72-Stunden-Aktion: Die Zeit ist abgelaufen

Birgit Fritz

Für Tausende Jugendliche in Südbaden ist am Sonntag die 72-Stunden-Aktion zu Ende gegangen. Es gab oft Hindernisse bei der Aufgabenbewältigung. Und dann der Aufschrei: Hilfe!



Am Sonntag um 17.07 Uhr hat der Feierabend für die Himmelsboten der 72-Stunden-Aktion begonnen. Unter dem Motto "Uns schickt der Himmel" engagierten sich drei Tage lang Tausende Kinder und Jugendliche. Für viele Gruppen in Südbaden eine schweißtreibende Zeit. Denn die Aufgaben waren zum Teil sehr anspruchsvoll. Und es war nicht immer einfach, die benötigten Materialien zu beschaffen. Beispielsweise für die Ministranten Maria Magdalena in Freiburg. Ihre Aufgabe lautete: Im Kinderhaus "Arche Noah" einen Bauwagen anzuschaffen und für die Holzwerkstatt umzugestalten. Zudem sollte eine Freiarbeitsfläche mit Überdachung errichtet werden. Schon am Donnerstag rief die Gruppe über das Aktionsradio um Hilfe. Denn woher einen Bauwagen nehmen? Auch über das Internet kam ein Aufruf: Am Freitag ging es weiter: "Wir suchen immer noch ganz dringend einen Bauwagen!" "Das hat ganz schön auf die Stimmung gedrückt", sagt Constanze Acker, die zuständige Ansprechpartnerin beim Koordinierungskreis.




Nach 2 Tagen der Aufschrei: Yipieh

Samstag Nachmittag – fast zwei Tage nach Start der Aktion – dann die Nachricht: "Yipieh der Bauwagen kommt." Vom Mundenhof bekamen die Jugendlichen kurzfristig zwar einen Bauwagen, aber nur unter der Bedingung, dafür Ersatz zu bekommen. Nach tatkräftiger Unterstützung durch Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach konnte dies zugesagt werden Da hätten sich die Jugendlichen unglaublich gefreut. Doch die Zeit lief und es gab noch viel zu tun. "Die Gruppe konnte erst nach 2 Tagen so richtig loslegen", sagt Constanze Acker.



Problem Goldfisch

Goldfische standen ab Freitag auf der Suchliste der Pfadfinder Littenweiler aus Freiburg. "Wir brauchen bis Sonntag dringend Goldfische, da in unserer Aufgabe die Pflege der Grünanlage rund um das Kinderhaus St. Raphael - und daher auch die Pflege des Teiches besteht. Wer kann uns diese Fische spenden?", lautete der Hilferuf im Internet. Die Lösung zog aber ein weiteres Problem nach sich. Die Goldfische waren gefunden, aber um sie von einem Ort zum anderen zu bringen? Deshalb am Samstag der nächste Ruf: "Wie fängt man einen Goldfisch? Kescher gesucht!"



Kreativer Hilferuf

Unter die Dichter gingen die Pfadfinder Brombach aus Lörrach mit ihrem Gesuch nach Material für einen Brückenneubau: "Zu Hülfe mit Hölzlern. Wer kann hölzern? Balken spenden? Unser schweres Los zu wenden? Viele Geber müssen her - Sonst wird´s mit der Brück´ nichts mehr! Stützgehölze, Kantholz, Bretter, brauchen wir, the more, the better! Schrauben, Nägel, schwere Bohrer - Sand, Zement, sind Selbstabholer. Also, wer kann was entbehren? Dem soll an unserm Dank nicht fehlen."

Locker ins Ziel

Bei manchen Gruppen lief es aber auch ziemlich glatt. So wurde über die Aktionsgruppe "Kleines Chaos" schon einen Tag vor Aktionsende vermeldet: "Die Gruppe in Lahr hat's geschafft! Am Samstag um 17:07 Uhr sind alle Bauarbeiten beendet." In 48 Stunden haben die 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 14 bis 22 Jahren den Außenbereich des Kindergartens St. Raphael umgestaltet: unter anderem ein Klettergerüst aufgestellt, 2 Tore gebaut, Wege mit 10 Kubikmeter Schotter erneuert, eine Steininsel aufgeschüttet, ein Blumenbeet und einen Gemüsegarten für die Kindergartenkinder angelegt. Und die Vorbereitungen für das Abschlussfest getroffen, das sie am Sonntag veranstalteten.



Erzdiözese Freiburg an der Spitze

Mitgemacht haben in Deutschland 100.000 Kinder und Jugendliche zwischen Wilhelmshaven im Norden und Grenzach-Wyhlen im Süden. Unter den 14 beteiligten Bistümern lag die Erzdiözese Freiburg an der Spitze. Nach Angaben des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) beteiligten sich hier 15.000 Kinder und Jugendliche. Mit den Aufgaben setzten sich Kinder und Jugendliche für andere ein.

7,2 Millionen ehrenamtliche Stunden

"Eine Gesellschaft benötigt ehrenamtliches Engagement, gerade auch von Jugendlichen", lobte Erzbischof Robert Zollitsch die Aktion. Die Jugendlichen hätten "den Mut, auf Missstände hinzuweisen und die Kraft, diese zu verändern". Mit dabei waren viele Gruppen des BDKJ: Kolping-, Landjugend- oder Pfadfindergruppen. Aber auch zahlreiche Gemeinde- und Ministrantengruppen, einzelne Firmteams und Hauptschulklassen haben sich für die gute Sache ins Zeug gelegt. Mit rund 7,2 Millionen ehrenamtlichen Arbeitsstunden ist die 72-Stunden-Aktion 2009 die größte Sozialaktion in Deutschland. In der Erzdiözese Freiburg fand die Aktion nach 2001 und 2004 zum dritten Mal statt.

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[Quellen: Fotos Badische Zeitung, Marlies Jung-Knoblich, Patrick Zwigart]