8 Gründe für ein Erasmus-Semester im Osten Europas

Theresa Ogando

fudder Praktikantin Theresa ist letzte Woche von ihrem Erasmus-Semester in Prag zurückgekommen. Sie berichtet, warum es sich lohnt für ein Erasmus-Semester den Blick nach Osten zu richten und nicht nach Spanien, Frankreich oder England.

Die beliebtesten Länder für ein Erasmus-Semester deutscher Studierender sind Spanien, Frankreich, England, Schweden und Italien. Warum es sich lohnt, auch Länder östlich von Deutschland in Betracht zu ziehen:


1. Es ist viel, viel billiger!

Ein Wohnheimzimmer kostet umgerechnet circa 100 Euro, ein Cappuccino oder ein Pivo (Bier) 1,50 Euro. Man hat mehr Geld zum Ausgehen, Reisen oder um mal ein Uber nach Hause zu nehmen. Da ist es auch gar nicht mehr so schlimm, dass man für fünf Monate nur schwer einen Nebenjob im Ausland bekommt. Ich hatte keine Lust nach Schweden zu gehen und bei jedem Bier im Kopf zu berechnen, ob das Geld jetzt noch bis zum Monatsende reicht. Im Osten Europas kann man da finanziell mehr entspannen und auch mehr unternehmen.

2. Es gibt viele interessante Reiseziele

Okay, Prag kennt fast jeder, aber den Rest von Tschechien, die polnische Ostseeküste oder die slowenische Hauptstadt haben viele Leute nicht auf dem Radar. Ich war zum Beispiel auch in der kleinen tschechischen Stadt Karlovy Vary (auf deutsch: Karlsbad), und es war wunderschön. Wenn ihr die Stadt seht, erkennt ihr sie vielleicht aus dem Bond-Film "Casino Royale" wieder, in dem der Ort Montenegro darstellen soll. Aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie gibt es östlich von Deutschland viele Burgen und Schlösser zu erkunden. Im Osten Europas gibt es auch tolle Gebiete zum Wandern, wie zum Beispiel Pirin in Bulgarien oder die böhmische Schweiz. Was ich auch nicht auf dem Schirm gehabt hätte, wäre ich nicht in Prag gewesen, ist die Hohe Tatra. Das ist ein Teil der Karpaten, der in der Slowakei liegt: ein wunderschönes Gebirge. Der höchste Punkt ist fast doppelt so hoch wie der Feldberg und hat dann schon ein wenig Alpenflair.

3. Mit Bus und Bahn kann man gut und günstig reisen

In die Hohe Tatra bin ich mit dem LeoExpress (Zug) komfortabel für zehn Euro gekommen. Mit Sitzplatzreservierung, WLAN und Bewirtung, von sowas kann man in der Deutschen Bahn meist nur träumen. Außerdem bin ich für acht Euro mit Polskibus von Prag nach Krakau gefahren, das sind 535 Kilometer. Die Entfernung entspricht der Strecke von Freiburg nach Münster, wofür man sogar mit dem Fernbus noch 40 Euro berappen müsste. Da bietet es sich an, Wochenendtrips zu machen. Wen man dann noch in ein Hostel geht, ist der Trip wirklich günstig.

4. Man lernt eine Sprache, die nur wenige Menschen sprechen

Die einzelnen slawischen Sprachen (außer russisch) sprechen nur wenige Menschen als Muttersprachler, das macht sie für viele nicht gerade zur ersten Wahl für einen Sprachkurs. Grammatikalisch sind sie schwer (ja, sogar schwieriger als deutsch) und sind dem Deutschen nicht sehr ähnlich (bis auf einige Vokabeln wie zum Beispiel: Kino (tschechisch) = Kino (deutsch). Die einzelnen Sprachen wie tschechisch, slowenisch oder ukrainisch sprechen zwar nicht so viele Menschen, aber die slawischen Sprachen sind sich sehr ähnlich. Man kann sich, wenn man zum Beispiel tschechisch spricht, auch in Polen oder der Slowakei verständigen und es ist viel leichter andere slawische Sprachen zu lernen, wie eben auch russisch. Das kann auf Reisen oder im Beruf von Vorteil sein. Positiver Nebeneffekt: Wenn man versucht die jeweilige Landessprache zu sprechen, sind die meisten Einheimischen gleich ein bisschen freundlicher gestimmt.

5. Die meisten Universitäten haben eine große Auswahl an englischen Kursen

Da nicht viele Leute tschechisch, polnisch oder ähnliches sprechen gibt es eine sehr große Auswahl an englischen Kursen an den Universitäten östlich von Deutschland, was natürlich super für ein Erasmus-Semester ist. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kurse dabei sind, die einen interessieren und das diese auch angerechnet werden.

6. Man kann dadurch zwei Sprachen lernen beziehungsweise verbessern

Ich habe einen Tschechischkurs besucht und kann jetzt immerhin einen Kaffe auf tschechisch bestellen. In Ländern, die nicht gerade England, Frankreich oder Spanien sind, kann man eine neue Sprache lernen, aber dadurch, dass die Kurse und die generelle Kommunikation auf englisch stattfinden, kann man gleichzeitig zwei Sprachen lernen beziehungsweise verbessern. Wenn man hingegen nach England geht, kann man nur an einer Sprache arbeiten.

7. Man lernt eine neue Kultur kennen

In Spanien, England und Frankreich waren die Meisten vor ihrem Erasmus-Semester schon oft im Urlaub. Die Meisten haben die Sprache schon in der Schule gelernt, in der man auch schon viel über die Geschichte und Kultur des Landes erfahren hat. Ich war erst einmal vor meinem Auslandsaufenthalt im Osten Europas und mein Wissen über die tschechische Sprache, Geschichte, Politik und Kultur war eher begrenzt. Es ist doch interessanter, wenn man ein Land noch nicht gut kennt, bevor man ein Erasmussemester dort verbringt.

Tapas habe ich schon oft in Freiburg gegessen, aber Piroggen gegessen oder einen Sliovice getrunken, habe ich hier noch nie. Über das politische System wusste ich kaum etwas, was die Führung durch das tschechische Parlament interessanter gemacht hat. Auch dass manch ein Tscheche beleidigt ist, wenn man die Tschechische Republik als osteuropäisch bezeichnet, war mir neu. So bekommt man einen Perspektivenwechsel, um den es bei einem Erasmus-Semester doch geht.

8. Die Chance einen Platz zu bekommen ist höher

Ich war die Einzige, die aus dem Studiengang Politikwissenschaft vergangenes Semester nach Prag gegangen ist, obwohl noch ein anderer Platz frei war. Die Wahrscheinlichkeit seine erste Standortwahl zu bekommen, ist bei Zielen außerhalb von Spanien, Frankreich und England deutlich höher.



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