70 Millionen: Sanierung des KG 2 wird teurer als die Unibibliothek

Joachim Röderer

Das Kollegiengebäude II wird entkernt und totalsaniert – für mehr als 70 Millionen Euro. Das KG II wird damit teurer als die Unibibliothek. Im Jahr 2020 soll die Sanierung abgeschlossen sein.



Nächstes Jahr wird der neue große Platz der Alten Synagoge fertig. Nächstes Jahr beginnt aber direkt an diesem neuen Platz Freiburgs nächste Superbaustelle: Das Kollegiengebäude II wird entkernt und totalsaniert – für mehr als 70 Millionen Euro. Das KG II wird damit teurer als die Unibibliothek. Ersten Schätzungen zufolge sollten sich die Kosten für Sanierung und Entkernung nur zwischen 30 und 35 Millionen Euro bewegen.


In den angrenzenden Fakultäten geht die Angst vor Dauerbaulärm um. Denn: Die Baustelleneinrichtung kann nicht komplett über den frisch fertiggestellten Platz der Alten Synagoge erfolgen. Aber Stadt und Uni haben einen Kompromiss gefunden, sagen Rathaus und Rektorat.

Kostenschätzung nach oben katapultiert

Eine Millionen-Baustelle jagt im Bereich Rotteckring, Bertoldstraße und Unigebäuden damit die nächste. Beim Timing hat es zwischen der Neugestaltung des Platzes der Alten Synagoge und dem angrenzenden Kollegiengebäude nicht so richtig gepasst. Genau dann, wenn die Stadt mit ihrem Platz fertig ist, legt die Universität mit der Totalsanierung des Kollegiengebäudes II los. "Das wird die größte innerstädtische Baustelle der Universität und kein ganz einfaches Unterfangen", sagt Karl-Heinz Bühler, Leiter des Amtes für Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Freiburg.

Die Kostenschätzung hat sich mittlerweile auf 70 Millionen Euro nach oben katapultiert. Das 1960 gebaute KG II wird damit teurer als die glitzernde neue UB schräg gegenüber. Das Vermögens- und Bauamt hat die Projektunterlagen fertig gestellt und wird sie in Stuttgart einreichen. Wenn grünes Licht für die Finanzierung kommt, soll es nächstes Jahr losgehen. Amtsleiter Bühler rechnet mit einer Bauzeit bis zum Jahr 2020.

Anfangs dachte die Universität, die Einrichtung und die Bedienung der Baustelle könnten über den Platz der Alten Synagoge erfolgen – damit wäre der halbe Platz belegt gewesen. Aus dem Rathaus kam prompt ein schnelles Nein: "Wir können nicht den neuen Platz einweihen und dann kommt gleich wieder eine Baustelle darauf", erklärt Baubürgermeister Martin Haag. Er verweist aber auf die konstruktiven Gespräche mit der Universität bei der Suche nach anderen Lösungen.

Unter dem Portalkran können Laster durchfahren

Denn für die Baustelleneinrichtung wird nun auch der Uni-Innenhof, der Platz der Weißen Rose, genutzt. Dafür muss vorher aber noch die Decke der darunterliegenden Tiefgarage verstärkt werden, damit diese die Last der Baufahrzeuge tragen kann. In den Uni-Instituten rund um den Platz gibt es auch die Befürchtung, dass Forschung und Lehre unter dem Baulärm aus dem Innenhof leiden. Erst jüngst hat der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät das Rektorat noch einmal zu Nachverhandlungen mit der Stadtverwaltung aufgefordert.

"Unannehmlichkeiten wie Lärm und Schmutz werden unvermeidbar sein, aber unsere Anstrengungen sind darauf ausgerichtet, dass die Lärmbelastungen durch die Baustelle für Studierende und Dozierende so gering wie möglich sein werden", erklärt Unisprecher Rudolf-Werner Dreier. Hinsichtlich der technischen Umsetzung sei die Uni ständig im Gespräch mit der Stadt und den zuständigen Stellen des Landes. Tatsächlich hat sich eine Kompromisslösung gefunden, auf die auch der Baubürgermeister verweist.

Ein Randstreifen des Platzes der Alten Synagoge, der nicht mit den großen Granitplatten belegt wird, bleibt erst einmal frei. Auf diesem Streifen wird ein sogenannter Portalkran aufgestellt, unter dem Lastwagen hindurchfahren können. Entlang dem KG II zur Bertoldstraße hin wird eine Baustraße angelegt – hier wird auch Baumaterial an- und abtransportiert – und damit nicht über den Uni-Innenhof. Kurios: Die vor sieben Jahren über das damalige Konjunkturpaket finanzierten neuen Fenster für das KG II bleiben drin – die Entkernung und dann Innenausbau erfolgen über ein Loch im Dach.

Bis zum Start der Baustelle muss das KG II leer sein. Die Juristen sind bereits ausgezogen. Das Audimax wird bekanntlich in den Paulussaal verlagert. Die Wirtschaftswissenschaftler ziehen bald in die einstige Zentrale des Schluchseewerks, die dafür aber auch noch umgebaut werden muss.

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[Foto: Thomas Kunz]