To Catch A Ghost

6 Gründe, warum Du Dich jetzt im Museum für Neue Kunst gruseln solltest

Lisa Petrich

Stelle Deine Wahrnehmung auf die Probe und lerne das Gruseln neu: In der Ausstellung "To Catch a Ghost", die noch bis zum 24. März im Museum für Neue Kunst läuft. 6 Gründe, warum Du sie Dir anschauen solltest.



1. Die Verlässlichkeit unserer Wahrnehmung auf die Probe stellen

Das Unheimliche erhält Einzug im Museum für Neue Kunst – aber jeder kann selbst entscheiden, welches Werk etwas Gruseliges an sich hat, und welches nicht. "To Catch A Ghost" ist eine Art Wahrnehmungsexperiment, bei der man das Gruseln neu lernen kann.

Dabei wollte eigentlich keiner der Künstler gezielt etwas Gruseliges kreieren. Es handelt sich, bis auf die Sound-Installation, um eine reine Sammlungsausstellung, bei der ganz unterschiedliche Werke zusammengetragen wurden und so dargestellt werden, dass sie den Anschein etwas Verunsicherndes oder Gruseliges wecken könnten.

So verwandelt sich das vermeintlich Vertraute in etwas Unheimliches. Es ist interessant, darüber nachzudenken, wie unsere Wahrnehmung ein solches Grusel-Gefühl fabriziert und wie stark das von der eigenen Vorstellungskraft beeinflusst wird. Denn Realität entsteht in unserem Gehirn: Geister oder Vorstellungskraft?

2. Grusel in Krisenzeiten – persönliche und zeitpolitische Ängste entdecken

Die Ausstellung bietet eine Mischung aus unterschiedlichen Gemälden, Skulpturen, Videoarbeiten und Installationen aus der Sammlung des Museums. Von der Neuen Sachlichkeit bis zur Gegenwart ist hier einiges vertreten, denn das Okkulte spielt durch die Zeitgeschichte hindurch vor allem in Krisenzeiten eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft.

So kann in allen Werken etwas Unheimliches oder Beängstigendes entdeckt werden. Eines der ersten Bilder – "Bedrohung" von Rudolf Dischinger – zeigt beispielsweise einen hohen Innenraum, in dem eine puppenhafte Figur in nachdenklicher Haltung sitzt. Vor dem Fenster steht eine riesige, Roboter-ähnliche Gestalt, die in den Raum hineinstarrt und dadurch etwas Beklemmendes ausstrahlt. Die kleine Figur in dem hohen Raum wirkt wie gefangen. Dischinger vermittelt hier das Lebensgefühl der Menschen in der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus, als einige Maler Berufsverbot erhielten und sich andere vor demselben Schicksal fürchteten.

So zeigt sich auch in anderen Werken die Angst, wenn man sie auf zeitpolitische und persönliche Krisenzeiten des Künstlers oder der Gesellschaft bezieht. In diesem Kontext bekommt Grusel eine ganz neue Bedeutung und man beginnt zu überlegen, welche Ereignisse als Nährboden für das Gruselige gesehen werden können und wie sich das in die Kultur mit einspielt.

3. Unheimliche Sound-Installationen und interagierende Maschinen

Dass uns auch Geräusche erschauern lassen können, zeigt Norbert Lang mit seiner eigens für die Ausstellung komponierten Sound-Installation. Beim Rundgang ertönen plötzlich elektronische Geräusche, ein Knarren, Kratzen oder Wispern aus dem Nebenraum, das man nicht zuordnen kann – doch beim Nachschauen verstummt das merkwürdige Geräusch. War es nur Einbildung?

Auch die elektronische Kunst von Peter Vogel lässt zusammenzucken: Seine vier "Maschinen" reagieren auf Licht und Schatten, Geräusche oder Bewegung mit lautem Tönen, blinkenden Lichtern oder Hin- und Herwackeln. So erwachen die Maschinen zum Leben und interagieren mit den Menschen – verunsichernd und faszinierend zugleich.

4. Mit der Taschenlampe Kunst entdecken

Gruselig wird es meistens erst im Dunkeln. Deshalb ist ein Raum der Ausstellung komplett unbelichtet und die Besucher müssen zum Erkunden zur bereitgestellten Taschenlampe greifen. Manches Werk bleibt so vielleicht im Dunkeln verborgen.

Die Werke sind in diesem Raum in einem Käfig "eingesperrt". Düstere, schneeweiße Masken starren hinter den Gittern auf die Besucher herunter und das "Keulengesicht" von Priska von Martin, was auch die Plakate und Flyer der Ausstellung ziert, blickt einem mit der ungewöhnlichen, Flaschengeist-ähnlichen Statur unheimlich entgegen.

5. Nicht nur Grusel

Aber nicht alles Okkulte und Geisterhafte muss auch gruselig sein: Einige Werke zeigen auch "Gute Geister", Schutzgeister und Spirituelles. Die Nähe und Verbindung zur Natur und Landschaft spielt bei diesen positiven und beschützenden Geistern eine wichtige Rolle.

Dazu gehört beispielsweise auch die außergewöhnliche Zusammenstellung von Fundstücken von Romy Weber. Ihre Materialcollage "Die Geh-Zeiten" bestehen aus Pfählen, Besen und anderen Fundstücken und stellt einen Hirsch, eine Ziege, einen Prinz und andere Figuren dar, die von einer tiefen Verbindung zur Natur und einer beschützenden Funktion zeugen. Zusammengesammelt hat die Künstlerin ihre Gegenstände in einer ehemaligen Klinik, wo während des Dritten Reichs psychisch Kranke eingeliefert und später deportiert wurden. Heute befindet sich dort ein Künstleraufenthalt. Die Figuren verkörpern also auch die positive Wendung der Geschichte.

Auch im letzten Raum geht es um positive Geister. Der "Engel" von Pia Stadtbäumer ist eine helle, nackte Erscheinung mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Leuchtend und beschützend steht der angestrahlte, kleine Frauenkörper mit den metallenen Flügeln auf grauen Karteikästen, welche Erinnerungsspeicher andeuten.

6. Das Rahmenprogramm mit Filmen, Silent Disco und Kinder-Geisterjagd

Rund um die Ausstellung gibt es weitere Angebote:
  • Das kostenfreie Filmprogramm zum Thema zeigt Ende Januar "Uncle Boonmee who can recall his past lives" (31. Januar), "A Ghost Story" (28. Februar) und "Personal Shopper" (21. März), jeweils um 19 Uhr im Schau-Raum.
  • Am 14. Februar wird es eine kostenlose Lecture-Performance um 19 Uhr mit Norbert Lang, der die Sound-Installationen entwickelt hat, geben.
  • Eine kostenfreie Lesung mit Thomas Knoefel findet am 14. März um 19 Uhr statt, dort wird der Autor aus seinem 2019 erscheinenden Buch "Okkultes Brevier. Ein Versuch über das Medium Mensch" vorlesen.
  • Außerdem wird eine Sprechperformance zur Ausstellung, genannt "Spuktakel", an verschiedenen Terminen aufgeführt. Die Sprechperformance-Gruppe der Pädagogischen Hochschule hat sich intensiv mit der Ausstellung beschäftigt und dazu eine Aufführung ausgedacht. Wer den normalen Museums-Eintritt bezahlt, kann sich das "Spuktakel" ansehen. Genauere Informationen findest Du hier.
  • Auch eine Silent Disco mit Nathan Thurlow gehört zum Programm: am 22. März von 19 bis 23 Uhr geht es im Treppenhaus des Museums für Neue Kunst rund – und es werden Kurzführungen durch die Ausstellung angeboten. Die Kosten liegen bei 5 Euro.
  • Für Kinder ist auch was dabei: Mit Geisterjagden, Geschichten vom Gespenst Dibbeldabbel und eine Einladung des kleinen Gespenstes können sie herausfinden, ob es im Museum spukt. Am 9. Februar um 18.30 Uhr sind die Kinder zur Geisterjagd ins Museum für Neue Kunst eingeladen.

Was: Ausstellung "To Catch A Ghost"
Wann: bis 24. März 2019
Wo: Museum für Neue Kunst Freiburg, Marienstraße 10a
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro

Weitere Infos: