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9 Erkenntnisse, nachdem ich zwei Monate nicht bei Instagram war

Gina Kutkat

Vor acht Wochen löschte fudder-Redakteurin Gina Kutkat ihren Instagram-Account. Aus einem Impuls heraus. Was hat sie in der Zeit gelernt und warum ist sie doch wieder zur App zurückgekehrt?

1.) Einfach aufhören, wenn einem danach ist, hilft

Ich öffne Instagram auf meinem Handy, wähle unter Einstellungen den Deaktivierungsknopf. "Willst Du dein Konto wirklich deaktivieren?", fragt mich die App. Ich antworte mit "Ja" und fühle mich erleichtert. Danach lösche ich Instagram ganz von meinem Handy. Eine Impulsentscheidung – ich kann den Grund nicht genau erklären. Instagram hat sich in den letzten Jahren zu meiner meistgenutzten App gemausert – und damit bin ich nicht alleine. In Deutschland nutzen über 15 Millionen Nutzer das soziale Netzwerk, das auf Fotos und kleinen Videos basiert. In letzter Zeit nervte mich einiges: Die Fake-Welt, die zunehmende Werbung und die nicht zu unterschätzende Handysucht. 22 Minuten habe ich im Schnitt auf Instagram am Tag verbracht – und eigentlich nichts gemacht. "Nö", dachte ich und machte Schluss.

2.) Niemandem Bescheid sagen, entlastet

Weder habe ich einen Abschiedspost gemacht noch irgendjemandem Bescheid gesagt, als ich dann von der Plattform verschwand. Somit musste ich erstmal nichts erklären oder rechtfertigen und konnte einfach ausprobieren, wie es sich "ohne" anfühlt. An dieser Stelle muss ich erklären, dass Instagram nicht komplett alles löscht, sondern einem die Möglichkeit gibt, sein Konto nur zu deaktivieren. Wenn man zurückkommen möchte, kann also alles wieder hergestellt werden.

3.) Wer sich keine Zeitspanne setzt, muss nichts beweisen

Eine Woche? 30 Tage? Für immer? Ich hatte überhaupt keinen Plan, wie lange ich von Instagram fernbleiben wollte. Ohne Druck und Ziel lebt es sich auch ganz gut. Weil ich niemandem Bescheid gesagt hatte (siehe Punkt 2), musste ich nichts beweisen und stand nicht unter Druck, eine Challenge oder ähnliches zu erfüllen. "Wenn ich eines Tages aufwache und wieder Lust auf Instagram habe, melde ich mich wieder an" – so lautete mein Credo, das ich gerne auch anderen empfehlen würde. Wer sich zwanghaft fernhält, nur um einen "Digital-Detox" durchzuziehen wird nicht glücklich.

4.) Fast niemandem fällt es auf, wenn Du weg bist

Nach zehn Tagen merkt eine Kollegin, dass ich nicht mehr bei Instagram bin, weil sie mir dort ein Foto schicken will. Etwa nach drei Wochen schreibt mir meine Freundin aus England: "Bist du etwa nicht mehr auf Instagram?" Ich muss über mich selbst lachen, weil ich meinen Weggang mit etwas mehr Dramatik verbunden hatte. Aber nobody fucking cares! Natürlich freuen sich Freunde und Bekannte, wenn ich Dinge aus meinem Leben teile. Aber wenn ich das nicht tue, ist das auch kein großer Verlust. Ich bin nur ein ganz kleiner Klecks im Internet-Universum und auf der ganzen Welt – das zu erkennen tut manchmal ganz schön gut.

5.) Die tägliche Zeit am Handy sinkt krass

In den ersten zwei Wochen greife ich reflexartig zu meinem Handy, öffne den Sperrbildschirm und weiß gar nicht, was ich eigentlich machen wollte. "Ach ja, zu Instagram!" Mein Gehirn war also schon darauf gepolt, die App zu öffnen und mal kurz zu checken. Jetzt gibt’s diese Möglichkeit nicht mehr, also lege ich das Handy zur Seite. Es bleibt immer öfter einfach liegen oder im Rucksack und ich werde wieder zu der Person, die das Ding auch mal ein paar Stunden vergessen kann. Ich mag diese neue entspannte Beziehung zwischen uns.

6.) Freunden Bilder privat schicken, ist auch ’ne gute Sache

Nur weil ich nichts mehr poste, heißt das nicht, dass ich meine Begeisterung für schöne Dinge, Landschaften und Fotografie verloren habe. Nur was tun mit dem schönen Foto von der Wanderung? Wohin mit der Erinnerung an die Hochzeit meiner Freundin? Den Drang, etwas posten zu wollen, stille ich einerseits, indem ich Freunden und Familie wieder mehr Bilder privat schicke. Ab und zu poste ich mal was bei Facebook – aber das fühlt sich eher wie Betrug an. Was noch hilft: Hinterfragen, warum man das Bedürfnis hat, ein Erlebnis mit der Instagram-Welt zu teilen. Und was am eigenen Leben schlechter wird, wenn man es nicht tut.

7.) Man erlebt und genießt anders, wenn man nicht immer das Handy draufhält

Das ist schon fast eine Weisheit mit Bart, ich weiß. Aber wer lange bei Instagram ist, kennt das: Hier könnte man doch ein Foto machen. Das wäre doch ein tolles Bild für den Feed, eine lustige Story für die Follower. Und wenn man sich davon befreit, kann man viel bewusster erleben und genießen. Ich hatte sogar das Gefühl, dass besondere Erlebnisse noch schöner wurden, weil ich sie eben ganz für mich allein hatte oder mit Personen teilte, die mir nahestehen.

8.) Kein Abschied ist für immer

Zugegeben: Ich habe ein bisschen geschummelt. Über einen Business-Account war ich ab und zu bei Instagram online, um mal zu gucken, was so passiert. Es hat mich aber alles nicht fasziniert und deshalb dauerte meine Auszeit letztendlich zwei Monate. Vor drei Tagen hatte ich wieder Lust, mein Konto zu aktivieren und Bilder zu posten. Ich habe mich richtig auf Instagram gefreut – und das war der Grund für mich, zurückzukehren. Es kann sein, dass ein besonders schöner Surfurlaub dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Aktuell ist mein Umgang mit der App sehr moderat und ich hoffe, das hält auch weiterhin an. Falls nicht, weiß ich ja, was zu tun ist.

9.) Der Feind heißt vielleicht nicht Instagram

Weil ich weniger auf Instagram war, habe ich mich etwas mehr auf Facebook konzentriert. Und mal wieder festgestellt, wie langweilig und inhaltslos mein Feed geworden ist. Lediglich für Veranstaltungen und Geschäftsseiten ist das Netzwerk noch interessant – und für den Messenger. Vielleicht gibt es also bald eine neue Impulsentscheidung – und neue Erkenntnisse, die ich teilen will.

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