9 Tipps, wie du die Apokalypse überlebst

Miriam Jaeneke

Seuchen, Plünderungen und Schlägereien um den letzten Laib Brot - schon ein Blackout könnte diese Folgen haben. In deiner Wohnung bist du nicht mehr sicher, also fliehst du in die Wälder. Wie du dich auf den Extremfall vorbereiten kannst, erklärt der Freiburger Survival-Experte Lars Konarek:



1. Halte dich fit!

Nein, du sollst nicht ins Fitnessstudio rennen und Gewichte stemmen, dass die Schwarte kracht. Im Gegenteil! "Im Fitnessstudio hat man keine Ruhe, wird zugequatscht und -gedudelt, im schlimmsten Fall herrscht ein Schickimicki-Gehabe, und es ist alles andere als idyllisch", sagt Lars Konarek. Er empfiehlt eine körperliche Betätigung, die ganzheitlich ist und bei der du dich mit dir selbst befasst. Das kann Yoga ebenso sein wie ein ausgedehnter Waldspaziergang. Konarek selbst macht zwei Mal die Woche Sprintintervalle den Berg hoch – für eine gute Kurzkondition. Zum Fitsein zählt Konarek auch eine gesunde Ernährung und, "dass du nicht auf ein Burnout zusteuerst, sondern psychisch auf dem Damm bist." Außerdem rät er, mit dem Rauchen aufzuhören. "Genussrauchen gibt es nicht, es gibt ja auch kein Genusskiffen oder Genuss-sich-selbst-in-die-Fresse-hauen."

2. Setze Prioritäten!

Sei ehrlich zu dir selbst: Wie viel Geld investierst du in Smartphones, Tablets und Playstations – und wie viel in eine vorausschauende Krisenvorsorge? Bei Vorratshaltung oder Wanderschuhen solltest du nicht geizen, das wäre eine falsche Prioritätensetzung!



3. Bilde dich weiter!

Das nützt dir nicht nur in Katastrophenfällen! Befasst du dich mit Gesundheitslehre, kannst du zum Beispiel Schmerzen lokalisieren, nach dem Motto: "Schmerzen in der Magengegend auf der rechten Seite? Da sitzt der Blinddarm." Entwickelst du ein gutes Körpergefühl, spürst du viel schneller, dass dir etwas fehlt und was es sein könnte. Sinnvoll ist es, regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen, und zwar bei einem Praktiker, der täglich im Einsatz ist! Auch mit der Natur solltest du dich befassen – was nicht bedeutet, mit Kopfhörern im Wald rumzurennen! Eigne dir Wissen über essbare Pflanzen an, sei es, indem du Literatur zu Rate ziehst, eine Führung mitmachst oder Oma und Opa anzapfst. "Die sind sowieso geniale, oft ungenutzte Ratgeber", sagt Konarek.




4. Bilde Netzwerke!

Aus Netzwerken entstehen Freundschaften, die du bei Bedarf für eigene Ziele einsetzen kannst. Freunde bedeuten Input von außen und damit Weiterentwicklung und Erweiterung des Horizonts. Damit meint Konarek aber nicht etwa 568 Facebook-Freunde, sondern "echte Menschen in der echten Welt, mit denen du dich echt auseinandersetzen musst, die hartnäckig bleiben und sich nicht mit einem Mausklick entfernen lassen. Freunde, die du triffst, anfassen, sehen, hören, riechen und fühlen kannst. Im Notfall kannst du dich zusammenschließen und so auf einen Wissenspool zurückgreifen. Ist dein Dach kaputt, kennst du dann vielleicht einen Handwerker, der es reparieren kann."

5. Beteilige deine Familie!

Mit den Menschen aus deinem nächsten Umfeld, mit denen du dich im Notfall zusammenschließen würdest, solltest du im Vorhinein sprechen. Du solltest ihnen bewusst machen, dass wir die Luxussituation mit ständiger Rundumversorgung, in der wir leben, zu schätzen wissen sollten und dass sie jeden Moment Vergangenheit sein könnte. Dann muss das Leben weitergehen, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Darüber zu sprechen ist hart; die meisten werden dich für bekloppt halten, wenn du ein mögliches Katastrophen-Szenario an die Wand malst. Wenn du im Ernstfall in die freie Wildbahn losgehst, solltest du das nur mit dem engsten Familien- beziehungsweise Freundeskreis tun. "Man kann ja nicht den ganzen Planeten mitnehmen", sagt Lars Konarek.

6. Leg dir ein Notgepäck zu!

Es gibt zwei Notgepäcke: den BUG-Outback, der das Überleben 72 Stunden lang gewährleisten soll. Und es gibt den INCH-Rucksack (INCH wie "I’ll never come home"). Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, zumindest den kleineren Überlebensrucksack zu Hause zu haben. Denn darin enthalten sind auch Kopien aller wichtigen persönlichen Dokumente. Diese auf einen Griff parat zu haben, zahlt sich auch aus, wenn das Haus abbrennt oder Hochwasseralarm ausgelöst wurde.



7. Besorg dir Survivalwissen!

Ein Buch wie das neue von Lars Konarek zu lesen ("Überleben in Krisen- und Katastrophenfällen – ein Handbuch für jedermann"), ist ein guter Anfang. "Aber es reicht nicht", sagt Konarek. Um das Wissen zu verinnerlichen, muss man es anwenden. Deshalb solltest du einen Kurs belegen, empfiehlt er – nicht unbedingt aus Eigeninteresse: Es darf auch gern ein anderer Trainer sein, nur gut sollte er sein – und das ist für einen Laien im Vorfeld schwer zu ermessen. Also doch ein Kurs bei Lars Konarek?

8. Lerne Selbstverteidigung!

Damit meint Konarek weder Karate noch Kung Fu, weil das Kampfsportarten sind, oder, wie Konarek sagt, "nur in der Luft rumgefuchtelt wird und den Ausbildern die praktische Erfahrung fehlt." Seiner Meinung nach sollte eine effektive Selbstverteidigung auch eine geistige Weiterentwicklung und eine Bewusstseinserweiterung mit sich bringen. "Davon könnte mal dein Leben abhängen!" Er empfiehlt Street Fighting oder Krav Maga – und leitet natürlich auch eine Street Fighting Schule in Freiburg.

9. Lerne, mit deiner Angst umzugehen!

Echte Angst kennen heute die Wenigsten. Wir kennen eher Luxusängste wie die vor Vogelgrippe oder dem Altern. Wenn du in eine Situation geraten solltest, in der du Angst hast, rät Konarek, bewusst langsam tief einzuatmen, die Luft kurz anzuhalten und langsam auszuatmen. Oder du spannst für einige Sekunden die Muskeln des ganzen Körpers an und entspannst wieder. Versuche unbedingt, deine Angst zu kontrollieren, sonst kontrolliert sie dich!

Zur Person



Lars Konarek
, 37, ist freier Survivaltrainer und Ausrüstungstester. Daneben ist er Nahkampfausbilder, Extremsportler und Guide für essbare Pflanzen. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht.

Mehr dazu:

[Foto 1: Fernando Cortés/Fotolia.com, Foto 2: privat, Video: Miriam Jaeneke & Daniel Laufer]