8 badische Dialektwörter, die Du bestimmt noch nicht kanntest

Marius Buhl

Oder wusstest Du etwa, was eine "Deifelsnoodle" ist? Eben. Und Fabian Krieger, Betreiber der Facebookseite "Schreib dich nicht ab, lern Badisch", hat noch einige Wörter mehr für dich:



Der Freiburger Fabian Krieger, 24, hat eine Leidenschaft: die badischen Dialekte. Auf der Facebookseite "Schreib dich nicht ab, lern Badisch" teilt der Bäcker deshalb fast vergessene Dialektwörter mit seinen 6105 Fans. Für Fudder hat er ein paar der schönsten aufgeschrieben:


1. Dolder

Dolder heißt übersetzt Baumkrone. Dolder wurden im Mittelalter aber auch oft Wachtürme genannt. Außerdem gibt es einige Gaststätten, die den Namen „Zur/Zum hohen Dolder“ tragen.

2. Welschkorn

Ein Wort, das man heute kaum noch hört. Welschkorn wird von "welsches Korn" abgeleitet, was wörtlich übersetzt "fremdes Korn" heißt. "Welsche" war vermutlich die Bezeichnung für die fremden Römer und Kelten. In der Schweiz wird bis heute der französischsprachige Landesteil "welsche Schweiz" genannt. Das Welschkorn trägt heute einen anderen Namen: Mais.

3. Wasserjumpfere

Die Libelle ist das beste Beispiel, wie vielseitig "unsri Sprooch" ist. Es gibt weit über 50 weitere Begriffe für das Insekt: Deifelsnoodle (Breisgau/Ortenau) Hornisnoodle (Eschbach), Eelnoodle (Sasbach), Bachnoodle (Buggingen), Schillebolde (Oppenau) und Wasserwiibli (Ödsbach) sind nur einige Beispiele.  

Verbreitet war früher der Aberglaube, dass die Libelle den Augen gefährlich werden konnte. Zu diesem Benennungsmotiv zählt das aus Schopfheim kommende Augenbohrer. Nun fällt die Libelle aber unbestreitbar auch durch ihre Anmut und Schönheit auf, was ebenfalls die Phantasie angeregt hat. Namen, wie Wasser-, See-, Bach- oder Deichjumpfere sind auf diese Vorstellung zugeschnitten, zumal sie auch noch den häufigen Aufenthaltsort der Libelle miteinbeziehen

4. Bobbele

Okay, jeder Freiburger kennt dieses Wort. Aber was bedeutet es? Zum einen stammt es von Poppele ab, was entweder einen kindischen oder einen alten, gutmütigen Menschen meinte. Eine weitere Ableitung kommt von Bobbl. Die Übersetzungen für diese Worte reichen von Idiot bis Langweiler. Bobbele bedeutet aber auch „Schatz“. Den Freiburgern dürfte letztere Übersetzung besser gefallen.

5. Scheese

Scheese wurde ursprünglich die Pferdekutsche genannt, abgeleitet vom französischen „Chaise“. Mancherorts  wird heute der Kinderwagen  Scheese genannt, andernorts das alte, klapprige Auto  – noch ein Dorf weiter dient das Wort als sanfte Beleidigung für vergessliche Frauen. 

6. Guts

Schlicht und einfach „Guts“ wird von Lörrach bis in den Breisgau die Marmelade genannt. In der Ortenau deutet das weitverbreitete Schleck oder Schlecks, mit seinen Verkleinerungen Schlecksl, Schlecksli, Schleckl oder Schleckli darauf hin, dass es sich bei dieser Frucht-Zucker-Mischung um etwas ganz besonders Leckeres handelt, während im Elztal ein anderer Aspekt hervorsticht: Dort wird die Marmelade Strichi genannt und damit ihre Streicheigenschaft betont.

7. Gauch

Wenn man heute vom Gauch spricht, meint man meistens den Kuckuck. Vermutlich weil der Kuckuck wegen seines eintönigen Rufes als töricht galt, bezeichnete das Wort früher auch einen Narren.

Im Mittelalter wurden Gaukler und sonstiges "Fahrendes Volk" so bezeichnet.

8. Sendewelle

Sendewelle sagt man zum gebündelten Rebreißig. "Senden", vom gotischen "sandjan", hieß "reisen machen" - also etwas Festes beweglich machen. "Welle" kommt von “wellan”, womit man Reisigbündel bezeichnete, da sie zum Binden "gewälzt" werden mußten.

Sendewelle war aber auch der Über- oder Spottname der Altdorfer, einem Ortsteil von Ettenheim in der Ortenau. Die Narrenzunft des Orts heißt noch immer: Sendewelle.

Zur Person

Fabian Krieger, 24 ist eigentlich Bäcker. Er stammt aus Freiburg, hat beim Bäcker Lay seine Lehre absolviert und hat vom Backen noch nicht genug: Aktuell hat er eine weitere Lehre zum Konditor begonnen, allerdings in St.Blasein bei der Konditorei Ell. Zusammen mit seinem Vater bereibt er die Facebookseite "Schreib dich nicht ab, lern Badisch". Vater Berthold Krieger betreibt außerdem die Facebook-Seite "Historisches Freiburg".

[Aufgezeichnet von Marius Buhl]

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[Foto: Daniel Schönen]