6 Gründe, warum Du die Hölzel-Ausstellung im Augustinermuseum anschauen solltest

Gina Kutkat

Noch bis März läuft im Augustinermuseum die Ausstellung "Hölzel und sein Kreis". Sie zeigt farbenfrohe Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die Anfand des 20. Jahrhunderts polarisiert haben. 6 Gründe, warum Du Dir diese Ausstellung ansehen solltest.



1. Polarisiert im Jahr 1916

Schon gewusst, dass Freiburg im September 1916 mit einer Ausstellung ein Stück moderne Kunstgeschichte geschrieben hat? Der Künstler Adolf Hölzel und seine Schülerinnen und Schüler haben damals ihre Arbeiten im neu gebauten Freiburger Kunstverein ausgestellt – und damit polarisiert. "Die Kunst, die damals gezeigt wurde, hat das bürgerlich-konservative Publikum überfordert und schockiert; die Pressestimmen reichen vom absoluten Verriss bis hin zu positiven Rezensionen", so Kuratorin Verena Faber. Die 2018er-Ausstellung erinnert an die damalige Zeit und zeigt unter anderem Arbeiten von Oskar Schlemmer, Willi Baumeister, Ida Kerkovius, Hermann Stemmer, Lily Hildebrandt und Hölzel selbst.

2. Die Installation – Farbe im Raum

Adolf Hölzel ist insbesondere für seine Farbenlehre, genauer gesagt für seinen zwölfteiligen Farbkreis bekannt. Dieser Farbkreis wurde für die Raumgestaltung der Hölzel-Ausstellung übernommen – und das alleine sieht schon fantastisch aus: Von einem Bodenpunkt am Anfang der Ausstellung erstrecken sich elf Farbstrahlen in alle Richtungen, klettern über freistehende Wände, erstrecken sich zu den Seiten auf herumstehende Sitzmöbel. Der auffällige Boden stiehlt den Bildern jedoch nicht die Schau, sondern schmeichelt ihnen vielmehr.

3. Farben, Farben, Farben

Apropos Farbe: Nicht nur das Interieur, auch die Bilder selbst sprechen eine gewaltige Farben-Sprache: Expressionistische Farbigkeit, dicke Farbaufträge direkt aus der Tube und eine große Experimentierfreudigkeit zeichnen die gezeigten Werke aus. Adolf Hölzel, der als Freigeist galt, motivierte seine Schülerinnen und Schüler dazu, Dinge auszuprobieren und die bekannten Pfade zu verlassen. So kann man als Betrachter anhand der Bilder den Weg in die Abstraktion gut nachvollziehen.

4. Die Frauen bei Hölzel

In Deutschland durften sich Frauen erst 1919 offiziell in Kunstakademien einschreiben – Adolf Hölzel unterrichtete sie schon vorher in seiner Privatschule in Dachau. Zu seinen Meisterschülerinnen zählten unter anderem Ida Kerkovius, Gertrud Höflinger und Lily Hildebrandt – deren Werke in der Ausstellung erfrischend, mutig und unkonventionell sind. Entstanden zu einer Zeit, in der das Kunstschaffen eine überwiegend männliche Domäne war. Kerkovius zählt inzwischen zu den bedeutenden weiblichen Vertreterinnen der Klassischen Moderne in Deutschland, Hildebrandt war eng mit Marc Chagall befreundet und wurde ein wichtiger Teil der Avantgarde.

5. "Die Brücke" und "Der blaue Reiter" lassen grüßen

Nicht nur Kunstgeschichts-Studierende dürften von den Künstlervereinigungen "Die Brücke" oder "Der blaue Reiter" gehört haben: Künstlerinnen und Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter haben diese Stilrichtungen mit ihren expressionistischen Werken geprägt. Dahinter brauchen sich Hölzel und sein Kreis nicht zu verstecken, denn die in der Ausstellung gezeigten Bilder lassen den Weg in die Abstraktion nachvollziehen. Linie, Form und Farbe spielten bei der Gruppe eine übergeordnete Rolle – und das im Jahr 1912!

6. Kunst gut erklärt

Die Schau im Augustinermuseum blickt nicht von oben herab, sondern ist für jeden zugänglich und verständlich – und das macht sie so gelungen. Zu Beginn der Ausstellung werden Adolf Hölzel und seine 18 Künstlerinnen und Künstlerinnen mit kleinen Texten und Porträtfotos vorgestellt, außerdem hängt neben jedem Bild ein informativer Erklärtext. So kann man als Betrachter das Bild in einen Kontext bringen und muss sich nicht anhand eines Saaltextes vor jedem Bild neu vorbereiten.

Hölzel und sein Kreis


Disclosure: Die Auflistung ist exemplarisch herausgegriffen und stellt keine Rangfolge oder Ähnliches dar, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Was: Ausstellung: Im Laboratorium der Moderne. Hölzel und sein Kreis
  • Wann: 25. November 2017 bis 18. März 2018
  • Wo: Augustinermuseum Freiburg
  • Öffnungszeiten: Di bis So, 10 bis 17 Uhr, Freitag bis 19 Uhr
  • Eintritt: 7 Euro, 5 Euro ermäßigt

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