Das kotzt mich an

9 Dinge, die einen Türsteher in den Wahnsinn treiben

fudder-Redaktion

Ob sinnlose Diskussionen mit betrunkenen Besserwissern oder schlechter Verdienst bei harter Arbeit – Türsteher haben mit einer Vielzahl von Dingen zu kämpfen, die ganz schön anstrengend sein können. Was Türsteher richtig ankotzt?



1. Respektlosigkeit

Man steht an der Tür und führt Kontrollen durch, damit alle Gäste eine sichere Zeit im Club haben. Der Dank ist meistens Unverständnis, Unhöflichkeit und Ignoranz. Es gibt Gäste, die kriegen nicht mal ein Hallo zustande. Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Insbesondere die Bezeichnung "Nazi" fällt sehr oft. Dabei ist es den Absendern ziemlich egal, welche Nationalität vor ihnen steht. Es ist wirklich lächerlich, wenn der schwarze Kollege als Nazi beschimpft wird, nur weil er jemanden nicht reinlassen will. Auch das Auftreten mancher Frauen nervt. Viele denken, dass sie durch sexuelles Anbiedern den Eintritt einsparen oder eine Sonderbehandlung bekommen würden. Das ist übergriffig und führt auch oft zu Problemen in der eigenen Beziehung. Da ist es wirklich herausfordernd, die ganze Nacht gute Laune und Geduld zu bewahren.

2. Vorurteile

Als Türsteher wird man grundsätzlich als der doofe Schläger abgestempelt. Das nervt. Klar gibt es Kollegen, die ihre Position ausnutzen, unnötig auf "hart" machen und mit dutzenden Frauen anbandeln. Darunter leidet das ganze Berufsbild. Trotzdem sind wir nicht alle zwielichtige Drogendealer, die nur darauf warten, jeden sofort abzuweisen oder zusammenzuschlagen. Und tatsächlich sind wir auch nicht alle Bodybuilder, die außer Fitnessstudio und Taschenkontrolle keine anderen Lebensinhalte haben. Die meisten von uns üben im Alltag unter der Woche einen ganz normalen Beruf aus, haben Familie und führen Beziehungen.

3. Verdienst

Die ganze Nacht bei jedem Wetter vor der Clubtür stehen und mit wachem Auge seine zukünftigen Gäste einzuschätzen ist ein Knochenjob. Und der wird nicht grade gut bezahlt. Für ein paar Euro knapp über dem Mindestlohn darf man dann auch noch seine komplette Schutzausrüstung selber kaufen.

4. Personalmangel

Grade im clubsterbenden Freiburg wollen viele Betreiber Kosten einsparen und man findet sich höchstens zu zweit oder dritt an der Tür wieder. Je nach Größe des Clubs ist das viel zu wenig. Nicht nur für die eigene Sicherheit, auch die Sicherheit der Gäste im Club kommt so zu kurz. Gibt es im Laden einen Vorfall, bei dem zum Beispiel eine Gruppe Gäste hinausbegleitet werden muss, steht in so einem Falle eine Zeit lang niemand oder nur eine Person an der Tür. Auch werden in diesem klassischen Nebenjob oft unqualifizierte Leute eingestellt und das Personal wechselt oft. Vertrauen und Verlässlichkeit auf seine Kollegen sind aber entscheidend für die Arbeitsqualität. Dazu gehört auch ein selbstbewusstes Auftreten und Aussehen. Man kann als Türsteher nicht in Jogginghose vor einem Club stehen, in dem Jogginghosen als Kleidung nicht erwünscht sind.

5. Zusammenarbeit mit der Polizei

Leider gehört es zum täglich Brot, dass Leute, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, so ausflippen und randalieren, dass man die Unterstützung der Polizei anfordern muss. Oft fühlt es sich dabei so an, als wird man von den Beamten nicht ernst genommen. Manchmal dauert es ewig, bis die Polizei vor Ort ist. In dieser Zeit muss man dafür sorgen, dass die Situation mit dem aggressiven Gegenüber nicht eskaliert. Das kostet Zeit und Kraft. Auch kann man sich nicht mehr richtig auf das Geschehen im Laden oder auf ankommende Gäste konzentrieren.

6. Endlose Diskussionen

Wenn man so betrunken ist, dass man nicht mehr stehen kann, dann gehört man ins Bett und nicht in den Club. Da das aber einige Gäste anders sehen, kommt es immer wieder zu sinnlosen Diskussionen mit stark betrunkenen Besuchern und deren Freunden. Eine Gruppe von fünf jungen Männern schleppt einen sechsten, der nicht mehr eigenständig laufen kann, auf die Clubtür zu und alle erwarten, dass sie eingelassen werden. Verwehrt man ihnen, beziehungsweise ihrem sturzbetrunkenen Freund den Einlass, kann man sich auf anschließende, Nerven raubende Debatten einstellen, die man dann irgendwann mit sehr deutlichen Worten und Körpersprache beenden muss, um ungestört weiter arbeiten zu können. Die gleichen Diskussionen gibt es, wenn jemand nicht dem Dresscode entspricht, abgewiesen wird und sich deswegen ungerecht behandelt fühlt.

7. Eigene Privatsphäre im Nachtleben

Arbeitet man regelmäßig an einer Clubtür, ist der Wiedererkennungswert groß. Wenn man selbst im Nachtleben als Gast unterwegs ist, kommt es immer wieder zu Belästigungen von ehemaligen, abgewiesenen Gästen. Gerade in einer Kleinstadt wie Freiburg, in der es kaum noch Möglichkeiten zum Weggehen gibt, ballen sich die Feierwütigen in einzelnen Kneipen und Clubs und man wird überall angesprochen. An seinem freien Abend ständig zu Streitereien gerufen zu werden, mit denen man privat nichts zu tun hat, ist echt ätzend.

8. Sicherheit

Mit all den bereits erzählten Situationen, muss man nicht mehr explizit erwähnen, dass der Job ziemlich unangenehm und gefährlich werden kann. Ohne Schutzausrüstung ist es nicht empfehlenswert, sich an eine Tür zu stellen. Die Leute gehen mit fast allem, was nicht niet und nagelfest ist, auf einen los, wenn sie wütend sind. Für die Finanzierung und Beschaffung dieser Ausrüstung ist man in den meisten Clubs selber verantwortlich. Und eine Stichschutzweste, Handschuhe und Selbstverteidigungsfähigkeiten zu erlernen und darin fit zu bleiben, ist teuer. Zudem ist die Anzeigebereitschaft der abgewiesenen Gäste recht hoch. Das Nachspiel: Post von der Polizei, Aussage auf einer Polizeiwache machen. Musste man sich körperlich gegen einen angreifenden Gast verteidigen, muss gegebenenfalls ein Anwalt eingeschaltet werden und Gerichtstermine fallen an. Das greift durch die zeitintensiven Termine empfindlich in den normalen Arbeitsalltag ein. Für jede anstehende Aussage muss man sich Urlaub vom Hauptjob nehmen. Die anfallenden Kosten für einen Anwalt trägt man im Fall der Fälle selbst.

9. Interesse des Chefs

Wenn man an der Tür arbeitet, sollte man immer unpolitisch und höflich bleiben. Man arbeitet nach Anweisungen und Vorstellungen des Clubbetreibers und setzt dessen Regeln durch. Die decken sich natürlich nicht immer mit den eigenen Vorstellungen. Auf das eigene Befinden wird keine große Rücksicht genommen. Manchmal wird man noch nicht einmal gefragt, wie es einem geht, bevor man die Schicht antritt. Es wird einfach für selbstverständlich genommen, dass man jederzeit voll und ganz belastbar und einsatzbereit ist. Schlechte Tage oder abschweifende Gedanken kann man sich an der Tür nicht leisten.

Nichtsdestotrotz ist es ein interessanter Job, an der Tür zu stehen. Man lernt viele amüsante Menschen kennen, die man in einem normalen Berufsalltag wohl nicht kennen lernen würde. Am Wochenende sind die Leute entspannter und lockerer, was oft für unterhaltsame Momente und abwechslungsreiche Gespräche im Job sorgt.
Beispiellos ist der große kollegiale Zusammenhalt im Team und der gegenseitige Respekt innerhalb der Gastroszene. Mit tollen Kollegen, kann man jeder anstrengenden Schicht etwas abgewinnen.

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