9 Erkenntnisse aus den TEDx-Talks in Freiburg

Anna Castro Kösel

Zum vierten Mal fanden die TEDx Talks im Freiburger Konzerthaus statt. Es ging darum, seine Komfortzone zu verlassen und die Welt besser zu machen – ganz im Sinne des Veranstaltungsmottos: "Climate of Change". fudder hat Erkenntnisse gesammelt.



1. Es ist wichtig, eine Formel für das Verbreiten der eigenen Werte und Ziele zu finden

Als sie früher keine großen Tabletten schlucken wollten, schmuggelte ihre Mutter die Medizin eben klein gemahlen in den Lieblingsjoghurt. Frontsänger Till und Felix Neumann der Band Zweierpasch machen es ganz ähnlich, erzählen die Brüder. Sie rappen über ernste Themen wie das brüchige Europa, Rassismus und Fessenheim und verpacken es in sanfte HipHop-Rhythmen. Durch ihre Musik machen sie nicht nur die Zuhörerinnen und Zuhörer auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam, sondern ermöglichen Jugendlichen durch Rappen einen Zugang zur politischen Teilhabe. Zum Beispiel verwandeln sie Wahlprogramme in Rap-Battle. Davon können wir lernen: Wenn wir andere für die wichtigen Themen unserer Zeit gewinnen wollen, müssen wir sie so verpacken, dass Leute nicht anders können, als sich uns anzuschließen – mit Kreativität, Begeisterung und Leidenschaft.

2. Gegen die Klimakrise kann jeder aktiv werden

Die Müllers, Schröders, Mayers und Hubers dieses Landes gehen alle unterschiedlich mit der Klimakrise um. Die einen verleugnen sie, die anderen bekommen Angst und sind gelähmt, wieder andere werden aktiv und versuchen, so umweltfreundlich wie möglich zu leben. Eins steht aber fest: Nur zusammen können wir die Krise bewältigen. Deswegen appelliert Claudia Kemfert vom Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung: Werdet kreativ! Tauscht euch aus, sucht zusammen nach neuen Ideen und Lösungen und vor allem: Nutzt eure Talente und Interessen, um einen Beitrag gegen die Klimakatastrophe zu leisten. Egal ob Physik, Chemie, IT, Kunst oder Politik – alles wird gebraucht, wenn es um die Rettung unseres Planeten geht.

3. Sich bewusst der Ablehnung aussetzen, bringt einen weiter

Philipp Schmieja sprach wildfremde Leute in der KaJo an, um ihnen einen Fünf-Euroschein zu schenken. Eigentlich eine nette Geste, aber seltsamerweise stieß er größtenteils auf Ablehnung. Aber genau das, war das Ziel. Ablehnung bewusst zu provozieren. "Der beste Weg aus der Ablehnung heraus, ist durch die Ablehnung hindurch", meint Philipp. Die Angst davor stamme noch aus der Steinzeit, wo ein Bruch mit der Gemeinschaft eine direkte Lebensgefahr bedeutete. Auch heute sei Ablehnung für die menschliche Psyche "als würde man sich brühend heißen Kaffee über die Hand kippen". Deswegen ist Philipps Rezept gegen dieses verletzende Gefühl, so oft wie möglich das Spiel mit der Ablehnung, um ihr eine andere Bedeutung zu geben. Anstatt sich ständig zu fragen, wie andere reagierten, wenn man sich äußert oder etwas tut, sollte man sich umgekehrt fragen: Was würde ich tun, wenn ich keine Angst mehr vor den Reaktionen der anderen hätte?

4. Nicht jede Art des Zuhörens ist die beste Art

"Es gibt nicht die eine Art des Zuhörens, sondern gleich zwei Arten: Das verstehende und das antwortsüchtige Zuhören", erklärt der Rhetorik-Experte Wladislaw Jachtchenko. Das antwortsüchtige Zuhören beginnt mit dem vortäuschende Zuhören. Man nickt, schaut dem anderen in die Augen, aber worauf man sich die ganze Zeit innerlich vorbereitet, ist der eigene Monolog. Wenn der andere einatmet, stürzt man sich "wie ein Krokodil" ins Gefecht, um die eigenen brillanten Gedanken zu teilen. Man hört also überhaupt nicht. Das kürzende Zuhören wird auch oft angewendet. Hier hört man kaum zu und unterbricht den anderen schnell. Nicht viel besser ist auch die dritte Stufe: das selektive Zuhören. Hier hört man nur das, was man hören will. Beim übertrumpfenden Zuhören hört man zwar mehr zu, möchte den anderen aber immer übertreffen. Die fünfte Stufe bezeichnet Wladislaw als das egoistische Zuhören. Hier hat man auch nicht das Wohl des Gegenübers im Sinn, sondern möchte nur die wichtigen Infos. Auch das beratende Zuhören ist für den Gesprächspartner nicht so toll: Ungefragt bekommt man einen mehr oder weniger gewollten Ratschlag vom Gegenüber.

Erst mit Stufe sieben fängt das verstehende Zuhören an: Man ist aufmerksam und möchte kein Wort verpassen. Es geht aber noch besser: Wenn man aktiv nachfragt und nochmal in eigenen Worten das Gesagte zusammenfasst. Die Königsklasse des Zuhörens ist es, empathisch zu sein und heraus zu filtern, wie man praktische Hilfe anbieten kann. Ganz wichtig sei es aber vor allem, sich selbst, also der inneren Stimme zuzuhören. Daher sollte man nicht dauernd Ratschläge in Podcasts oder YouTube-Videos konsumieren, sondern sich fünf Minuten am Tag Zeit für die innere Stimme nehmen.

5. Es lohnt sich, die menschliche Perspektive zu verlassen

Mit Fledermaus-Geräuschen Musik machen? Klingt erstmal wie ein unmögliches Unterfangen und doch hat genau das Rym Nouioua gemacht. Während ihres Studiums erforschte sie die Töne der bedrohten Fledermäuse und machte kurzerhand eine Soundperformance daraus. Mit einem Batlogger fängt sie die Geräusche der Tiere ein, und wandelt in einem Computerprogramm die nichthörbaren Frequenzen in hörbare um. Wie ein DJ mixt Rym dann die Fledermaus-Geräusche zu Kunst zusammen, sodass es sich wie ein Techno-Song anhört.
Wir stellen fest: Unsere menschliche Perspektive ist limitiert. Es lohnt sich, die menschliche Perspektive ab und zu zu verlassen und sich öfter in die Welt der Natur hineinzuversetzen.

6. Migration ist eine Chance, von der alle profitieren können

Flüchtlingsbewegungen werden in den Nachrichten oft als etwas Negatives dargestellt. Bilder von überfüllten Heimen und Schlepperboten lösen ein Gefühl von Angst und Hilflosigkeit aus und lähmen eher, als dass sie uns zum Handeln bewegen. So sieht es zumindest Dr. Alexander Supady, der Kardiologe am Herzzentrum der Uniklinik ist. Er war 2016 auf der "Sea Watch 3" und erlebte die Schicksale der Flüchtlinge hautnah mit und hat erkannt, was für gelungene Integration nötig wäre: Bessere Strukturen, aber auch mehr Wertschätzung. Supady sagt, dass Migration in Deutschland dringend gebraucht würde, da sich hierzulande eine immer älter werdende Gesellschaft entwickelt. Wir lernen daraus: Anstatt uns dauernd von negativen Nachrichten Angst machen zu lassen, sollten wir unsere Perspektive ab und an ändern können.

7. Es hilft, seine Entscheidungsfindung zu trainieren

Ob Entscheidungen im Poker oder im Leben – was wir wollen, ist etwas zu gewinnen. Dass, was uns dabei schwerfällt ist, dass wir nicht wissen, was wir für Karten ausgeteilt bekommen und die unvollständigen Infos über unsere Mitspielerinnen und Mitspieler. Doch genau das seien auch unsere besten Freunde, meint Jan Heitmann – der derzeit berühmteste Pokerspieler Deutschlands. Denn wenn wir keine Unklarheiten hätten, gäbe es auch nichts zu entscheiden. Deswegen sollten wir uns nicht davon aufhalten lassen, sondern das Risiko wagen und keine Angst vor den Resultaten haben. Der professionelle Pokerspieler versucht, seine Entscheidungen zu verbessern, indem er das Entscheiden immer wieder übt und sich und andere dabei beobachtet. Dann entwickelt er eine Strategie. Auch im wahren Leben sollten uns Entscheidungen lehren, wie wir noch besser im Entscheiden werden können. "Resultate prägen die Vergangenheit, Entscheidungen die Zukunft", sagt Jan. Also Zukunft gestalten, Entscheidungen treffen!

8. Über Essgewohnheiten nachdenken, bringt uns weiter

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig. Für Natacha Neumann, Gründerin des Kinderernährungsunternehmens "Freche Freunde" und "Rebellicious" liegt das Übel in den falschen Essgewohnheiten, die wir im Laufe unseres Lebens entwickelt haben. Ein Eis ersetzt das Gefühl von Liebe, Spaghetti mit Tomatensoße erinnert an die unbeschwerte Kindheit und die Geborgenheit des Elternhauses. "Euch, die Erwachsenen, habe ich schon aufgegeben" sagt Natacha. Wer aber noch zu retten ist, sind die Kinder. Wer also schon ein Kind hat, sollte sich viel Mühe geben, schon früh gesunde Essgewohnheiten zu festigen. Kreativ sein, selber mit dem Kind gesunde Dinge kochen, das Kind mit in die Entscheidungen einbeziehen, was es zum Abendessen geben soll und das Gericht schön dekorieren. Was man vor allem tun sollte, ist, den großen Lebensmittelkonzernen den Kampf ansagen, so Natacha. Diese würden 40 Prozent mehr Zucker ins Kindermüsli mischen, verglichen mit Erwachsenenmüslis. Deswegen appelliert Natacha an Eltern: Rebelliert gegen die Lebensmittelindustrie!

9. Wer die Welt zu einem besseren Ort machen will, sollte bei sich selbst anfangen und etwas ändern

In Michael Jacksons Song "Man in the Mirror" geht es darum, bei sich selbst anzufangen und Stück für Stück die Welt zu verändern. Auch das hat sich der Läufer und Abenteurer Norman Bücher auf die Fahnen geschrieben. Früher ging es bei ihm beim Laufen nur um sein Ego: Schneller, höher, weiter. Heute ist es sein Medium, die Stimmen junger Leute einzufangen. Er möchte wissen, was sie sich für eine lebenswerte Zukunft wünschen. Die Stimmen sammelt er, veröffentlicht sie in seinem Blog "7continents" und möchte sein Projekt auch auf der UN-Generalversammlung 2024 vorstellen. Wir lernen: Um die Welt ein Stückchen besser zu machen, sollten wir uns von unserem Ego lösen und uns fragen: Welchen Beitrag möchte ich für eine lebenswerte Zukunft leisten?