5 Fragen an einen Dozenten, die Du dich noch nicht getraut hast zu stellen

Maike Sommer

Ist es OK, eine Vorlesung zu schwänzen? Sitzt man lieber ganz vorne, um einen guten Eindruck zu machen? Und: Lesen die Dozierenden überhaupt jede Hausarbeit durch? Wir haben Friedrich Arndt, einen ehemaligen Freiburger Dozenten, gefragt.

Herr Arndt, ist es OK eine Vorlesung oder ein Seminar einfach mal zu schwänzen?

Friedrich Arndt: Die beste Grundregel ist, die Lehrenden zu fragen. Die können realistisch einschätzen, wann Anwesenheit wichtig ist. Außerdem ist es wichtig, die Formalien in dem jeweiligen Fach zu beachten. In vielen Fächern gibt es in bestimmten Veranstaltungen Anwesenheitspflicht. Manchmal machen die Dozenten Anwesenheitslisten oder Kurztests und Studierende haben plötzlich die Studienleistung nicht erbracht, wenn sie schwänzen.

Man kann auch mit der Fachschaft oder mit Studierenden reden, die den Kurs früher belegt haben und einschätzen können, wie aufwendig eine Veranstaltung ist. Nach meiner Meinung ist es meistens wichtig anwesend zu sein. Ein Präsenzstudium hat etwas mit Präsenz zu tun und der Studienverlaufsplan ist darauf ausgerichtet. Trotz allem gilt: Es ist mein eigenes Studium. Für den Studienerfolg, aber auch für den Studienspaß, ist jeder selbst verantwortlich.

Reicht es einen Dozierenden in einer Mail mit einem einfachen "Hallo" anzuschreiben?

Einen Professor schreibt man in der ersten Mail am Besten mit "Sehr geehrter Professor Doktor" an. Damit ist man auf der sicheren Seite, wenn man nicht weiß wie wichtig dem Gegenüber Formalitäten sind. Ich kenne viele Kollegen, die sich über informelle Mails ärgern. Wenn der Dozent anschließend locker antwortet, sprich mit "Hallo", oder "Guten Tag", kann der Studierende im Verlauf des E-Mail Verkehrs mit Fingerspitzengefühl den formalen Aufwand reduzieren.

Außerdem gibt es Fachunterschiede: Es gibt Fächer in denen traditionell ein sehr formeller Umgang gepflegt wird, zum Beispiel Jura. In den Naturwissenschaften dagegen ist es meistens entspannter. Wichtig ist auch, dass die Anrede keine Titel enthält, die die oder der Angesprochene gar nicht besitzt.

Die ewige Frage nach dem Sitzplatz im Hörsaal: Sollten Studierende aus Sicht der Dozenten lieber vorne oder hinten sitzen?

Die meisten Lehrenden freuen sich, wenn mehr Leute vorne sitzen. So zeigen Studierende Interesse an der Veranstaltung. Dozenten denken häufig, dass die Personen, die hinten sitzen, ihre Ruhe haben wollen, um auf Facebook zu surfen. Aber natürlich kommt es auch auf die Bedürfnisse der Studierenden an. Wer introvertiert und lieber für sich ist, möchte wahrscheinlich nicht gerne in der ersten Reihe sitzen, das können die Dozenten auch verstehen. Man ist nicht nur an der Uni, um es anderen Recht zu machen. Allerdings muss man auch mal seine Komfortzone verlassen, wenn man wachsen möchte.

Lesen Dozenten die Hausarbeiten wirklich oder werden die Noten gewürfelt?

Meine Dozentenerfahrung aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich ist, dass alle Arbeiten gelesen werden. Aber es kann vorkommen, dass nicht alle intensiv durchgearbeitet werden. Wenn ein Student oder eine Studentin Rückmeldung über einen Leistungsnachweis haben möchte, kann er oder sie zur Nachbesprechung einen Termin mit dem Lehrenden machen.

Dafür schauen sich die Lehrenden die Hausarbeiten genauer an. Es gibt Lehrende, die jede Hausarbeit komplett durcharbeiten und pro Arbeit etwa vier Stunden Arbeit investieren. Besonders erfahrene Lehrende lesen Hausarbeiten oft schnell durch und haben sofort einen Eindruck über die Qualität.

Es gibt natürlich schwarze Schafe unter den Dozierenden, aber die meisten interessieren sich für die Lehre und ihre Studierenden und nehmen sich für die Leistungsnachweise Zeit. Natürlich werden Arbeiten lieber gelesen, bei denen man sieht, dass die Studierenden sich Mühe gegeben haben. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass ich weniger Lust hatte, für eine – mit Verlaub – "dahingerotzte" Hausarbeit viel Arbeit in die Korrektur zu stecken.

Was bringen Zusatzveranstaltungen und sollten Studierende viele oder wenige belegen?

Es hängt davon ab, was einem Spaß macht. Zusatzveranstaltungen müssen natürlich individuell und zum Studium passen. Ich würde empfehlen sich diese Angebote zumindest mal anzuschauen. Im Studium soll man nicht nur Fachwissen erwerben, es ist auch eine Phase, in der man sich als Person entwickeln kann. Wachsen kann man nur, wenn man neue Eindrücke und Erfahrungen sammelt.

Man kann neue Sprachkenntnisse erwerben oder von Fachbereichen lernen, die man nicht studiert. Informieren kann man sich über Zusatzveranstaltungen in Infobroschüren, zum Beispiel "Wegweiser Studienstart" oder "hier studieren" vom SWFR, beide sind online verfügbar. Es lohnt sich auch, Infokanälen in Sozialen Medien zu folgen, wie zum Beispiel dem Account der Uni, des SWFR oder dem Studium Generale auf Facebook.
Zur Person

Dr. Friedrich Arndt war Lehrbeauftragter am Seminar für Wissenschaftliche Politik und ist inzwischen Leiter der Zentralen Studienberatung an der Uni Freiburg.

Im ersten Teil unseres Interview haben wir über Dinge gesprochen, die man sich normalerweise nicht traut, einen Dozenten zu fragen. Im zweiten Teil, der in einigen Tagen erscheint, geht es allgemeiner um Probleme im Studium – und wie man mit ihnen umgehen kann.