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7 Tipps für den Umgang mit Ebay Kleinanzeigen

Gina Kutkat

Wer sein altes Kinderbett verkaufen oder ein cooles Rennrad ergattern will, macht das oft über Ebay Kleinanzeigen. Die Nutzung der Plattform ist kostenlos, birgt aber auch Risiken. Ein Experte verrät, worauf man achten muss.

Kostenlose Registrierung, einfaches Hochladen, keine Angaben wie Name oder Wohnort nötig: Kaufen oder verkaufen über Ebay Kleinanzeigen ist praktisch und beliebt. Laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (agof) zählte die Plattform im August 29,26 Millionen Unique User.


Mehr als 25 Millionen Anzeigen sind auf dem Portal parallel verfügbar. Mit der Größe kommt aber auch die Attraktivität für Betrüger und Kriminelle. "Nichtsdestotrotz verläuft das Gros der Transaktionen bei uns problemlos, sonst würde es uns nicht mehr geben", sagt Pierre Du Bois, Pressesprecher von Ebay Kleinanzeigen. Was man tun kann, damit man nicht Opfer von Abzocke und Tricksereien wird, weiß Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

1. Prüfen, ob die Anzeige realistisch ist

Wer im Internet auf der Suche nach Ware ist, sollte sich nicht blenden lassen. Ein nagelneues iPhone für 130 Euro? Neuware zum absoluten Schnäppchenpreis? Da kann man schon mal skeptisch werden. Egal, ob Kleinanzeige oder Internetshop, es gilt der Grundsatz: "Angebote, die zu gut sind um wahr zu sein, sind nicht wahr" – so steht es auch in den Sicherheitshinweisen von Ebay Kleinanzeigen.

2. Seriöse Anbieter erkennen

"Wenn es sehr wenig Infos über den Anbieter gibt, sollte man stutzig werden", sagt Oliver Buttler. Seriöse Anbieter nennen ihren Namen und geben Telefonnummer und E-Mail-Adresse an, über die man sie erreichen kann. "Eine kurze Google-Suche kann außerdem nicht schaden", so Buttler. So lässt sich schnell herausfinden, ob ein Anbieter bereits negativ aufgefallen ist. Auf die normalen Bewertungen auf Ebay sollte man sich nicht allein verlassen, denn diese können gekauft sein. Auch, wenn ein Anbieter im Ausland ansässig ist, wird es schwieriger, ihn bei Problemen zu erreichen. Verkäufer sollten immer dazu bereit sein, dass man persönlichen Kontakt zu ihnen aufnimmt. "Wenn sich jemand komplett zurückzieht, sollte man Skepsis walten lassen", so Buttler.

3. Anzeigenbeschreibung kontrollieren

"Drum prüfe, wer sich ewig bindet" – Was für die Heirat gilt, kann auch bei einer Verkaufsabwicklung bei Ebay Kleinanzeigen nicht schaden. Wer sich für einen Artikel interessiert, sollte dessen Beschreibung sorgfältig lesen und auch die Bilder der Ware genau anschauen. Gibt es Widersprüche? Enthält die Beschreibung Hinweise auf Mängel? Wenn es Unklarheiten gibt, am besten den Anbieter kontaktieren und diese vorher klären. Extra-Tipp: Die Anzeige und sämtliche Korrespondenz mit dem Verkäufer speichern und aufbewahren. So ist man auf der sicheren Seite, wenn es später zu Unstimmigkeiten kommen sollte.

4. Nicht in Vorkasse gehen

"Es kommen viele Beschwerden bei der Verbraucherzentrale an, dass falsche Ware oder gar keine Ware geschickt wird", sagt Oliver Buttler. Deswegen rät er dringend davon ab, in Vorkasse zu gehen. Auch Direktüberweisung sollte man vermeiden, denn bei beiden Bezahlmethoden ist es schwierig, sein Geld zurückzubekommen. Ebenfalls auf dem Index: Elektronische Bezahlmethoden wie Bitcoins, Zahlungen per Western Union, PaySafe oder MoneyGram. "Auch Schecks sind oft gefälscht oder erweisen sich im Nachhinein als ungültig", schreibt Ebay Kleinanzeigen.

Und wie sieht es mit Pay Pal aus? Dem Zahlungsdienst wird aufgrund des Käuferschutzprogramms ein hohes Maß an Sicherheit zugesprochen. "Prüfe nach Erhalt der Paypal-Zahlungsbestätigung oder Überweisungsbestätigung per Email den Geldeingang direkt in deinem Konto. Betrüger versenden oft gefälschte Zahlungsnachweise", schreibt Ebay Kleinanzeigen.

Noch vorsichtiger ist der Verbraucherschützer: "Man sollte auf jeden Fall im Vorfeld klären, wie weit der Käuferschutz greift", sagt Oliver Buttler. "Es gibt auch viele Ausschlusskriterien, wenn es hart auf hart kommt." Kurz gesagt: Kein Zahlungsdienst garantiert vollkommene Sicherheit.

5. Ware persönlich in Augenschein nehmen

Ebay Kleinanzeigen empfiehlt seinen Nutzerinnen und Nutzern, die Ware immer persönlich abzuholen, denn dann kann man sie sich wie im Geschäft anschauen. Bei der Übergabe sollte man unbedingt überprüfen, ob der Zustand des Artikels mit der Beschreibung überein stimmt. Bei hochpreisigen Artikeln sollte sich der Verkäufer ausweisen. "Generell sollte man sich auch den Originalkaufbeleg übergeben lassen", sagt Oliver Buttler. "Dieser ist zudem notwendig, wenn bei der Ware noch Garantie- oder Gewährleistungsansprüche bestehen, die gegen den ursprünglichen Händler geltend gemacht werden können."

6. Einen öffentlichen Ort für die Übergabe wählen

Oliver Buttler rät, einen neutralen öffentlichen Ort für die Übergabe zu wählen, an dem man sich wohlfühlt. Das kann beispielsweise ein Café sein. Von einer Übergabe an Gleis 1 am Freiburger Bahnhof oder dem Bertoldsbrunnen rät er hingegen ab – dort ist es zu troubelig. Ein weiterer Tipp: Eine Begleitperson mitnehmen. "Dann fühlt man sich nicht nur sicherer, sondern hat gleichzeitig einen Zeugen dabei, falls es zum Streit über den Zustand der Ware kommt."

7. Was man tun kann, wenn man doch auf einen Betrüger reinfällt

Anzeige erstatten. "Sobald ein versuchter oder sogar vollendeter Betrug vorliegt, sollte man sich an die Polizei wenden", rät Oliver Buttler. Die Polizei muss ermitteln und hat im besten Fall schon Kenntnis über eine Person, die negativ aufgefallen ist. "Wenn die Polizei schnell arbeitet, kann es passieren, dass die Konten von dem Betrüger eingefroren werden." So besteht zumindest die Möglichkeit, dass man sein Geld wiederbekommt.

"Wir raten Nutzern, die vermuten, Opfer eines Betrugs geworden sind, sich an unseren Kundenservice zu wenden", so Pressesprecher Du Bois. Ebay Kleinanzeigen arbeite zudem eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Auffällige oder betrügerische Inhalte sollten stets gemeldet werden, damit betrügerische Anzeigen von der Seite ferngehalten werden. Dafür gibt es auf jeder Anzeigenseite und in jeder E-Mail einen Link zum Melden.
Das sagt die Polizei Freiburg

Wer wegen eines Betrugs über ein Online-Portal bei der Polizei Strafanzeige erstatten will, sollte im Idealfall alles absichern, was diesen Betrug belegt, rät Laura Riske, Pressesprecherin der Polizei Freiburg: "Mail-Anschriften mit dem Verkäufer/Käufer, Korrespondenz, gegebenenfalls auch Screenshots des Angebots."

Selten sind Betrugsfälle nicht: die Polizei klassifiziert sie als "Computerbetrug". Wie viele Betrugsstraftaten über Ebay Kleinanzeigen in Freiburg zur Anzeige gebracht werden, kann jedoch nicht genau gesagt werden. Eine für fudder von der Pressestelle der Polizei durchgeführte Recherche brachte jedoch für das Jahr 2018 (Januar bis Anfang Oktober) rund 700 Strafanzeigen mit dem Parameter "Kleinanzeigen". Im gesamten Jahr 2017 waren es lediglich 362.



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