6 Museums-Tipps für Herbst und Winter

Wolfgang Weismann

Wochenende und Regen? Eine super Kombination! Denn endlich hat man kein schlechtes Gewissen mehr, die Zeit in den vielen Freiburger Museen zu verbringen. Wir haben sechs Museumsverantwortliche gefragt: Welches Ausstellungsstück sollte man sich bei Ihnen unbedingt anschauen?

Naturmuseum



Caroline Hilti, Museumsdirektorin: „Unsere derzeitige Wanderausstellung kommt aus der Schweiz, wie der Biber selbst auch. Seit 1846 war der Biber in Baden-Württemberg ausgestorben, der letzte geschossen wegen des schönen Fells. Das ist so beliebt, da es dichter ist als beispielsweise des Fuchses oder das vom Dachs. Jetzt wird der Biber im Ländle wieder heimisch gemacht.


Dieses Prachtexemplar beeindruckt die Kinder durch seine Größe. Viele stellen sich die Biber viel kleiner vor. Weil die Besucher robuster sind als die ausgestopften Tiere ist das Anfassen verboten."



Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, bis Februar 2013
Kontakt: Naturmuseum (Google Maps)
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2


Morat-Institut



Franz Armin Morat, Stifter:
„So was haben Sie noch nie gesehen, so etwas werden Sie auch nie wieder sehen. Das ist eine einzige Zeichnung aus 88 Blättern, 76 Meter lang. Sie füllt die Wänder unserer gesamten Südhalle aus. Kaisers gesamte Welterfahrung aus China, Japan, dem Coloradoriver oder der Negevwüste von 30 Jahren sind hier in Bleistift gebannt. H8-Bleistift ist der härteste, den es gibt.

Auf diesem Blatt hier ist besonders, dass das einzige von Menschenhand geschaffene Objekt des ganzen Werkes enthält: eine kleine Brücke.“



Öffnungszeiten: Samstag, 11 Uhr bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung
Kontakt: Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft (Google Maps)
Eintritt: kostenlos




Museum für Neue Kunst

 



Christine Litz, Museumsdirektorin:
„Das Museum ist eine Art Zeitmaschine, und wenn man Werke verschiedener Zeit zusammentut, ändert sich für den Besucher die Aussage. Deshalb präsentieren wir die Sammlung des Museums für Neue Kunst gerade in neuen Zusammenhängen.

Eines meiner Lieblingsstücke ist von Priska von Martin, die inzwischen schon nicht mehr lebt. Ich konzetriere mich in der Ausstellung auf die Tiere, die von ihr stammen. Dieses Rentier sieht aus, als ob es schwimmt. Als Betrachter denkt man sich den Teil mit, der fehlt – dadurch bekommt es Bewegung. Die Künstlerin bearbeitete das Material, man sieht die Spuren, man sieht, dass sie es von Hand geknetet hat. Es ging ihr nicht um ein konkretes Abbild, sondern darum, zu spüren, wie ein Tier schwimmt.“



Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 17 Uhr (noch bis 6. Januar 2013)
Kontakt: Museum für Neue Kunst (Google Maps)
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2

 

Archäologische Sammlung der Uni

 



Jens-Arne Dickmann, Sammlungs-Kurator: „Diese Vase ist eine klassisch-griechische rotfigurig bemalte Strickhenkelamphora. Sie wurden im Alltag zur Aufbewahrung von Wein oder Öl benutzt. Diese entstand um 460 vor Christus und wurde von einem namentlich nicht bekannten Maler verziert. In diesem Fall vergeben die Archäologen Spitznamen, dieser heißt Niobidenmaler – da wissen alle Forscher, wer gemeint ist.

Das Besondere an diesem Stück ist, dass auf der Vorder- und Rückseite das gleiche Thema dargestellt wurde. Auf der Vorderseite, die man an der ausgefeilteren Bemalung erkennt, bringt ein griechischer Soldat einen Busch auf seinem Helm an und wird von einer Frau mit Opferschale in den Krieg verabschiedet. Der Helm ist allerdings von einem älteren Typus' als die Vase selbst - es ist also davon auszugehen, dass eine geschichtliche oder mythologische Szene hier Darstellung gefunden hat.

Das wirft für Archäologen interessante Fragestellungen auf. Ist hier der Abschied Hektors von seiner Frau Andromache in der Ilias dargestellt? Oder eine ähnliche Situation in den Perserkriegen, die eine Generation vor der Vasenherstellung stattfanden? Oft lässt sich nur spekulieren, aber gerade das macht Archäologie so spannend.“



Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 14 bis 18 Uhr; Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Ab dem 6. November 2012: Sonderausstellung "Severer Quartett. Vier römischen Bildnisbüsten auf der Spur"
Kontakt: Archäologische Sammlung der Universität Freiburg (Google Maps)
Eintritt: Spendenbasis


Ethnologische Sammlung im Naturmuseum



Heike Gerlach, Ethnologin:
„Dieses Objekt ist eine Stabpuppe aus dem Jahre 1890. Sie stammt aus der Südsee von einer Insel namens Malekula. Sie diente bei der Initiationsfeier von erwachsen werdenden Männern, die in einen mysteriösen Geheimbund aufgenommen wurden. Die Puppe wurde auf einen Stab gesteckt und hinter einem Vorhang in der Weise unseres Puppentheaters bewegt, ohne dass man den Akteur selbst sehen konnte.

Heute wissen wir deshalb so wenig von dieser Art Puppen und deren Bedeutung, weil zum Zeitpunkt ihrer Erforschung in den 1920er und 1930er Jahren nur noch zwei der Ureinwohner lebten, die den Ritus selbst praktizierten. Der Ritus und der Geheimbund wurden im Zuge von Missionierungen in diesen Jahren verboten.

In unserer Ausstellung geht es um Ideale, an denen sich die Menschen weltweit orientiert haben. Man sieht die mythischen Vorbilder der Menschen.“



Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr (noch bis 24. Februar 2013)
Kontakt: Ethnologische Sammlung im Naturmuseum (Google Maps)
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2

 

Archäologisches Museum Colombischlössle

 



Helena Pastor Borgoñ
on, Museumsdirektorin: "Dioramen geben Lebensszenen wieder. Das ist sehr schön, weil es so anschaulich ist. Die Leute sollen sehen, was die Römer gemacht haben, mit was sie sich beschäftigten.
Eines der 17 Dioramen zeigt den römischen Straßenbau, wie er auch bei uns in der römischen Provinz praktiziert wurde. Weitgehend unbekannt ist, dass die römischen Soldaten 80 Prozent ihrer Zeit nicht mit Kriegsführung, sondern mit zivilen Projekten wie dem Straßenbau zu tun hatten.

Man sieht hier sehr schön, wie die Straßen aus verschiedenen Lagen bestehen. Das war ein richtig anspruchsvolles Unternehmen. Auch Werkzeuge wie Spaten und Hacken haben sich seit der Römerzeit nicht groß verändert, so perfekt waren sie schon den Arbeitsverhältnissen angepasst. Noch heute führt die A5 ziemlich genau dort, wo damals die Römerstraße gebaut wurde.“



Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr (noch bis 6. Januar 2013)
Kontakt: Archäologisches Museum Colombischlössle (Google Maps)
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2

 

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