8 Tipps gegen Rassismus im Alltag

Maleen Thiele

Rassistische Aussagen begegnen uns immer wieder im Alltag. Häufig wollen wir uns dagegen positionieren, wissen aber nicht wie. fudder hat mit der Initiative Gegenargument gesprochen und 8 Tipps gegen Rassismus zusammengestellt.

Rechte Aussagen und Parolen können schnell sprachlos machen. Obwohl man nicht die Ansichten des Gegenübers vertritt, passiert es häufig, dass gute Argumentationsstrategien fehlen. Dies hat zur Folge, dass sich der Gesprächspartner in seinen Ansichten bestätigt und teilweise sogar überlegen fühlt.


Diese Machtlosigkeit gegenüber rechten Parolen versucht die Initiative Gegenargument aus Berlin und Freiburg mit ihren Workshops zu durchbrechen. Mit unterschiedlichen Gesprächs- und Argumentationsübungen sollen die Teilnehmer den Umgang mit rassistischen Aussagen in Alltagssituationen lernen. Die Workshops richten sich an diejenigen, die sich gegen rechte Aussagen positionieren wollen und darin Unterstützung benötigen.

Timm Köhler, Gründer der Initiative und Veranstalter der Workshops in Freiburg und Umgebung, hat gemeinsam mit fudder 8 Tipps gegen Alltagsrassismus zusammengestellt.

1. Man muss nicht immer diskutieren!

Wenn die Situation es nicht erlaubt oder man sich nicht danach fühlt, kann man sich zwar klar positionieren, muss aber nicht zur Diskussion einladen.

2. Man kann die Diskussion vertagen.

Wenn man merkt, dass eine Situation nicht OK ist und weiß, dass man die Person wiedersehen wird, kann man die Diskussion stoppen und beim nächsten Mal wieder aufgreifen. Das hat den Vorteil, dass man Zeitpunkt und Rahmenbedingungen selbst bestimmen und sich vorbereiten kann.

3. Ebenfalls muss man sich nicht immer direkt mit dem Parolenverkünder auseinandersetzen.

Man kann sich auch an Dritte wenden und diese in die Diskussion mit einbinden. Häufig weiß man nicht, ob Betroffene anwesend sind. Deshalb ist es wichtig, das herauszufinden und diese zu schützen, indem man sie aus der Situation rausholt.

4. Nutzt die Macht der Frage !

Eine konkrete Gesprächsstrategie ist es, durch Nachfragen Zeit zu gewinnen und ein Stopsignal zu senden. Nachfragen regt den Gegenüber an, die eigenen Aussagen zu wiederholen. So können gleich zu Beginn mögliche Missverständnisse geklärt werden. Auch das konkrete Hinterfragen von einzelnen Begriffen, kann den Gesprächspartner in Erklärungsnot bringen. Zum Beispiel wenn man ihn fragt, was er genau mit "die" oder "wir" meint.

5. Persönliche Betroffenheit erkennen und akzeptieren.

An der Art der Reaktionen deines Gegenübers lassen sich häufig emotionale Betroffenheit und persönliche Involvierung erkennen. Reagiert der Gegenüber sehr wütend oder emotional, lohnt es sich, nach einer persönlichen Betroffenheit nachzufragen. Wenn jemand betroffen ist, kann man Empathie mit dem Problem zeigen. Man muss soziale Probleme wie Wohnungsnot, Armut oder Arbeitslosigkeit nicht leugnen. Dennoch muss man aufzeigen, dass sozial Schwache wie Geflüchtete dafür nichts können. Vielleicht verschärfen sie Probleme - aber sie haben sie nicht produziert.

6. Parolenhopping, also das Springen von Parole zu Parole, verhindern.

Aussagen, wie "Die nehmen uns die Arbeit, unsere Frauen und unsere Wohnungen" müssen klar hinterfragt werden. Ist eine Diskussion von Parolen durchtränkt, wird man ohnmächtig und hechelt hinterher.

7. Mit Sachargumenten kommt man in der Regel nicht weit.

Menschen, die sich rassistisch äußern, kann man mit Fakten kaum erreichen. Ebenfalls fehlt einem selbst häufig das Fachwissen. Mit detailliertem Nachfragen kann man allerdings Katastrophenbilder durchbrechen und Pauschalisierungen abwenden.

8. Das beste Argument

Eins sollte man sich und anderen in der Diskussion immer bewusst machen: Migration fand schon immer statt und wird immer stattfinden. Ebenfalls waren Migrationsprozesse meist mit gesellschaftlichen Konflikten verbunden, die jedoch stets gelöst werden konnten. Das sollte Zuversicht und Mut geben.
Gegenargument ist ein Netzwerk von freiberuflichen und politischen Rednerinnen und Rednern aus Berlin und Freiburg. Sie bieten unter anderem Workshops an. Ziel der Workshops ist es, Gesprächs- und Verhaltensstrategien im Umgang mit Alltagsrassismus zu erarbeiten.

Hierbei werden zum einen Erfahrungen der Teilnehmer gesammelt, damit diese merken, dass sie mit Gefühlen wie Macht- und Sprachlosigkeit nicht alleine sind. Ebenfalls werden Alltagssituationen nachgespielt und mögliche Reaktionen erarbeitet.

Timm Köhler arbeitet freiberuflich in der mobilen Beratungstätigkeit mit dem Fokus auf politischer Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus. 2008 gründete er die Initiative Gegenargument.

Was: Gegenargumente am Mittagstisch
Wann: Freitag, 16. März, 9-16 Uhr
Wo: Endingen
Anmeldung: Julia.mack@kbz.ekiba.de

Weitere Informationen auf der Website von Gegenargumente