Abriss mit Ansage und Amore: Was ging bei … Wanda auf dem ZMF?

Alexander Ochs

Wanda, eine der deutschsprachigen Bands der Stunde, haben das Zirkuszelt fachgerecht zerlegt. Bebender Holzboden, klatschnasses Stagediving, fliegende Becher – das volle Programm.

Die Stage

Man könnte so weit gehen zu behaupten, der weithin sichtbare "Amore"-Schriftzug auf der Bassdrum sei das einzige schmückende Element auf der großen Zirkuszelt-Bühne gewesen. Wenn man einmal von den feschen – erfrischend "normal" ausschauenden – Musikern absieht: ganz links Keyboarder Christian Hummer, daneben Bassist Reinhold Weber, rechts Gitarrist Manuel Christoph Poppe, hinten am Schlagzeug Lukas Hasitschka. Und vorne in der Mitte treibt Sänger Michael Marco Fitzthum, Künstlername Marco Michael Wanda, sein sympathisches Unwesen.

Die Bühnenpräsenz der fünf Österreicher definiert sich in erster Linie durch ihn, den schmalen 29-Jährigen mit Geheimratsecken. Der auf den ersten Blick so überhaupt gar nicht zum Star zu taugen scheint. Was er auf der Bühne losmacht, gehört zum tradierten Kanon bekannter Gesten und Verhaltensweisen. Dennoch oder gerade deswegen funktioniert das alles so hervorragend. Posen. Gesten. Mimik. Bewegungen. Schreie, darunter auch mal der ein oder andere Joe-Cocker-Gedächtnisschrei. Jeder im Saal spürt: Er gibt alles. Und genau das bekommt er auch zurück.

Wandas schunkelnder, nach übelstem Deoversagen riechender, bier- und rock’n
rollgetränkter Poprock ist Musik fürs Herz, da fährt man als Zuschauer bereitwillig bis unmerklich den Verstand runter auf Standby. Mitgrölen, Mitschunkeln, Mithüpfen, das läuft quasi auf Autopilot. Genau wie das erdig-ehrliche Spiel der Band. Da fliegen Becher durchs Zelt, das Bier spritzt in alle Richtungen, der Boden bebt, der Schweiß rinnt in Strömen – was bleibt ihm auch anderes übrig?

Track-Check

Luzia / Bleib wo du warst / Dass es uns überhaupt gegeben hat / Schickt mir die Post / Gib mir alles / Mona Lisa der Lobau / Meine beiden Schwestern / Das wär schön / Stehengelassene Weinflaschen / Auseinandergehen ist schwer / Ich will meinen Schnaps / Bussi, Baby / Bologna // 1, 2, 3,4... / Luzia (Reprise)

Fail

Der erste Stagediving-Versuch von Marco Michael Wanda scheitert noch, bevor er begonnen hat. Mangels gereckter Arme. Der zweite sitzt dann mustergültig. Ein Star zum Anfassen.

Geil

Drei Lieder sind rum, die Fotografen müssen weg. Dabei aalt sich der Sänger gerade so schön fotogen auf der Monitorbox, mit dem Hinterkopf zum Publikum, den Blick nach oben gerichtet. Wie im Gras. Dazu ertönt ein bluesiges Intro zu "Schickt mir die Post", und der liegende Frontmann krächzt "Amore, Freiburg!" Der bis dato geilste Moment – und die Fotografen werden aus dem Bühnengraben gescheucht.

Kassensturz

Gut 30 Euro für knapp 90 Minuten, macht – großzügig gerechnet – einen Euro für drei Minuten. Jede Minute ist es wert. Überragender Deal. Auch wenn man die Band vor 18 Monaten noch im kleinen Keller des Räng Teng Teng für ein paar Euro sehen konnte – die Locations und die gestiegenen Eintrittspreise verdeutlichen nur den kometenhaften Aufstieg der Band.

An der Tanke / Sprit-Check

Bier.

Bier, Bier, Bier.

Alles andere hat bei dieser Veranstaltung nichts zu suchen. Wahlweise volle oder leere – weil verschüttete – Bierbecher. Die werden aber flugs wieder aufgefüllt. Und genauso schnell wieder verschüttet.

Schwitzfaktor

Hoch. Die geschätzt 2.000 Zuschauer gehen von Anfang voll mit. Man wippt, man kreischt, man singt, man grölt, man hüpft, man schunkelt. Nach praktisch jedem Lied wird "1, 2, 3, 4..." vom Publikum angestimmt und lautstark gefordert.

Pauschalurteil

Aaaaamore! In Noten: 1-. Insgesamt ein punktgenauer Abriss. Rock’n’Roll mit Amore und Wiener Schmäh. Es kann so einfach sein. Verblüffend einfach.

Aber verglichen mit sonstigen Wanda-Konzerten war der Abend – zumindest auf der Bühne – alkoholfrei bis fast kinderkompatibel. Sonst haben die Wiener einiges mehr an Rauch- und Rauschwaren weggesteckt. Auch sind sie diesmal mit gut 75 Minuten Nettospielzeit eher schlank aus der trotzdem durch und durch fetten Nummer rausgekommen.