Abgehen wie die Post

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, mit welcher revolutionären Idee der Österreicher Friedrich Schmiedl in die Geschichte der Kommunikation einging? Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts experimentierte er mit einer recht neuen Technologie. Doch nicht für militärische Zwecke, wie etwas später weiter nördlich, sondern ganz und gar für den zivilen Gebrauch entwickelte er die Raketenpost.

Schon in seiner Jugend während und nach dem Ersten Weltkrieg baute der junge Schmiedl seine ersten Raketen. Nach seinem Studium der Chemie hatte er vor, mit Hilfe der Raketen das Weltall zu erforschen. Da das nicht richtig funktionierte, entsann er sich auf eine kommerzielle Nutzung der Technik.


Am 2. Februar 1931 startete er in Graz seine erste Postrakete, in deren Spitze er knapp 100 Briefe von der steirischen Hauptstadt in den knapp 15 Kilometer entfernten Ort St. Radegund beförderte. Mit einem Fallschirm ausgestattet landete die Rakete auch recht genau und vor allem weich. Nachdem sich diese Methode der Postbeförderung als durchführbar erwies, plante er sogar eine dauerhafte Raketenpostlinie von Graz nach Basel.

Leider machte ihm der österreichische Staat mehrere Striche durch seine Rechnung. Zuerst erwirkte die österreichische Monopolpost, dass er keine Postwertzeichen mehr verkaufen dürfe. Dummerweise war genau das seine Quelle zur Finanzierung der extrem schnellen Briefbeförderung. Das endgültige Aus für seine Experimente kam 1935, als in Österreich sämtliche Sprengstoffe in privater Hand verboten wurden. Da musste Schmiedl seine Treibstoffvorräte vernichten.

Später gab es auch in anderen Ländern, vor allem in den USA,  Versuche mit zum Teil sogar wiederverwendbaren Postraketen. Doch schnell wurde klar, dass dieser Weg der Datenübermittlung sehr kostenintensiv und vor allem unsicher ist. Beliebt sind Friedrich Schmiedl und seine Nachfolger im Geiste heute aber immernoch: Philatelisten zahlen heutzutage ein Vermögen für eine Briefmarke mit der Aufschrift "Rocket Mail".