5 Fragen an ... die queerfeministische Rapperin Lady Lazy, die am Freitag in der KTS auftritt

Carla Bihl

Am Freitag findet in der KTS das Zeckenrap-Konzert statt. fudder hat mit der 25-jährigen Rapperin Lady Lazy aus Berlin über ihre Musik und Diskriminierung in der Gesellschaft und im Hip-Hop gesprochen.

Lady Lazy, mit Deiner Musik möchtest Du dem diskriminierenden Mainstreamrap eine Alternative entgegensetzen. Was erhoffst Du Dir davon?

Mit Mainstreamrap meine ich den gängigen Rap in Deutschland, der oft sexistisch, homophob und transphob ist. Ich finde Rap rein musikalisch gesehen sehr schön. Daher sollte jeder die Möglichkeit haben ihn zu hören, ohne sich ständig über die Inhalte ärgern zu müssen.

Rap ist sehr textlastig. Daher ist er ein gutes Medium um wichtige, politische oder gesellschaftskritische Inhalte zu verbreiten oder um sich auszudrücken und darüber auszutauschen. International ist es viel anerkannter und normaler, dass Frauen und queere Personen Rap machen und damit unglaublich erfolgreich sind, wie Mykki Blanco, Angel Haze, Lady Leshurr. Es ist eine sehr lange Liste von Personen, die sich überhaupt nicht in einem heteronormativen Kontext bewegen.

Was kann man unter queerfeministischem Rap verstehen?

In erster Linie ist es Rap aus einer queerfeministischen Perspektive. Im Mainstreamrap oder Battlerap werden meist genau die Leute gedisst, die gar nicht da sind. Meistens sind das queere Personen oder Frauen. Wenn sich Leute beispielsweise gegenseitig als Schwuchtel beschimpfen oder schwul als Synonym für scheiße verwenden, hat das nie etwas mit dem Gegenüber zu tun.

Man schreibt also aus der Perspektive, die sonst nicht gehört und nicht gesehen wird. Außerdem geht es darum queere und feministische Inhalte mit einzubringen, Dinge, die uns wichtig sind, zu besprechen. Dazu gehören Themen wie "Coming out" oder Sexismus. Ich finde es wichtig, dass in allen Medien viele Perspektiven vertreten sind, damit sich die Leute identifizieren können und nicht alleine fühlen.



Was denkst Du wenn du den Begriff "Frauenrap" hörst? Und wie ist es mit "Zeckenrap?

Ich finde den Begriff doof. Es klingt, als ob das ein Genre wäre. Schließlich gibt es auch keinen Rap von Menschen über 1,80 Metern Größe oder Männerrap. Frauenrap, wenn es denn so etwas geben sollte, ist auch nicht zwangsläufig besser. Ich finde es zwar wichtig und gut, diese Männerdomäne und die Vorstellung, dass nur Männer rappen, aufzubrechen, aber Inhalte sind eben genauso wichtig. Es ist einfach kein Genre. Frauenrap ist eine äußere Beschreibung.

Bei Zeckenrap ist das anders, da es sich in der Regel um eine Selbstbeschreibung handelt. Es geht nicht so sehr darum, wer es macht, sondern darum, was gesagt wird. Wenn ich mich selbst als Zecke bezeichne, aber es in meinen Texten keine gesellschaftskritische- oder politische Auseinandersetzung gibt, dann würde ich es auch nicht Zeckenrap nennen.

Kann es nicht auch erschöpfend sein, sich gegen den gängigen Rap aus Deutschland zu stellen?

Nee (lacht). Also theoretisch schon. Ich spiele aber nicht auf den gleichen Bühnen, wie die Leute, über die ich in den Texten berichte. Ich bin in linken Räumen, autonomen Zentren, auf vielen Partys oder auf feministischen Demos zu sehen. Eine direkte Auseinandersetzung gibt es dann nicht. Es wäre natürlich sehr empowernd auf genau solchen Veranstaltungen aufzutreten.

Das kann, denke ich, sehr anstrengend sein, aber vielleicht auch sehr fruchtbar. Natürlich bewegt man sich in einer Blase, da unser Publikum sowieso schon unsere Meinung vertritt. Bei anderen Veranstaltungen aufzutreten, würde wahrscheinlich mehr zu Diskussion und Auseinandersetzung anregen und vielleicht mehr Leute zum nachdenken bewegen. Es bräuchte natürlich mehr Mut, als in der eigenen Blase zu hängen. Das gebe ich offen zu.



Was erwartet Freiburg bei Deinem Auftritt?

Ein schönes Konzert, mit nachdenklichen und hoffentlich an der einen oder anderen Stelle auch witzigen Texten. Ich finde es wichtig, nicht die ganze Zeit total ernst zu bleiben. Das ist super anstrengend. Das sind alles total beschissene Themen und es wäre schön, wenn wir gar nicht mehr darüber reden müssten. Feministinnen haben natürlich angeblich keinen Humor und sind immer super ernst, aber es ist wichtig sich auch mal über Sachen lustig zu machen. Nach dem Auftritt gibt es eine schöne Party und mein DJ FVU legt auf.
Lady Lazy ist 25 Jahre alt und kommt aus Berlin. Seit 2014 macht sie Musik. Meist tritt sie in autonomen Zentren, auf Partys oder feministischen Demos auf. Zu ihrem Publikum gehört daher vordergründig die linke Szene. Ihre Musik ist als eine Mischung aus Gesellschaftskritik, queerfeministischen Inhalten und Empowerment (also die Ermächtigung zur Selbstbestimmung) zu verstehen.

Was: Zeckenrap-Konzert mit Lady Lazy, Torkel T & FVU
Wann: Freitag, 31. August 2018, 20 Uhr
Wo: KTS Freiburg, Basler Str. 103

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