50 Dinge, die Du in dieser herbstlichen Trostlosigkeit in Freiburg unternehmen kannst

Laura Maria Drzymalla

Der angeblich so wunderschöne Herbst ist weder golden noch verträumt. Er ist verdammt kalt und manchmal voller Melancholie. Wir wollen Euch diese Zeit versüßen, haben uns einen Tee aufgekocht und eine Herbst-Rettungsliste geschrieben.

Es herbstet sehr in Freiburg. Mit panisch weit aufgerissenen Augen beobachten wir, wie eigentlich jede wunderschöne Beschäftigungsmöglichkeit in dieser grünen Studentenstadt mit der steigenden Kälte ergraut und in unseren frierenden Händen regelrecht zerrinnt. Was bleibt, sind nasse Fahrradsattel und die große Frage, warum wir verdammt nochmal die nun arschkalte Altbaubutze bei der WG-Suche einem Neubau vorgezogen haben.


Lagerfeuer am See, nachts in den Weinbergen zu Techno tanzen, die nackten Füße von der blauen Brücke baumeln und dabei Streuobstlimonade und Eis auf unsere Beine tropfen lassen … im Sommer muss man nicht viel machen, um etwas zu machen. Im Sommer ist alles einfach da.

Wenn es aber kalt wird, sehen die Klamotten nicht mehr schön, sondern nur noch funktional oder kratzig aus. Man verliert ständig seinen sowieso irgendwo geklauten Regenschirm, die Nase läuft grundsätzlich und auf nichts und niemanden ist mehr Verlass. Weder auf seine eigene Stimmung, die Deutsche Bahn, noch auf seine spontan einer Erkältung erlegenen Freunde.

Der Herbst besteht nicht nur aus rotgoldenen Farben, bei denen es keinen Instagramfilter mehr benötigt. Er ist nicht nur romantisch und verkuschelt. An manchen Tagen kann man seine schwere Melancholie nur im Federweißer-Rausch und drei Stücken Zwiebelkuchen ertragen. "Nobody said it was easy", haben Coldplay mal gesungen und wussten bestimmt nicht, wie sehr sie den Herbst- Soundtrack unseres Lebens damit geschrieben haben.

Und weil wir Euch trotzdem einen schönen Herbst bereiten wollen, haben wir 50 Dinge zusammen getragen, die man in dieser vermaledeiten Trostlosigkeit in Freiburg unternehmen kann.

50 Dinge, die Du im Herbst in Freiburg unternehmen kannst:

1. Das Planetarium besuchen und sich abends von einer rauen, sexy Männerstimme die Welt der Sterne erklären lassen.

2. Sich mit Freunden zum Brauerei-Hopping in der Brauerei Ganter verabreden, dann wegen Müdigkeit absagen, alleine fettiges Essen bestellen und Serien im Bett gucken.

3. Die höchsten und buntesten Gummistiefel anziehen und mit Freunden in der Dreisam vom Stühlinger flußabwärts bis zur Gaskugel spazieren. Irritierte Blicke von Radfahrern ignorieren.

4. Zuhause die Heizung auf Stufe 5 machen, auf einem Lammfell liegen und sein Leben mit Blick auf den Schwarzwald bei melancholischer Musik an sich vorbeiziehen lassen. Generell viel mehr Adele hören und über die großen Fragen der Liebe nachdenken.

5. Mit der Bahn durch das Höllental direkt ins Himmelreich fahren. Dabei durch beschlagene Fensterscheiben gucken und nach dem Hirsch auf dem Felsen Ausschau halten.

6. An einem Dienstag im Café Marcel eine selbstgemachte Suppe im Glas essen, dann einfach am Donnerstag gleich nochmal.

7. Die Suppe erkalten lassen, weil es einfach viel zu lange dauert, den richtigen Winkel und Filter für Instagram zu finden.

8. Neue Hashtags erfinden. Überlegen, als veganbadischer Food-Blogger viral zu gehen. Idee im Anschluss wegen Faulheit verwerfen.

9. Auf dem Schönberg hoch zur Schneeburg zu spazieren und dabei sich wünschen, einen Hund zu besitzen.

10. Vorbeiziehende Jogger mitleidig angucken, aber heimlich super neidisch auf deren Disziplin sein.

11. Einen lokalen Nähkurs besuchen und sich einen aberwitzig großen Schal aus alten Klamotten nähen. Anschließend stolz von Freunden bewundern lassen.

12. Mit Handschuhen auf der Dachterrasse vom Café Hermann heiße Schokolade trinken und dabei wie in der Werbung verträumt den heißen Dampf beobachten, der um das Gesicht wabert.

13. Sich im Anschluss völlig erkältet ins Café Liebesbisschen schleppen und umsonst eine heiße Zitrone bekommen.

14. Oma und Opa besuchen, sich mit einer Decke auf deren Couch legen und bei belegten Broten von früher erzählen lassen.

15. Die Uni ausfallen lassen und lieber heimlich zum Schwarzlichtminigolfen nach Denzlingen fahren. Vorher noch mit Schwarzlichfarbe das Gesicht schminken.

16. In den Keller gehen, verzweifelt in allen Kisten nach dem Wintermantel vom Vorjahr suchen und ihn nicht finden

17. Auf dem Studi-Flohmarkt in der Mensa einen Vintage-Wollmantel für zuviel Geld kaufen, aber sich freuen wie ein kleines Kind an Weihnachten.

18. Eine Woche später den alten Wintermantel hinten im Kleiderschrank entdecken, außerdem in der Jackentasche ungefähr zehn Feuerzeuge und einen alten, geschmolzenen Schokoriegel.

19. In zwei Wintermänteln bei einer historischen Stadtführung über Hexen mitmachen.

20. Versuchen, die verkleidete Stadtführerin mit übertrieben interessierten Fragen aus dem Konzept zu bringen.

21. Auf dem Nachhauseweg im Stühlinger Park Laubblätter sammeln und sie zur hellen Freude der Mitbewohner in der WG-Küche dekorativ aufhängen.

22. Mit der WG abwägen, ob man den Heizungsmonteur anruft. Dann sämtliche Youtube-Tutorials angucken, um herauszufinden, wie man die verdammte Heizung selbst entlüftet.

23. In beheizten Geschäften auf der KaJo abhängen, weil man das Heizungsventil mit dem Hammer demoliert hat.

24. Sämtliche Second Hand Stores nach kratzigen, aber hipsteresquen Strickpullovern abklappern.

25. Mit Freunden in Strickpullovern den Skulpturenpark "Waldmenschen" hinter dem Waldhaus besuchen und dort alberne Selfies mit der Kunst machen.

26. Dann im Waldhaus Schnaps trinken, schwankend in die Stadt radeln und in der UB Verstecken spielen.

27. Abwägen, sich einen neuen Haarschnitt beim Herrenfriseur des JC Cafés verpassen zu lassen, damit die Mützen und Stirnbänder nicht immer die Frisur ruinieren.

28. Sich über losen Müll aus den gelben Säcken echauffieren, der jeden zweiten Dienstag vom Herbstwind durch die Gassen gejagt wird.

29. Sich über Freiburgs Kleingeistigkeit aufregen, aber heimlich doch froh sein, dass es hier verdammte fünf Grad mehr hat als in Berlin.

30. Antipasti und Zierkürbisse auf dem Münstermarkt kaufen und beim nächsten Stand natürlich vergessen.

31. Aus Trotz und Ärger dann Kastanien sammeln und dann bei einer Flasche Rotwein versuchen, Kastanienmännchen zu basteln.

32. Basteln aufgeben, weil man keinen Kastanienbohrer hat. Stattdessen Handverletzung an der Uniklinik von jungen Medizinstudenten desinfizieren und verbinden lassen.

33. Die Eltern nach Freiburg einladen, damit sie im legendären Gasthaus "Kybfelsen" ein Herbstmenü springen lassen.

34. Sich wieder wie ein Kind fühlen, an Mamas Schulter lehnen und Geborgenheit spüren.

35. Einen Stadtbüchereiausweis beantragen, einmal Bücher ausleihen und anschließend mehr Mahngebür bezahlen als Beitragsgebühr.

36. Mit dem Boy oder dem Girl für 1,80 Euro in der Brennessel Spaghetti Bolo holen und gemeinsam in Schlabberklamotten jedem fernsehguckendem Paar-Klischee auf der Couch gerecht werden.

37. Ins kuschelige Friedrichsbau-Kino gehen und dort Popcorn, Nachos, saure Schlangen und Limonade in die Vorführung nehmen. Mit allem rumrascheln und immer wieder "Ssssssscht!!" machen.

38. Sich über Leute aufregen, die auf den Weihnachtsmarkt gehen.

39. Selbst auf den Weihnachtsmarkt gehen und sich über Leute aufregen, die mit ihren fettigen Bratwürsten im Weg stehen.

40. Zuhause den ganzen Tag im Oversize Onesie rumlümmeln und sich nicht entscheiden können, auf welche 90er Party in Freiburg man später definitiv diesmal wirklich gehen wird.

41. Sich im Fitnessstudio anmelden, um für den Sommer fit zu sein. Dann jedes Mal eine spannende Ausrede finden, um nicht hinzugehen.

42. Sich in der neuen Linie 4-Straßenbahn auf dem Weg zur Herbstmesse von einem Kind anniesen lassen.

43. Dort fröhlich jauchzend mit Zuckerwatte in der Hand Riesenrad fahren und vielleicht die Vogesen erspähen.

44. Mit dem Schlitten auf den Schauinsland gondeln und dann mit oben feststellen, dass es keinen Rodelweg gibt und die letzte Gondel schon wieder nach unten gedüst ist.

45. Die gesamte Monatsmiete für ein Wochenende in der Titisee-Therme für Sauna und Spa verballern.

46. Sich eine "Gute-Zeit" Playlist zusammenstellen, die einen über die Kopfhörer bei Spaziergängen durch die mit Efeu bewachsene Konviktgasse hoch auf den Schlossberger Kanonenplatz begleitet. Sich dabei fühlen wie in einem französischem Spielfilm.

47. Versuchen, eine perfide Lösung für Regen in Kombination mit Radfahren zu finden. Regenklamotten als Option klar verwerfen, lieber mit Regenschirm in der Hand einhändig zum Massenzappeln flitzen.

48. Denkmäler von großen Männern in der Innenstadt besuchen und dann lautstark beleidigen! "Ey Bertold! Geh ´ma arbeiten!!!"

49. Sich bei den Freiburger Dommusikern im Kirchenchor anmelden und beim Abschlusskonzert in der eiskalten ungeheizten Kirche herausfinden, wie viele Freunde einen wirklich sehr sehr lieben.

50. Sich wieder darauf freuen, im heißen Sommer die Füße in das Bächle zu halten und über die unerträgliche Hitze zu schimpfen.