60 Jahre aka Filmclub: Das Studenten-Kino zeigt Klassiker zum Jubiläum

Leah Biebert

Der aka Filmclub der Uni Freiburg wird 60 Jahre alt - und hat anlässlich des Jubiläums ein großes Programm auf die Beine gestellt. fudder sprach mit den Organisatoren über Film-Klassiker, Netflix und die Aktualität von Fritz Langs Metropolis.

Der aka-Filmclub besteht seit seiner Gründung im Jahr 1957 ununterbrochen. Was ist das Erfolgsrezept?

Johannes Litschel: Der Filmclub ist eine Marktlücke. Es gibt ein Kinoprogramm abseits des Mainstreams, abseits dessen, was in den kommerziellen Kinos läuft. Und dann hat er auch eine unkonventionelle Art: Billige Eintrittspreise und studentischer Charakter, da man sein Essen und Trinken mitbringen kann. Vielleicht auch, dass es manchmal ein bisschen chaotisch abläuft. Da merkt man: Es ist eine studentische Organisation.

Valentina Escherich: Ich denke auch, dass es an dem besonderen Programm liegt und an der Atmosphäre. Dass man mit Freunden entspannt einen Film gucken kann und es eben nicht dieses sterile Kinoerlebnis ist.

Warum brauchen Studierende in Zeiten von Netflix und Amazon Prime denn noch einen Filmclub?

Meike Bischoff: Das Kino ist ein sozialer und kultureller Raum. Ein Raum, wo es dunkel ist, wenn man sich gemeinsam einen Film auf einer großen Leinwand anschaut. Und wo die Leute im besten Fall für 90 Minuten mal nicht auf ihr Handy gucken. Außerdem haben wir als Verein ja auch einen Bildungsauftrag, den jungen Leuten Dinge näherzubringen, die man sonst nicht so zu sehen bekommt. Und natürlich bringen wir ihnen auch näher, wie so ein Kinobetrieb funktioniert. Das aka funktioniert ja eigentlich wie ein stinknormales Kino.

Johannes: Wir haben auch Filme im Programm, die ganz einfach nicht auf Netflix laufen. Filme abseits des Mainstreams, die wir auch teilweise zum ersten Mal sehen, aus Russland oder aus Asien, die man sonst nicht so zu Gesicht kriegt. Und die Chance hat man halt im aka Filmclub.

Valentina: Wir haben auch ein Reihenprogramm, bei dem wir immer bestimmte Filme, die zusammenpassen, gemeinsam aussuchen. Das kann ein Regisseur sein, den wir vorstellen wollen, das kann aber auch ein bestimmtes Thema oder ein Kameramann sein. Das heißt, die Filme werden eingebettet in einen Kontext. Das ist auch so eine Art Filter. Auf Netflix gibt es unglaublich viele Filme und keiner weiß so genau: Was davon soll ich jetzt anschauen? Wir wählen wirklich nach unserem Bildungsanspruch Filme aus.

Trailer: Metropolis (1927) – einer der Jubiläumsfilme



Für die Jubiläumswoche wird die erste Filmreihe, die je im aka gezeigt wurde, wieder reaktiviert. Inwiefern ist ein Film wie Fritz Langs Metropolis heute noch aktuell?

Meike: Lustigerweise sind diese Stummfilm-Vorführungen immer sehr gut besucht. Wenn da Live-Musik dabei ist, dann kommt tatsächlich auch mal ein anderes Publikum. Es ist eine besondere Art, Kino zu erleben.

Johannes: Ich glaube, Metropolis ist dadurch wahnsinnig aktuell, dass er eine fast schon prophetische Weissagung gemacht hat. Er war auf seine Art sehr klug, weil er etwas prognostiziert hat, was ein Stück weit eingetreten ist, und das in den 20er-Jahren. Da war er seiner Zeit sehr weit voraus und ich glaube, dass das Publikum das versteht und deswegen auch immer noch fasziniert ist von so einem Film.

Meike: Die Sehgewohnheiten haben sich natürlich auch völlig verändert in 100 Jahren. Bei solchen Klassikern kommen die Leute aber.

Valentina: Es sind einfach Filme, von denen hat schon jeder mal was gehört, und man weiß, die gelten als besonders wichtig, als besonders große Kunst.

Habt ihr andere Klassiker, die ihr seit der Gründung regelmäßig ins Programm aufnehmt?

Johannes: Seit damals nicht, aber wir zeigen seit 10 Jahren einmal im Jahr die Rocky Horror Picture Show. Mir war das selber auch gar nicht bewusst, was das für ein Event geworden ist. Das ist wirklich ein Klassiker, der sich zum Fixpunkt in den Wintersemestern gemausert hat.

Valentina: Den haben wir meistens dann auch gezeigt in Kombination mit einer Rocky Horror Picture Show-Party, wo man verkleidet feiern konnte. Das ist das, was seit den letzten 10 Jahren den aka auch wirklich ausmacht. Das ist das, woran die meisten als erstes denken.

Wie ist die Auswahl der Filme für die Jubiläumswoche zustande gekommen?

Johannes: Es gibt noch ein zweites Jubiläum, nämlich Technicolor. Das ist eine Firma, die 1915 gegründet wurde und 1917 den ersten Film produziert hat. Das war die Firma, die es geschafft hat, zum ersten Mal Farbe auf Film zu bannen mit speziellen Filmentwicklungsverfahren. Und das war so der Anknüpfungspunkt. 60 Jahre aka, 100 Jahre Technicolor. Weil es unterhaltsame Filme sind, weil sie bunt sind, weil sie kurzweilig sind und filmhistorisch wichtig.

Valentina: Und mit der Fritz-Lang-Reihe wollen wir 60 Jahre aka damit feiern, dass wir nochmal zurück zu unseren Wurzeln gehen. Das war unsere erste Reihe und da haben wir die Filme genommen, die damals gezeigt wurden.

Johannes: Das Technicolor-Festival und die Fritz-Lang-Reihe sind beides Jubiläumsprogramm, aber filmhistorisch hat Fritz Lang mit Technicolor nichts zu tun. Das eine sind Schwarzweiß-Stummfilme, das andere sind bunte Farbfilme.

Trailer: The Wizard of OZ (1939) – ein weiterer Jubiläumsfilm



Das aka hat auch eigene Filme produziert. Spielen diese auch eine Rolle in der Jubiläumswoche?

Valentina: Indirekt schon. Zum einen legen wir eine DVD neu auf, mit eigenen Produktionen. Und zum anderen haben wir eine Ausstellung geplant, in der werden dann auch zwei Clips zu sehen sein.

Was genau macht diese Ausstellung im Uniseum aus?

Valentina: Die Idee hinter dieser Ausstellung ist, dem Zuschauer zu zeigen, was eigentlich an Arbeit hinter dem Filmclub steckt. Wie wir arbeiten, was für Technik wir benutzen. Aber auch nochmal den Bereich Eigenproduktionen stärker hervorzuheben, denn das geht manchmal so ein bisschen unter. Wir haben eine ganze Vitrine voll mit Requisiten und Kameras. Ansonsten, was auch für Leute, die sich jetzt nicht so sehr für den Filmclub interessieren, spannend ist: Wir haben einen Kofferprojektor aus den 30er Jahren, der ausgestellt wird und das ist einfach ein filmhistorisch wichtiges Exponat.

Seit den 50er Jahren hat sich in der Filmbranche vor allem technisch vieles geändert. Wie schafft ihr es als Filmclub, mit der Digitalisierung der Vorführtechniken Schritt zu halten?

Johannes: Es ist ein bisschen so wie in der Landwirtschaft, wachsen oder weichen. Entweder man geht mit der Digitalisierung mit oder man zeigt halt Filme von DVD und Blue-Ray. Oder eben ab und zu von 35mm, aber das immer weniger. Und wirklich flexibel, was die Programmgestaltung angeht, ist man letzten Endes eigentlich nur, wenn man – leider – diese Digitalisierung mitträgt.
Den Akademischen Filmclub gibt es in Freiburg seit 1957. Er will Studierenden und Angestellten der Uni Freiburg eine vielfältige Filmkultur im Hörsaal bieten. Etwa 40 Studierende aller Fakultäten engagieren sich ehrenamtlich. Unsere Interviewpartner Johannes Litschel, Meike Bischoff und Valentina Escherich kümmern sich um die Organisation des Filmclub-Jubiläums.

Was: 60. Geburtstag des aka Filmclub
Wo: Hörsaal 2006, KG II, Uni Freiburg
Wann: Jubiläumsvorstellung am Mittwoch, 22. November, mit The Wizard of OZ (1939) in Technicolor

Weitere Filme und Termine zum Jubiläum unter aka-filmclub.de