Fünfte Jahreszeit

7 Gründe, warum ich mich auf Fasnet freue

Lisa Petrich

Singen, lachen, Blödsinn machen: Bald geht es wieder los mit der fünften Jahreszeit. fudder-Autorin Lisa Petrich findet, dass es allen Grund gibt, sich schon jetzt auf Fasnet zu freuen. Vor allem, wenn man Mitglied einer Zunft ist.



1. Verkleiden

Natürlich ist Verkleiden nicht jedermanns Sache. Aber ich freue mich jedes Jahr wieder riesig darauf, in der großen Verkleidungs-Kiste ein altes Fasnachts-Outfit herauszusuchen oder ein neues zusammenzubasteln. Dabei sollte es beim Verkleiden aber nicht darum gehen, gut auszusehen. Viel lustiger wird es, wenn man im Kostüm kaum mehr zu erkennen ist, sei es wegen Perücke oder Schminke.

Das ist ja das Coole daran: An Fasnet kann man auch mal total blöd aussehen – solange Du es lustig findest, ist es total egal. Klassiker wie Indianer, Hexe oder Hippie gehen immer, aber man kann auch kreativ werden und sich beispielsweise in ein Zebra, Krümelmonster oder Lego-Menschen verwandeln. Warum dann bloß mit roten und blauen Ringelsöckchen am Straßenrand beim Umzug zu stehen, wenn es auch viel lustiger geht?

2. Narrentreffen, Umzüge und Proben als Einstimmung auf Fasnet

Eigentlich fängt Fasnet ja schon am 11.11. an – und nach dem Dreikönigstag am 6. Januar geht es los mit zahlreichen Narrentreffen und Umzügen, die sich bis zum Fasnet-Zischdig hinziehen. So kann man sich perfekt auf die Fasnachtszeit einstimmen. Meine Zunft, die Belchengeister und Chäsliwieber aus Münstertal, geht fast jedes Wochenende an ein Narrentreffen, Umzug oder beides. Gemeinsam fahren wir mit dem Bus in unserem Häs zu unterschiedlichen Orten um das Münstertal herum, auch nach Freiburg. Bei diesen vielen Veranstaltungen sieht man endlich alle anderen Zunftmitglieder wieder, von denen man manche zuletzt das Jahr davor an Fasnet getroffen hat, und stimmt sich zusammen auf Fasnacht ein.

3. Alle spielen eine Woche lang verrückt

Am Schmutzige Dunnschdig geht die Hauptwoche von Fasnet richtig los: Schulen, Kindergärten und Rathäuser werden von den Zünften gestürmt. Jetzt übernehmen die Narren die "Herrschaft" über das Dorf oder die Stadt. In meinem Heimatort gibt es sogar gleich zwei große Zünfte, die das Tal auf den Kopf stellen. Bis zum Fasnet-Zischdig, dem Fasnetsdienstag, geht es rund mit Zunftabenden, Partys, Umzügen und zum Schluss findet die Fasnetverbrennung mit großem Hühneressen für alle Zunftmitglieder statt.

So ist man fast eine Woche lang ununterbrochen unterwegs und mit der Zunft zusammen bei unterschiedlichen Events. Wenn diese Fasnetwoche vorbei ist, kommt mir das schon immer sehr komisch vor – als würde jetzt irgendwas fehlen, weil der Alltag total über den Haufen geworfen wurde.

4. Mit eigenen Interessen und Talenten in der Zunft engagieren

Wenn man Teil einer Zunft ist, sollte man sich auch dafür engagieren. Dafür gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten: Beispielsweise werden schon ab November die Tänze für unsere Zunftabende geprobt, die immer am Schmutzige Dunnschdig, Freitag und Samstag stattfinden. Zweimal die Woche proben wir die Tänze, bei denen immer über 50 Mädels und Jungs mitmachen. Auch für die Sketche, Gesangs- und Musiknummern wird schon lange im Voraus geprobt.

Jeder kann sich also aussuchen, wo er mithelfen möchte und dabei sein eigenes Talent und Interesse ausüben – auf der Bühne als Tänzer oder Schauspieler, oder hinter der Bühne beim Kulissen malen, Ton- und Lichttechnik organisieren, oder in der Maske, wo alle Akteure vor ihrem Auftritt geschminkt und herausgeputzt werden. Dieses Engagement ist für viele selbstverständlich – aber macht auch großen Spaß.

5. Feiern mit Freunden und Fremden

Fasnet ist nur zum Saufen da? Quatsch mit Soße! Für die meisten geht es um mehr, als nur um’s Schorle trinken (wobei das natürlich auch dazugehört). Gemeinsam zu feiern, tanzen und zu singen funktioniert an Fasnet meiner Meinung nach einfach besonders gut. Freunde und Bekannte aus der eigenen Zunft, aber auch aus anderen Zünften und Nicht-Narren kommen an Fasnet zusammen. Und wer will, kann viele neue Leute kennenlernen. Außerdem macht es nur in dieser fünften Jahreszeit Spaß, zu Schlager-Musik und Après-Ski-Hits abzugehen. Und wenn sich die ganze Halle auf den Boden setzt, um Bob zu fahren oder die Arme Hubschrauber-mäßig durch die Luft schleudert, weiß man, dass Fasnacht ist.

6. It’s Showtime

Für Zunftmitglieder wie mich sind die alljährlichen Zunftabende natürlich ein großes Highlight. Bereits Monate im Voraus bereiten wir uns auf diese drei Abende vor. Ein buntes Programm wird auf die Beine gestellt und am Schmutzige Dunnschdig zum ersten Mal der Halle voller Zuschauer, die hauptsächlich Leute aus dem eigenen oder benachbarten Ort kommen, präsentiert. Dafür muss einiges vorbereitet werden, und alle helfen mit, einen tollen Abend mit vielfältigem, lustigen Programm auf die Beine zu stellen. Und danach geht’s weiter mit der Aftershow-Party! Einige verlassen erst morgens die Halle, sodass man direkt zum gemeinsamen Frühstück beim Bäcker laufen kann.

7. Gemeinschaft in der Zunft

Meine Zunft, die Belchengeister und Chäsliwieber, hat über 500 Mitglieder. Trotzdem kennt fast jeder jeden, und auf Narrentreffen, Umzügen und Zunftabenden freut man sich immer, die anderen wiederzusehen. Mitglied einer Zunft zu sein, ist wie eine zweite, große Familie zu haben. Man hält zusammen und unterstützt sich gegenseitig.

Die meisten Mitglieder sind schon von klein auf dabei, und so haben die Älteren den Jungen quasi beim Aufwachsen und Erwachsenwerden zugesehen und waren irgendwie ein Teil davon. Durch die Zunft entstehen auch immer wieder neue Freundschaften, die auch über die Fasnetzeit hinausgehen und lange halten. Ich könnte nicht auf Fasnet in meiner Zunft verzichten!
Fudder-Autorin Lisa wurde 2012 Mitglied bei der Zunft der Belchengeister und Chäsliwieber im Münstertal, aber ist schon seit der ersten Klasse beim Tanzen für das Kinderfest dabei. Die Zunft wurde 1951 gegründet und zählt über 500 Mitglieder.



Mehr zum Thema: