Ab Mittwoch: Freiburger Filmforum im Kommunalen Kino

Hengameh Yaghoobifarah

So präsent und doch kaum beachtet ist der Antiziganismus, die sogenannte Zigeunerfeindlichkeit. Das Freiburger Filmforum wählt dieses Jahr seinen Schwerpunkt in diesem Bereich und möchte ihn im Kommunalkino beleuchten - von heute Abend an bis Sonntag. Hannes Bürkel und Dagmar Kamlah aus dem Organisationsteam geben uns fünf Tipps für die fünf Forumstage:



Das 15. Jubiläum des bekanntesten deutschen Filmfestivals zum interkulturellen Dialog blickt auf die, die aus der weiten Welt nach Europa strömen. Seit 600 Jahren leben Roma und Sinti unter uns, ohne sich jemals integrieren zu können. Der "vergessene Holocaust" wie die Ausgrenzungen in der aktuellen Gegenwart sind Thema in einer Handvoll Filme und des Festivalschwerpunkts Antiziganismus.


Weitere Filmserien zeigt das Filmforum über Flüchtlinge und Abschiebungen, die Camps der Saharoui in der Westsahara und viele aktuelle Filme vom Iran bis zur Südsee. Außerdem gibt es den Donnerstag über den Workshop "Interactive Documentary" mit internationalen Referierenden. Sonntagmittag liest Klaus-Michael Bogdal aus seinem Buch "Europa erfindet die Zigeuner" vor, das dieses Jahr auf den Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung gewann.

Parallel zum Filmangebot läuft bis zum 21. Juni die Ausstellung "Duldung Deluxe" mit Nihad Nino Pušijas Fotografien über geduldete und aus Deutschland abgeschobene Roma-Jugendliche und junge Erwachsene.

Und hier kommen die Filmtipps von Hannes Bürkel und Dagmar Kamlah:

Mittwoch, 8. Mai 2013, 20 Uhr

Powerless: "Dauerhafte Stromversorgung ist in Indien nicht garantiert. Mutige Elektriker-Robin Hoods nehmen den Kampf gegen die ständigen Blackouts mit oft abenteuerlichen Einsätzen im Kabelgewirr Kanpurs auf."   

Donnerstag, 9. Mai 2013, 20 Uhr

Just the Wind: "Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile: In einem ungarischen Dorf wurde eine Roma-Familie ermordet. Die Täter sind entkommen, niemand will eine Ahnung davon haben, wer das Verbrechen begangen hat. Eine andere Roma-Familie, die nahe dem Tatort lebt, sieht sich in ihrer latenten, mühsam verdrängten Angst bestätigt. Der Vater ist weit weg in Kanada. Die Familie versucht, den Tag nach der Tat zu überstehen. Und abends, als die Dunkelheit über das Dorf hereinbricht, rückt man im Bett noch enger zusammen als sonst. Doch die Hoffnung, dem Wahnsinn zu entkommen, erweist sich als trügerisch. Der spannende Spielfilm greift die Pogromstimmung nach einer realen Mordserie auf, der acht Menschen zum Opfer fielen."

Freitag, 10. Mai 2013, 13 Uhr

Unity through Culture; der Filmemacher Ton Otto ist anwesend: "Zwei dänische Ethnologen dokumentieren den Wirbel um das erste Kulturfestival auf den pazifischen Baluan-Inseln, das eine Touristenattraktion werden soll. Traditionelle Führer bezweifeln, dass es jemals überhaupt eine Baluan-Kultur gegeben habe. Sie sagen: Die Kultur (der Weißen) zerstöre ihre alte Tradition. Andere dagegen nehmen das Festival als willkommenen Anlass, um gegen die 70 Jahre kultureller Unterdrückung im Namen der Christenheit zu revoltieren. Zum Klang donnernder Trommelrhythmen beginnt ein Kampf um die Definition der Baluan Kultur."

Samstag, 11. Mai 2013, 16 Uhr

Salma: "Die angesehene Dichterin und Frauenrechtlerin Salma kehrt zurück in ihr tamilisches Dorf, wo sie wie alle Mädchen in muslimischen Familien lange Jahre das Haus nicht verlassen durfte. Der Film geht hinein in ihre Familie, fängt Szenen und Gespräche ein, in denen sich das Fortleben der Geschlechterrollen hautnah dokumentiert."

Sonntag, 12. Mai 2013, 14 Uhr

Special Flight: "Ein aufwühlender cinema direct-Film aus einem Abschiebegefängnis in der Schweiz. Wärter und Betreuer sind ehrlich bemüht, den 'Auszuschaffenden' den Zustand erträglich zu machen. Die Männer werden mit Kochen und Sport beschäftigt, zu den Reggae-Sessions eines inhaftierten Musikers treffen sich nicht nur seine Leidensgenossen, sondern auch das Wachpersonal. Behutsam werden den Männern schlechte Nachrichten übermittelt. Der Film will nicht das zuständige Personal verteufeln, sondern führt das administrative System vor, das hinter diesen gnadenlosen Abläufen herrscht. Allein in der konkreten Dynamik zwischen Betreuer und Betreuten wird sichtbar, welches Unrecht dort passiert, über alle Köpfe hinweg."

Mehr dazu:

Was: Freiburger Filmforum
Wann: Mittwoch, 8. bis Sonntag, 12. Mai 2013
Wo: Kommunales Kino [Foto: Promo]