Fachtagung des Vereins Fluss

5 Lehren, um gegen Diskriminierung von LSBTIQ-Leuten vorzugehen

Frank Ohlhoff

Der Verein Fluss engagiert sich seit 23 Jahren gegen Diskriminierung von LSBTIQ-Menschen, indem er aufklärt. fudder war beim Fachtag des Vereins dabei und hat die fünf wichtigsten Lehren für euch zusammengefasst.

Seit 1996 leistet der Verein Fluss schon Bildungsarbeit zu Geschlecht und sexueller Orientierung, um Diskriminierungen vorzubeugen und Akzeptanz für LSBTIQ-Menschen (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans*,Inter*, Queer etc.) zu schaffen. Am vergangenen Freitag organisierte der Verein einen Fachtag mit etwa 100 Teilnehmenden, um Fachkräfte der pädagogischen, therapeutischen und beraterischen Kinder- und Jugendarbeit für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu sensibilisieren. Fudder hat die fünf wichtigsten Punkte aufgelistet, die Fluss den Teilnehmenden mit auf den Weg geben wollte.


1. Trotz politischer Meilensteine sind Bildungseinrichtungen immer noch heteronormativ und zweigeschlechtlich geprägt

Obwohl zuletzt einige Errungenschaften wie die Ehe für Alle, oder die Reform des Personenstandsgesetz mit der 3. Option und eine größere Sichtbarkeit von LSBTIQ* Menschen erreicht wurde, sind Bildungseinrichtungen noch immer zweigeschlechtlicht geprägt. Entweder sie werden gar nicht erwähnt oder nur am Rande als Sonderthema angeführt: Nicht-Traditionelle beziehungsweise vielfältige Familien-, Geschlechts-, und Sexualitätsverhältnisse finden nur selten einen Platz in Deutschlands Schulunterricht. Und wenn sie mal vorkommen, dann meist nur in gewollter Distanzierung von der "Normalität". Aber gerade dies führt zu Verdrängung und Ignoranz. Akzeptanz für vielfältige Lebensformen zu schaffen gelingt nur, wenn man sie in Bildungseinrichtungen enttabuisiert, normalisiert und entproblematisiert.

2. Jede Person sollte über ihren eigenen Umgang mit Geschlechterrollen reflektieren

Selbst wenn man glaubt seine eigenen Vorurteile überwunden zu haben, tut es nicht schlecht hin und wieder über sein eigenes Bild von Geschlechterrollen nachzudenken. Denn manchmal stößt man dabei auf einseitiges Denken, welches man vielleicht nicht von sich selbst erwartet hätte.

3. Der Schlüssel zur gesellschaftlichen Akzeptanz ist Austausch und Offenheit

Offen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu sprechen, ist äußerst wichtig, auch wenn man dabei vielleicht auf Meinungsverschiedenheiten trifft oder auf Ablehnung. Denn allein schon der Diskurs sorgt für Sichtbarkeit und somit für Enttabuisierung und Normalisierung.

4. Mit den Menschen reden, anstatt über sie

Der zentrale Leitspruch für zumeist selbst queere Ehrenamtliche bei Fluss ist: "Mit uns reden, anstatt über uns." Menschen haben gewisse Vorurteile gegenüber LSBTIQ*-Personen oft nur, weil sie keinen Kontakt zu ihnen haben. Eine einfache Begegnung oder ein Gespräch können da schon viel auswirken und Vorurteile abbauen. Oder wie die Schüler und Schülerinnen bei Fluss-Schulbesuchen selbst oft erstaunt bemerken: "Ihr seid ja ganz normal!"

5. "Wir können alle nur gewinnen"

Von Bildungsarbeit und Aufklärung zum Thema Geschlecht und sexueller Orientierung kann eigentlich jede Person nur profitieren. Da wären einerseits die jungen identitätssuchenden LSBTIQ*-Menschen selbst, die dadurch erkennen, dass sie nicht allein und vollkommen okay sind, so wie sie sind. Der Druck, der dadurch von ihnen gelöst wird, ist unbeschreiblich. Aber auch alle anderen können daraus einen Gewinn ziehen. Oft haben die Leute nur negative Vorurteile, weil sie so wenig über die Thematik wissen.
Der Verein Fluss

Der eingetragene Verein Fluss wird seit Jahren von der Stadt Freiburg finanziell gefördert, als Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Aber auch auf Spenden ist der größtenteils von Ehrenamtlichen gestemmte Verein angewiesen. Wie ihr den Verein unterstützen oder euch vielleicht selbst einbringen könnt, erfahrt ihr auf der unten verlinkten Website.

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