980 Gramm Koks in der Miederhose

David Weigend

Am vierten September 2006, spätabends, steigt ein Mann aus dem Zug auf den Perron des Badischen Bahnhofs in Basel. Hinter ihm drei Beamten von der Grenzpolizei. In den Augen des Manns flackert Panik. Der Inhalt seiner Damenmiederhose sorgt für das vorzeitige Ende seiner geplanten Romreise. Die Richterin des Freiburger Amtsgerichts hat heute ihr Urteil gefällt.



Der Tathergang

Ayk N., ein 41jähriger Staatsbürger Nigerias, hat Geldprobleme. In seiner Heimat Senegal arbeitet er als Künstler und verkauft Kunsthandwerk an Touristen. Im Mai 2006 kommt Ayk nach Deutschland, wo er in diversen Städten angeblich einige Freunde hat, die er besucht und die ihn beherbergen. Der Reisende treibt Gebrauchtwaren auf, etwa vom Sperrmüll, und lässt sie in den Senegal verschiffen. Warum dies seinen finanziellen Missstand verbessern soll, bleibt unklar.

Eines Tages sitzen Ayk und sein Kollege Hassan M. in Köln vorm Fernseher. Hassan fragt ihn, ob er sehr schnell viel Geld verdienen wolle. Der Deal: Im Auftrag eines Dritten, des ominösen Aykol Sheriff, soll Ayk ein knappes Kilo Kokain im Zug von Hagen (Westfalen) nach Rom transportieren. 2000 Euro gibt es bar Kralle, bevor die Fahrt beginnt; weitere 1500 Euro nach Erledigung des Kurierdienstes im Hotel "New York" in Rom. Ayk ist einverstanden. 4. September 2006, nachmittags, in einer öffentlichen Toilette des Hagener Bahnhofs. Hassan gibt Ayk einen Gürtel, zur weiblichen Figurverbesserung gedacht, desweiteren eine Damenmiederhose sowie den Stoff, bestehend aus zwei mit Tesaband verschlossenen Umschlägen mit insgesamt 980 Gramm Kokain. 21 891 Konsumeinheiten mit einem Marktwert von 436.000 Euro.

Ayk zieht sich die unbequeme Damenwäsche an und steckt die Kokspäckchen ins Höschen, eins nach vorne und eins nach hinten. Die beiden verlassen die Toilette und steigen in den Zug. Hassan kommt mit, als kontrollierender Begleiter.

Einige Stunden später. Drei Zollbeamten steigen in Freiburg in den Zug. Schnell fallen ihnen die verdächtigen Beulen in Ayks Hose auf. Der Nigerianer will sich nicht abtasten lassen, dreht sich immer wieder weg. Dennoch zieht einer der Zöllner dann einen der Koksbeutel aus dem Miederhöschen.

Ayk spricht von nun an kein deutsch mehr, nur noch französisch. Das weiße Pulver sei Insulin und er Diabetiker, behauptet der Entlarvte. Er muss mit auf die Dienststelle nach Lörrach und eine Urinprobe abgeben, die positiv auf Kokain getestet wird. Dann simuliert Ayk einen Zusammenbruch: "Ich brauche Alkohol oder Kokain!", ruft er auf dem Fußboden liegend. Ein Notarzt bringt den Mann in die Klinik. Die Ärzte können nicht feststellen, dass ihm irgendetwas fehle.

Die Ungereimtheiten

Obwohl Ayk offenbar Kokainkonsument ist, streitet er dies in der Verhandlung vehement ab. Seine Dolmetscherin übersetzt: "Mein Körper verträgt das nicht." Dafür raucht der Angeklagte Heroin, "gegen den Stress", wie er sagt, etwa drei Mal die Woche und am Wochenende. Auch zu den Umständen, wie und wo er die Kurierfahrt gestartet haben soll, gibt es zunächst viele Widersprüche.

Das Urteil

Der Angeklagte Ayk N. wird wegen Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Nach der Hälfte der verbüßten Freiheitsstrafe soll der Angeklagte in sein Heimatland abgeschoben werden. Das Strafmaß solle "abschreckende Wirkung" haben, so die Richterin. Das Motiv des Angeklagten sei eindeutig Habgier gewesen.

Das schönste Zitat

Richterin zum Angeklagten: "Da haben Sie aber gute Freunde, wenn Sie so oft zu Heroin eingeladen werden."