AC/DC Coverbands: Duell der Stromanbieter

Max Orlich

Statt gut, gelb, günstig hieß es im vergangenen Monat zweimal rau, rot, rockig: Atze/Datze und Hole Full Of Love boten zwei Möglichkeiten, die Stromversorgung zu sichern und sich eine volle Packung Rock’n’Roll abzuholen - immerhin, bis die echten AC/DC mal nach Freiburg kommen. Wer war besser? Ein Urteil von Max.



Atze/Datze: Solid, aber nicht fundamental

Zunächst zu Atze/Datze, die am 14. Dezember in der Wodanhalle gespielt haben. Im weniger rockigen Umfeld einer Benefizgala des Vereins für nierenkranke Kinder und als dritte Band nach den ruhigeren Cherry Chords und Ray Austin & Band konnte man sich zunächst gar nicht so recht vorstellen, dass die Gäste in der komplett bestuhlten Halle noch vom Hocker zu reißen wären.

Doch Atze/Datze vermochten es: eine fünfköpfige AC/DC-Coverband aus Bobenheim, seit 2006 im Geschäft. Von Beginn an setzten sie sich über die Bitte des Veranstalters hinweg, „sich doch etwas zurückzuhalten“.



Bei Highlights wie T.N.T., The Jack und Highway to Hell kam dank Original-Equipment und gut eingespielter Band der Sound nahe ran ans Original. Beim Outfit und der Bühnenshow beschränkte sich das jedoch vor allem auf den Gitarristen Andy ‚Angus‘ Wolk, der in der obligatorischen Schuluniform per Duck-Walk über die Bühne fegte, sich in typisch bluesigen Rocksoli austobte und auch die obligatorische Strip-Einlage nicht ausließ.



Sänger Thomas Zeller wirkte etwas statisch und träge, kam aber zumindest stimmlich im Laufe des Gigs immer mehr in Fahrt.

Gegen Ende war er dann soweit, dass mit "Hells Bells" etc. noch ein paar Songs aus der Brian-Johnson-Phase in Angriff genommen werden konnten, die er „nicht aus der kalten Hose hinbekommt“.

Atze/Datze deckten sowohl die bluesige als auch die rockige Seite von AC/DC ab und lieferten dem erstaunlich belastbaren Benefizpublikum in der Wodanhalle einen grundsoliden Best-of-Auftritt, der jedoch nichts für Fundamentalisten aus dem Bon-Scott-Lager gewesen sein dürfte.



Hole Full of Love: Riff Raff und B-Sides

Genau diese fanden sich am Freitag zum Konzert von Hole Full Of Love ein. Die fünf Frankfurter sind im Jazzhaus schon Stammgäste und spielten auch diesmal vor ausverkauftem Haus. Ab der ersten Minute brannte die Bühne, als die Herren aus Frankfurt ihren Vorsatz in Angriff nahmen, „aus dem Jazzhaus ein Rockhaus“ zu machen. Wie der Untertitel 70‘s-AC/DC nahelegt, konzentrierte sich die Band auf die Songs aus der Bon-Scott-Phase und ließ wie Atze/Datze eigentlich keinen Hit aus.

Neben den oben genannten gab's hier noch Rock-Kracher wie "Whole lotta love", "Rock’n’roll damnation" und "Dirty Deeds", aber auch bluesigere Nummern wie "Gone shootin‘" oder "Night Prowler" auf die Ohren.

Daneben wagten sich die Perfektionisten an Songs, die es zwar nicht zum Singlehit gebracht haben, aber wie "Touch too much" oder "Riff Raff" zu den absoluten Perlen der Bandgeschichte gehören dürften.



Ach ja: Auch bei diesem Konzert mussten Bon-Scott-Puristen dann doch ein Auge zudrücken: Hole Full Of Love wagten es, zwischendurch einige eigene Songs zu präsentieren, die aber durchaus als AC/DC B-Side durchgehen könnten.

Bei alledem lieferte die offensichtlich gut gelaunte Band einen perfekten Sound und eine beeindruckend energiegeladene Show ab.

Gitarrist Karsten Kutscher war kaum zu bändigen, die Bühne schien für ihn einfach zu klein zu sein. Auch er war mit Schuluniform im Duck-Walk unterwegs – sowohl das Gitarren- als auch das Strip-Duell gewann er eindeutig gegen seinen Kontrahenten von Atze/Datze.

Sänger Dario Djurinovac stand diesem Energiebündel in nichts nach: der perfekte Frontmann mit Rampensau-Qualitäten. Souverän gab er den charismatischen Shouter und war dabei stimmlich und was seine Performance mit der ganzen Bandbreite an Rocker-Posen angeht ganz nah dran an Bon Scott.

Seine mitterweile legendären Ansage-Banalitäten wie „Ihr seid Rock’n’Roll – vergesst das nie!“ verzeiht man ihm da gern. Genauso wie die paar kleinen Patzer, die sich bei einigen Songs diesmal eingeschlichen haben – auch drei Akkorde kann man beim Tourauftakt ja mal durcheinanderbringen.

Der Rest der Band war im brodelnden und schwitzenden JazzRockhaus das, was man wohl eine souveräne Rhythmusfraktion nennt: unauffällig, aber präzise wie ein Metronom – ganz wie bei den echten AC/DC eben.



Wer rockte mehr?

Wer bot nun mehr High Voltage für den AC/DC-Fan auf Entzug? Gerockt haben beide Bands wie die Großen. Atze/Datze übernahm in diesem Duell vielleicht eher die Rolle einer sehr guten Cover-Band, bei Hole Full Of Love hingegen möchte einem diese Bezeichnung kaum über die Lippen kommen, so sehr SIND diese Jungs AC/DC. Zumindest sind sie auf dem langen Weg zum Rock’n’Roll mit einigen Schritten Vorsprung unterwegs to the top.