Abbey Road: Die Zebrastreifen-Webcam

Sebastian Wolfrum

Vor mehr als 40 Jahren nahmen die Beatles auf einem Zebrasteifen ihr legendäres Plattencover für das Album "Abbey Road" auf. Ein Bild mit Nachwirkungen, denn noch heute stockt wegen dieses Fotos in London der Verkehr. Und dank einer Webcam kann man den Zebrastreifen rund um die Uhr vom Netz aus beobachten.

Auf dem Zebrastreifen ist die Hölle los. Der Fußgängerüberweg in London an der Abbey Road Nummer acht ist wohl der berühmteste der Welt. Hier haben die Beatles das Plattencover ihres vorletzten Albums mit dem Titel Abbey Road fotografiert. Darauf gehen die vier englischen Rockmusiker im Gleichschritt über den Zebrastreifen. Heute wollen unzählige Beatles-Fans dieses Motiv nachstellen – am Originalschauplatz versteht sich. Und deswegen kommt der Verkehr auf der Straße nördlich des Hyde Parks häufig ganz schön ins Stocken.


Die Abbey Road Studios liegen direkt neben dem berühmten Zebrastreifen. Hier haben die Beatles zwischen 1962 und 1970 mehr als 200 Songs eingespielt. Die Studios betreiben eine Webcam, die den Zebrastreifen zeigt. Auf der Internetseite ist der Livestream des Straßenverkehrs gut zu sehen. Und was man dort sieht, ist erstaunlich: Gefühlt jeder zweite Mensch, der über die Straße geht, macht den Beatle.

Fotografen passen den richtigen Moment ab

Solange es in London hell ist, sind fast immer Menschen auf dem Zebrastreifen zu sehen, die das Plattencover der Band nachahmen. Man erkennt die Souvenirfotojäger oft schon bevor sie über die Straße gehen. Grüppchen sammeln sich, der Fotograf wird bestimmt und der richtige Moment abgepasst, indem niemand anderes über die Straße geht und keine Autos kommen. Oft klappt das im ersten Anlauf nicht, die Fans laufen hin und her. Das sieht manchmal recht unvorsichtig und gefährlich aus.



Als der schottische Fotograf Iain Macmillan die Rockband aus Liverpool fotografierte, war die Straße für den Verkehr kurzzeitig gesperrt. Die vier Musiker konnten ohne Stress über die Abbey Road gehen. Das ist heute anders. Wer sich in Rockstarpose ablichten lassen will, muss schnell sein. Auf der Abbey Road rollen viele Autos und rote Doppeldeckerbusse.

Taxifahrer sind stets bremsbereit

Die Taxifahrer stören die vielen Schnappschussjäger an der Stelle nicht. "Wenn man über die Abbey Road fährt, sollte man aber immer daran denken, dass hier viele Touristen sind, die für ein Foto auf die Straße laufen. Da muss man schon mal bremsen", erfährt man bei der Licensed Taxi Driver Association (LTDA), der Organisation der Taxifahrer in London. "Das ist wie bei anderen Touristenattraktionen auch, hier muss man eben vorsichtig sein", heißt es aus der Zentrale der LTDA gelassen.



"Obwohl es mich nicht wundern würde, sind mir keine Unfälle an dieser Stelle bekannt", sagt Jeff Jarratt. Er hat seit 1966 in den Abbey Road Studios gearbeitet, später ein Café in der Nähe gehabt und kennt den Touristen-Trubel um den Zebrastreifen genau. "Ich glaube den meisten Londoner Autofahrern ist die Bedeutung dieser Stelle bekannt und viele werden gerne etwas langsamer fahren, damit Beatles Fans zu ihrem Foto kommen." Schon direkt nachdem das Abbey Road Album 1969 erschien, seien Fans zu der Stelle gepilgert, meint er. "Ich glaube in all den Jahren, kann ich an einer Hand abzählen, wenn einmal niemand da war, um ein Foto zu machen", sagt Jarratt.

Zur Popularität des Zebrastreifens trägt für Jarrat auch bei, "dass er direkt neben den Studios liegt, in denen das Album aufgenommen wurde. Die sind auch ein beliebtes Fotomotiv. Außerdem können die Fans auf der Mauer vor den Studios eine Nachricht schreiben. Das machen übrigens so viele, dass die Mauer alle paar Monate neu gestrichen werden muss." Jarratt betreibt eine Internetseite, auf der er Fotos von zebrastreifenden Beatles-Fans sammelt. Seit 1999 kann jeder sein Foto an Jarrat schicken und so Teil der Fotogalerie werden.



Auch bei der Polizei von London ist die Stelle als Sightseeingpunkt bekannt. Zu mehr Unfällen durch unachtsame Musikfans auf Fotojagd kommt es hier laut der Londoner Polizei aber nicht. Der Zebrastreifen hat durch die Beatles Kultstatus erlangt. Am 8. August 2009 gab es richtig Stau rund um die Abbey Road. Hunderte Beatles-Fans pilgerten zu dem Zebrastreifen, um den 40. Geburtstag des Albums zu feiern.

2010 wurde der Zebrastreifen zum Kulturerbe in Großbritannien ernannt. Sogar im Wachsmuseum von Madame Tussauds, in der Außenstelle in Los Angeles, sind die Nachbildungen der vier Musiker im Abbey-Road-Look ausgestellt. Und der weiße Anzug den John Lennon auf dem Bild trägt, wurde im Januar 2011 für 46.000 Dollar (34.0000 Euro) versteigert.