Ab Sonntag wird im Stadtgarten die ganze Woche Improtheater gespielt

Vanja Tadic

Vom 9. bis 14. Juli findet im Musikpavillon des Stadtgartens das 20. Openair Impro-Theater-Festival statt. Fudder hat sich eine Generalprobe angesehen und mit Gründer Christian M. Schulz gesprochen.

Wie kam es 1997 zur Gründung des Impro-Festivals?

Damals spielte ich beim Improtheater L.U.S.T. und wir waren auf der Suche nach einer Bühne in Freiburg, auf der wir spielen konnten. Im Musikpavillon im Stadtgarten hatten wir dann an zwei Abenden eine Vorstellung und das kam so gut an und hat so Spaß gemacht, das wir das im folgenden Jahr erneut machen wollten. Jedes Jahr kamen dann immer mehr Gruppen dazu, durch die Kurse die ich leitete und so wurde das Event immer größer.

Was ist das Reizvolle daran, Improtheater auf einer Open-Air-Bühne zu präsentieren?

Zum einen sind die Zuschauer gelöster, wie bei einer Sportveranstaltung. Im Theater hingegen sind sie höflich und bedacht, im Musikpavillon allerdings feuert das Publikum die Spieler an und das puscht sie und gibt ihnen Energie. Zum anderen haben Leute, die zufällig vorbeikommen und noch nie Improtheater gesehen haben, die Chance, einen Eindruck zu bekommen, was das ist. Und 80 Prozent findet es toll und will es danach nochmal sehen.

Wie hat sich die Improszene in Freiburg in den vergangen 20 Jahren entwickelt?

Zu Beginn gab es nur zwei, drei Gruppen. Jetzt gibt es schon zehn bis fünfzehn Gruppen und die Wahrscheinlichkeit, dass man darüber stolpert, ist größer geworden. Früher hatte man nach der Auflösung einer Gruppe keine Alternative, während man heute einfach einer anderen beitreten kann, so bleiben Talente bestehen.

Was ist dein Lieblingsmoment in zwanzig Jahren?

Es gibt die Disziplin "Marathon mit Requisit", bei dem ein Gegenstand aus dem Publikum in jede Szene eingebracht werden muss. Es hatte jemand Kloreiniger dabei und in einer Szene hat jemand diesen Kloreiniger aufgemacht und ihn sich in die Haare geschüttet.

Denkst du dir die Disziplinen selber aus?

Nein, die meisten stammen von Gründervater Keith Johnstone. Einige ändere ich ab, aber die meisten Disziplinen habe ich aus Büchern und Workshops. Da ich meine Kurse meist ähnlich unterrichte, haben die meisten Improgruppen in Freiburg dieselbe Grundlage und können so besser zusammen spielen.

Was ist deine persönliche Lieblingsdisziplin?

Drehbuch. Ein Autor schreibt ein Drehbuch und parallel dazu wird dargestellt, was er sich gerade ausdenkt und aufschreibt. Eine Langform des Improtheaters. Dabei sind schon die besten Geschichten entstanden.

Was erwartest du dir von dem diesjährigen Festival?

Gute, spontane Unterhaltung und interaktives Theater, die es in der Form eben nur beim Improtheater gibt. Du siehst Leuten zu, wie sie vor deinen Augen kreativ sind und kannst einen Einfluss darauf nehmen.
Christian M. Schulz
Der Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge Christian M. Schulz organisiert das Festival seit 20 Jahren. 1997 spielte er mit dem Theater Lust bei der ersten Ausgabe des Festivals, seit 2004 spielt er bei Freistil

Impro-Theaterfestival
Beim Festival sind alle Levels, von Anfänger bis Profis, vertreten. Unter anderem treten auf: Apropos Impropos, Bitte frei machen, Impronade, Verspielt, Die Spontanellen, ImproGramm, Die ImproSchnittchen, Freistil, Die Feuerzeugen.

Zwei Teams treten gegeneinander an und werden vom Publikum nach jeder Szene bewertet. Spielort, Themen und Titel der Szenen werden ebenfalls von den Zuschauern vorgegeben.


  • Was: Open Air Impro-Theater-Festival
  • Wann: Sonntag, 9. bis Freitag, 14. Juli (So-Do jeweils um 18 und 20 Uhr; Fr um 17 und 19.30 Uhr (Finale)- findet bei jedem Wetter statt)
  • Wo: Musikpavillon Stadgarten