'54, '74, '90, kein 2014": Die Sportfreunde Stiller im Zirkuszelt

Hannah Allgaier

Trotz Unwetterwarnung und sintflutartigem Regen war das Zirkuszelt gestern Abend bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Wunder, denn das Münchner Trio Sportfreunde Stiller "roqute" das Freiburger Publikum in altgewohnter Manier. fudder-Autorin Hannah Allgaier fand heraus, ob es am Ende "Applaus, Applaus" von den Freiburgern gab:



„Achtung! Ich komm jetzt zu euch runter“, schreit Peter, Leadsänger der Sporties, ins Publikum. Er klettert einen der Pfeile zwei Meter in die Höhe. Springt er da jetzt wirklich runter? Fragende Blicke tauschen sich in der Menge aus. Und tatsächlich: Nur wenige Sekunden später springt Peter in die Menschenmasse und wird über den Köpfen in die Weite des Zirkuszeltes getragen. Er schafft es sogar in der Menge auf den Schultern von zwei Fans zu stehen. Er reißt die Arme in die Höhe und jubelt laut - es ist der krönende Abschluss eines fast zweistündigen Konzertes.




Seit der Gründung vor 18 Jahren ist aus dem Münchner Indierock-Trio Sportfreunde Stiller eine der erfolgreichsten deutschen Stadionbands geworden. Immer wieder sieht man Sportie-Fans mit Deutschlandtrikot im Zelt auf und ab hüpfen. Inzwischen sind die drei Jungs alle über 40. Kein Wunder, dass man viele Muttis und Vatis mit ihren Zwergen im Schlepptau sieht. Die eingängigen Songs vom neuen Album „New York, Rio, Rosenheim“ laden zum mitgröhlen ein. Worum sich die Freiburger auch nicht lange bitten lassen: Immer singen sie mit, textsicher und lautstark.

Fast am Ende des Konzertes, Peter ist gerade mit seinen Bandkollegen am Herumalbern, als plötzlich ein Schrei aus dem Publikum alle erstummen lässt: „WELLLLLTTTTTMEISTER!“. Sofort stimmen alle mit ein und nur wenige Sekunden später singen die Freiburger den wohl bekanntesten Titel der Sporties: „‘54, ‘74, ‘90, 2006!“ Kurz spielen auch die Sportfreunde Stiller ihren Song an. Allerdings nur einmal kurz den Refrain. Nach dem Konzert fragt man sich, ob sie den Song überhaupt angestimmt hätten, ohne das Publikum. An dem Erfolg von „‘54, ‘74, ‘90, 2006“ wäre die Band damals beinahe zerbrochen, weil sie nur noch als die Band für das patriotische Fanmeilen-Deutschland wahrgenommen wurde - das vielen ja auch auf die Nerven ging.

Doch auch ohne ihren größten Erfolg, spielen die Sporties ein gutes Konzert. Sie verzichten auf ein großes Bühnenbild, nur eine große LED-Wand mit ihrem Bandnamen leuchtet das ganze Konzert über immer wieder in verschiedenen Farben auf. Peter ist auf seine Gitarre mit Feuerwerks-Special-Effekt sehr stolz. Ansonsten bleibt das Konzert der Sporties aber eher unspektakulär, was die Qualität der dargebotenen Songs aber keineswegs schmälert, ganz im Gegenteil. Manchmal kommt es eben doch nur auf die Musik an!

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[Foto: Miroslav Dakov]