Uni Freiburg

8 Dinge, die sich durch die School of Education im Lehramtsstudium ändern

Claudia Förster

Seit dem Wintersemester gibt es das Lehramtsstudium an der Uni Freiburg nur noch im Bachelor-Master-System. Aus diesem Grund haben Uni und PH die School of Education gegründet. Welche Veränderungen bringt das mit sich?

Universitätsrektor Prof. Hans-Jochen Schiewer spricht von einem historischen Schritt: Mittwochabend unterzeichnen Vertreter der Pädagogischen Hochschule (PH) und der Uni Freiburg die Gründung der Freiburger School of Education.


Damit institutionalisieren sie die gemeinsame Ausbildung von Lehramtsstudierenden im Zuge der Umstellung auf das Bachelor-Master-System – und haben große Pläne. Aber welche Veränderungen bringt das mit sich? Fudder erklärt euch die Vorteile, die Lehramtsstudierende von der School of Education haben werden.

1. Kohärentere Lehre

Nix da von wegen aneinander vorbeireden: Die Qualität der Lehrerbildung soll durch einen gemeinsamen Studienausschuss und gemeinsame Prorektoren sichergestellt werden. Die Gremien, die sich aus Vertretern der Uni und der PH zusammensetzen, sollen fachwissenschaftliche, fachdidaktische, bildungswissenschaftliche und schulpraktische Anforderungen künftig besser aufeinander abstimmen. Damit soll das große Ganze immer in Blick behalten werden.

2. Intensivere Bildungsforschung

Bislang haben Fachdidaktiker, Wissenschaftler und Bildungsforscher eher vor sich hin getüftelt. Mit der School of Education sollen Themen empirischer Bildungsforschung gebündelt und verstärkt gemeinsam untersucht werden. So können die Disziplinen voneinander profitieren: Fachdidaktiker könnten höheren Wert auf Wissenschaftlichkeit ihrer Forschung legen, Fachwissenschaftler die Praxisnähe nicht vergessen.

Prof. Timo Leuders, Prorektor für Forschung der PH, will die Forschung außerdem enger mit der Lehre verzahnen: Auch an der Pädagogischen Hochschule könnten Lehr- und Forschungsfunktionen vermehrt in einer Person zusammengefasst werden. "Zur Verbindung von Lehre und Forschung wollen wir aber auch den Nachwuchs fördern und Lehramtsstudierenden die Möglichkeit bieten, nach dem Abschluss selbst an der Uni zu forschen", sagt er.

3. Neue Inhalte

Durch ein gemeinsames Budget kann die School of Education in langfristige Projekte investieren und neue Strukturen aufbauen, die von Uni und PH gleichermaßen genutzt werden können. Geplant ist beispielsweise eine Professur für Inklusion.

4. Mehr Praxisbezug

Das Land Baden-Württemberg will das Lehramtsstudium durch das Bachelor-Master-System "professionsorientierter" gestalten – also stärker auf den realen Lehrerberuf ausrichten. Die Gründer der School of Education sind bereits im Kontakt mit Partnerschulen und den Studienseminaren, die die Referendare nach dem Studium ausbilden. In Zukunft sollen Inhalte aus dem Studium, Schulen und dem Referendariat stärker vernetzt werden, damit alle an einem Strang ziehen und die Ausbildung an Wirklichkeitsbezug gewinnt.

5. Kompetenzorientierung

Auch das wünscht das Land von seinen Lehrern gefälligst zu haben – aber wie? "Es ist wichtig, dass alle Akteure zusammenarbeiten: Staatliche Seminare, Unis, aber auch die Schulen", fordert Prof. Juliane Besters-Dilger, Prorektorin für Studium und Lehrer der Uni Freiburg. Durch diese Kooperation erwartet sie sich einen qualitativen Sprung der Lehrerbildung. Kompetenzen sollen Studierende außerdem durch sinnvoll verknüpfte Module sowie durch früh angesetzte Praxissemester erlangen.

6. Bewusste und freie Entscheidung für oder gegen den Lehrerberuf

Polyvawie? Wieso nennt man das nicht einfach "Mathe-Lehramt" statt "polyvalenter Bachelor Mathematik mit Option Lehramt"? Ganz einfach, erklärt Besters-Dilger. Das kleine Wörtchen symbolisiert, dass nach dem Bachelor immer noch mehrere berufliche Wege eingeschlagen werden können und auch dürfen: Bis zum Abschluss können Studierende entscheiden, ob sie ihr ganzes Leben lang Lehrer bleiben wollen oder sie doch in den freien Arbeitsmarkt einsteigen. Erst, wenn bereits genügend Praxiserfahrung im Klassenzimmer gesammelt wurde und sich Studierende von ihrer Rolle als Schüler distanziert haben, wählen sie den weiteren Studienverlauf. Damit wollen Uni und PH fundierte, reflektierte Entscheidungen für oder gegen den Lehrerberuf fördern und den Druck, sich mit 17 für immer auf einen Beruf festlegen zu müssen, mindern.

Man kann also jederzeit Vollphysiker statt "nur" Physiklehrer werden, ohne dass Verlegenheit im Spiel ist oder man aus Angst, das Studium abzubrechen, einen falsch Weg einschlägt. Sobald die Entscheidung allerdings gefallen ist, steht der Lehrerberuf im Vordergrund: Während sich der Bachelor – weil polyvalent und Wahlfreiheit betonend – hauptsächlich mit der jeweiligen Fachwissenschaft beschäftigt, geht es im Master of Education zu Großteilen um Bildungswissenschaften und Fachdidaktik.

7. Ortswechsel

Im Zuge des Bachelor-Master-Systems sind ab jetzt auch für Lehramtsstudierende Studienortwechsel ohne Weiteres möglich, jeder kann also seinen Master of Education in anderen baden-württembergischen Städten wie Stuttgart, Konstanz oder Heidelberg beenden.

8. Starkes Duo

In anderen Städten gibt es die School of Education schon viel länger – warum in Freiburg so kurz vor knapp? Anstatt Uni und PH Hals über Kopf zu fusionieren, ohne dass die betroffenen Abteilungen diesen Schritt mittragen, haben die beiden ihre Beziehung langsam angehen lassen. Im Kooperationsnetzwerk Freiburg Advanced Center of Education (FACE) haben sich Fachwissenschaftler und Didaktiker schon seit Beginn des Lehramtsbachelors kennengelernt.

Erst jetzt, wo alle die Vorzüge und Mankos des anderen kennen, institutionalisieren die Bildungsträger die School of Education. Für Studierende bedeutet das, keine längere Warmlaufphase des Systems oder nervende Unstimmigkeiten ertragen zu müssen, sondern von einem erfahrenen, eingespielten Team unterstützt zu werden. Weil die beiden Akteure ihre Stärken optimal ergänzen, gewinnt die Lehre und Organisation also insgesamt an Qualität.

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