5 Fragen an... Fred Heisler, Musiker und Veranstalter der Discovery

Valentin Heneka

Fred Heisler, Sohn von ZMF-Gründer Alexander Heisler, veranstaltet seit elf Jahren die Discovery im Waldsee. Sein Ziel: verschiedene Menschen und Musikstile zusammen zu bringen. fudder hat mit ihm gesprochen.

Seit elf Jahren veranstaltest du, jedes Jahr kurz vor Weihnachten, die Discovery. Worum geht es und was macht die Veranstaltung aus?

Unser Anliegen ist es, Menschen zusammenzubringen. Sowohl diejenigen, die in Freiburg leben, als auch die, die über Weihnachten hierhin zurück kommen. Die Bands fungieren als Bindeglied zwischen verschiedenen Freundeskreisen – frei nach dem Motto: Deine Freunde sind meine Freunde. Es ist sehr familiär und jeder ist herzlich eingeladen.

Bei Discovery sind mir drei Dinge wichtig: Erstens ist es eine generationenübergreifende Veranstaltung. Für alle ist musikalisch etwas dabei, dadurch wird das Publikum zu einem bunten Haufen. Egal ob jung oder alt: alle Generationen feiern und tanzen gemeinsam.

Zweitens geht es um eine möglichst große Bandbreite an Musik. Die Discovery ist ein großes Crescendo: es beginnt sanft und fragil und hebt dann immer mehr ab. Bis es zur Aftershow-Party übergeht, in diesem Jahr mit Lang & Saftig. Ich will die Leute dazu bewegen, Musik zu hören, die sie ohne Discovery vielleicht nicht live gehört hätten und die Offenheit für Neues aus ihnen heraus kitzeln.

Drittens bürge ich für die Qualität der musikalischen Darbietungen. Alle Musiker sind professionell ausgebildet, super Performer und Künstler, sie verfügen über langjährige Live-Erfahrung. Bei Discovery sind sie und die Techniker die größten Sponsoren: Sie treten für eine Gage auf, für die sie normalerweise nicht mal das Haus verlassen würden.

Am Freitag spielen unter anderem der Soulfamily-Chor und die Ska-/Reggae-/Jazz-Combo The Nutty Boys. Nach welchen Kriterien wählst du aus, wer bei der Discovery auftritt?

Das Line-Up steht und fällt mit persönlichen Kontakten. Die Künstler haben den Spirit von Discovery verstanden, leben diesen und haben Lust genau das gemeinsam mit dem Publikum zu feiern. Niko Halfmann von den Nutty Boys und mich verbinden gemeinsame Projekte. Er gehört in Freiburg zu den besonders umtriebigen Leuten, die in der Stadt die Live-Kultur am Leben erhalten und trotz schwierigen Ausgangsbedingungen versuchen, Dinge voranzubringen.

Mit Joel da Silva, dem Leiter der Soulfamily, habe ich im Rahmen einer ZMF-Session zum ersten Mal gesprochen. Besonders gut kennen wir uns noch nicht, bisher haben wir auch noch nie zusammen gespielt. Joel meinte, wenn wir uns richtig kennenlernen, dann auf einer Bühne. Am Freitag gibt es also eine Premiere. Wir vertrauen uns gegenseitig und ich freue mich, dass ich die Soulfamily für Discovery angefragt habe. Die Sängerinnen und Sänger werden den Anfang machen.



Die Bands spielen also nicht unbedingt in ihrer Stammbesetzung?

Vorher ist nie genau klar, was passiert. Ich weiß bisher nur, dass Joel da Silva eine exklusive Geschichte geplant hat, ein neues Programm, eventuell mit neuen Chormitgliedern. Bei meinen eigenen Projekten wird es so sein, dass Mini Magnet beginnt und die Band nach und nach anwächst, bis das Mama-Magnet-Kollektiv auf der Bühne steht – ein Crescendo eben.



Was unterscheidet die Bands Mini Magnet und Mama Magnet?

Mama Magnet ist das Mutterschiff, hervorgegangen aus der Magnetband. Es ist ein Kollektiv, das ständig in Bewegung ist und dessen Mitglieder aus verschiedenen Ländern kommen. Es kommt immer wieder zu Terminkollisionen, oder die Anreise wäre für manche zu weit. In solchen Fällen treten wir als Mini Magnet auf.

Das erste Konzert als Mini Magnet war nach einer Cover-Band. Das Publikum hat jeden Song mitgesungen und wir wollten die Stimmung danach nicht runterziehen. Also haben wir aus der Hüfte ein persönliches Best-Off an Cover-Songs gespielt – im Surf-Stil. Psychedelisch angehaucht, aber mit bekannten Melodien. Damit haben wir die Leute abgeholt, sie hatten einen Riesenspaß.



Dein Vater ist Alexander Heisler, der 1983 das ZMF gegründet hat. Du selbst bist mit dem Festival aufgewachsen und hast seit kleinauf herausragende Musikerinnen und Musiker getroffen. Inwiefern hat dich das geprägt?

Prägend für mich ist vor allem die Grundidee, die Utopie hinter dem Festival. Die Mischung aus Klassik, Jazz, Rock und Pop. Ein Festival der Art des ZMF mit seiner Dauer, musikalischen Vielfalt und seinem Kulturreichtum nochmals aus dem Boden zu stampfen, halte ich für unmöglich.

Bei der ZMF-Gala bringt mein Vater beispielsweise das Philharmonische Orchester, in dem professionelle Musikerinnen und Musiker spielen, mit dem Heim und Flucht Orchester zusammen, das aus Geflüchteten besteht. Dieses ZMF hat mit seinem Geist beispielsweise Sänger wie Max Mutzke und seinen Bruder Menzel Mutzke, Trompeter bei Moop Mama, entscheidend geprägt.

Die Grundidee, Menschen auf und vor der Bühne zusammen zu bringen, macht auch Discovery aus. Wie auf dem ZMF kann man sich einen Act anschauen, kommt auf seine Kosten und kann dann nach Hause gehen – oder man bleibt, lässt sich treiben und nimmt alles mit.
Zur Person:

Frederik Heisler, Jahrgang 1988, wuchs in Köndringen auf und begann im Alter von sechs Jahren mit dem Schlagzeugspielen. Seit seinem Studium in Jazz und Musikpädagogik an der Basler Musikakademie und an der ESMUC in Barcelona ist er freiberuflicher Schlagzeuger, Musiklehrer und spielt in Bands wie Mama Magnet, Mini Magnet, neo.magnet, Buffen & Brezeln, Tonhaufen Deluxe und weiteren. Mit Mama Magnet gewann er 2013 den Student Music Award des renommierten US-Magazins DownBeat in der Kategorie Blues, Pop und Rock. Seit 2014 studiert er Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.

Was: DISCOvery 2018 mit Soulfamily, The Nutty Boys, Mini Magnet, Mama Magnet und Lang&Saftig
Wann: Freitag, 21. Dezember 2018, 21 Uhr
Wo: Waldsee

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