Hängeampeln ist nicht nur auf dem Balkon, sondern auch in jedem Sommersalat ein Hingucker. Chilis sind anspruchslos und gedeihen auch im kleinsten Topf. "Im Kaiserstühler Samengarten gibt es ganz viele verschiedene Chilisorten", sagt Slovic. "Da sucht man sich dann einfach die Sorte aus, die einem von der Schärfe her am meisten anspricht."

Wenn Du etwas mehr Platz hast, kannst Du in Deinem Minigarten auch gut Salat, Erdbeeren, Gurken, Paprika, Erbsen, Karotten, Mangold, Rote Beete, Artischocken, Physalis, Buschbohnen, Radieschen und Zucchini anbauen. Ihnen allen macht das Leben im Topf oder Balkonkasten nichts aus. Tomaten und Kartoffeln gedeihen sogar in Eimern. "Allerdings kommt es auch immer auf die Anzahl der Sonnenstunden an, ob sich ein Standort für ein bestimmtes Gemüse eignet oder nicht", sagt Solvic.

"Auf einem Südbalkon kannst Du eigentlich alles anbauen, was in die mediterrane Richtung geht. Ist er jedoch nach Westen oder Osten ausgerichtet, musst Du etwas mehr experimentieren. Da gedeihen die meisten Sorten zwar auch, aber der Ertrag ist nicht so hoch, wie bei optimalen Standortbedingungen." Für die Wahl der richtigen Tomatensorte hat Ivanka Solvic einen weiteren hilfreichen Tipp: "Tomaten sollten allgemein überdacht sein, damit sie nicht abgeregnet werden. Wenn das auf deinem Balkon aber nicht möglich ist, dann kaufe alte Sorten, sogenannte ’Wildtomaten’ wie die "Rote Murmel". Die dürfen nämlich auch mal nass werden."

Generell solltest Du darauf achten, ausreichend tiefe Kübel zu wählen, in die viel Erde passt. So haben Deine Pflanzen genügend Platz und mehr Wasser kann gespeichert werden. Als unterste Schicht solltest Du zudem ein paar Kiesel oder Keramikscherben in Deine Blumentöpfe legen. So kann das Loch im Topfboden nicht verstopfen und Du vermeidest Staunässe.

5. Beikraut nutzen

"’Unkraut’ gibt es eigentlich gar nicht", sagt Solvic. "Besser ist die Bezeichnung ’Beikraut’, denn jede Pflanze hat eine Funktion in unserem Ökosystem und lebt in Wechselbeziehungen mit anderen Arten." Wenn Du aber merkst, dass das Beikraut im Gemüsebeet zu hoch wächst und Deinen Pflanzen zu viel Licht wegnimmt, reiße es heraus und bedecke damit den freien Boden. "So verhinderst Du, dass zu viel Wasser verdunstet und Deine Böden bleiben länger feucht", weiß die Expertin. Oft könne man das, was ungewollt zwischen Salatköpfen und Radieschen aufkeimt, sogar essen und zum Beispiel in Salaten verarbeiten. Man muss sich nur ein bisschen schlaumachen.

6. Bau Dir einen Wurmkomposter

Boden, der in Kontakt mit Kompost kommt, ist deutlich fruchtbarer als herkömmliche Blumen- und Gartenerde. Deshalb ist eine geruchsneutrale Wurmbox oder ein japanischer Bokashi-Komposteimer die ideale Ergänzung für Deinen Balkongarten. Damit kannst Du nicht nur alle Deine organischen Küchen- und Pflanzenabfälle wie Obstschalen, Blätter und Kaffeesatz selbst recyceln, sondern hast auch immer fruchtbaren Humus für Deine Pflanzkästen.

Sowohl den Wurm- als auch den Bokashikomposter kannst Du Dir leicht selbst zusammenbauen. Wie das geht, lernst du zum Beispiel bei WikiHow oder auf den Seiten des Verbund Offener Werkstätten.

7. Düngen: Bedarf an den Blättern ablesen

"Dünge deine Setzlinge zum ersten Mal beim Auspflanzen mit organischem Dünger. Diesen gibt es von verschiedenen Herstellern zum Beispiel in Granulatform", rät Frau Solvic. Die genaue Dosierung findest du jedoch immer auf der Verpackung. Organischer Dünger ist besser für die Umwelt als künstlich hergestellter, mineralischer Dünger.

Zudem verringerst du damit auch die Gefahr der Überdüngung, weil natürliche Düngemittel nicht so hoch konzentriert sind. Gelbe Blätter ließen auf Nährstoffmangel schließen, wohingegen deformierte Blätter auf Überdüngung hinwiesen, so die Expertin. Das richtige Maß ist also entscheidend für das Pflanzenwohl.

8. Richtig gießen

Nach Bedarf und nicht zu viel, lautet die Devise! "Mach’ am besten die Fingerprobe", rät Solvic. Dazu steckt man ungefähr den halben Finger in die Erde und prüft, ob sie noch feucht ist. "Nur, wenn die Erde schon abgetrocknet – und das heißt nicht ausgetrocknet – ist, ist es Zeit, wieder durchdringend zu gießen", sagt die Gärtnerin. "Das Wasser in den Untersetzten sollte übrigens nach einigen Stunden entfernt werden, wobei Du Dir übrigens überlegen solltest, ob Du überhaupt Untersetzer für deine Pflanzgefäße brauchst."

Zum Gießen eigneten sich die Morgen- und Abendstunden am besten, denn in der Mittagshitze verdunstet das Wasser, bevor es die Pflanzen aufnehmen können. Außerdem solltest du darauf achten, Deine Pflanzen nicht zu duschen, also nicht über Blätter und Blüten zu gießen, sondern von unten langsam auf die Erde. Andernfalls könnten die Pflanzen anfangen zu faulen und Krankheiten wie Mehltau entwickeln sich. Das ideale Gießwasser ist übrigens Regenwasser, denn es ist besonders kalkarm. Sammle es in leeren Blumenkästen, Eimern und kleinen Wannen. So sparst Du auch wertvolles Trinkwasser.