5 Filmtipps für das Filmfest Freiburg

Hengameh Yaghoobifarah

Das Filmfest Freiburg feiert Jubiläum und findet ab Donnerstag zum zehnten Mal statt. Open Air wie überdacht werden 43 Filmprojekte verschiedenen Genres aus aller Welt vorgeführt. Wir haben Pressesprecher Ludwig Ammann nach seinen fünf Favoriten gefragt:



"Finsterworld"

„Eine hinterfotzige Komödie über das Deutschsein, die bei der Weltpremiere in München wie eine Bombe eingeschlagen hat. Von Frauke Finsterwalder und Christian Kracht, ihrem Mann. Bitterböse Szenen von reichen Deutschen, die auf Deutschland scheißen, von ihrem Schnösel von Sohn, dem der KZ-Besuch mit dem Leistungskurs Geschichte glatt am Arsch vorbeigeht, von altenfreundlichen Fußpflegern, die sich auf Furry-Parties als Bären verkleiden. Märchenhaftes aus einem Land voller Sonnenschein und unguter Erinnerungen. Corinna Harfouch und Ronald Zehrfeld at their best, und so viel origineller das Ganze als die letzten fünf Jahre Filmfördereinlerlei, dass es eine Lust ist!“

"Stories We Tell"

„Hat mich umgehauen, und nicht nur mich - und das bei einem Dokumentarfilm! Die kanadische Regisseurin Sarah Polley ("Take This Waltz") wollte mehr über ihre lebenslustige Mutter Diane erfahren, die früh verstarb. Sie befragt ihren Vater, die Brüder und die engsten Freunde - und jeder erzählt die Geschichte anders! Und keiner lügt - weil jeder sich anders erinnert, weil jeder fest an seine eigene Wahrheit glaubt, weil es in jeder Familie gut gehütete Geheimnisse gibt. Wie hier der naive Glauben an Zeitzeugen verabschiedet wird, das ist eine Lektion fürs Leben - und darüber, wie sich jedes Leben in gut erzählte Geschichten verwandelt. Si non è vero, è ben trovato!“

"Das merkwürdige Kätzchen"

„Das gibt es ganz, ganz selten: dass die Abschlussarbeit eines Filmstudenten auf einem A-Festival uraufgeführt wird - und die Kritiker sich zu Hymnen hinreißen lassen: ‚Das Vergnüglichste, was diese Berlinale zu bieten hat!’, so der Hollywood Reporter. Das hat, zugegeben, auch damit zu tun, dass die Berlinale mit dem Vergnügen auf Kriegsfuß steht. Aber auch damit, dass Ramon Zürcher, der unser Gast sein wird, den Familien-Alltag in einer Berliner Altbauküche haargenau auf dem Grat zwischen Minimalismus und Absurdem à la Tati balanciert. Eine surreale Farce voller Wehmut und Poesie, ein Debüt, das sich gewaschen hat!“

"Prince Avalanche"

„Ein irrer Schauplatz, abgebrannter Wald in Texas, an dem sich zwei schräge Jungs mit Mittelstreifen abrackern - und einander dabei mächtig auf den Sack gehen. Alvin liebt die Natur, sagt er, und schreibt seiner Freundin lange Briefe, Lance hasst die Einsamkeit und träumt von Party und Mädels in der Stadt. Wie sich die beiden Misfits fast an die Gurgel gehen und dann doch noch schätzen lernen, ist von David Gordon Green mit Paul Rudd und Emile Hirsch wunderbar pointengenau als lakonische Komödie inszeniert: ‚Grandios komisch!", schrieb die SZ, und "Ein Männerfilm - ein richtig großartiger!’, so Perlentaucher. Silberner Bär für Beste Regie, Berlinale 2013 - Volltreffer!“

"Antiviral"

„Fürs Mitternachtsprogramm ein fieser Leckerbissen aus dem Hause Cronenberg: Sohn Brandon lässt den Body-Horror seines Vaters wiederaufleben mit einer vampiresken Satire auf den Promi-Kult. In der Lucas Clinic kann man sich für viel Geld die ansteckenden Krankheiten von Stars holen. Als der Angestellte Syd einen Virus von Hannah Geist für sich selbst abzweigt, geht die Sache schief ... Mann, geht das unter die Haut - habe schon lange nicht mehr eine dermaßen beklemmende Atmosphäre im Kino erlebt! Eins-A-Konzept, eiskalt durchgezogen und so, dass man einfach nicht wegschauen kann. Ein Alptraum, den man nicht so schnell loswird ...“

Zum Filmfest Freiburg

Ab Donnerstag beginnt die Open-Air-Kino-Saison endlich auch in Freiburg, denn im Rahmen des 10. Freiburger Filmfestes werden im Harmonie Kino, im Friedrichsbau Kino und eben auch im Mensagarten Rempartstraße Filme gezeigt. Einige davon wurden schon auf Festivals in Cannes oder Berlin gekrönt, andere werden zum ersten Mal ausgestrahlt. Independentwerke wie „Peaches does herself“ oder „Bottled Life“ finden ihren Platz in den nach Themen sortierten Filmreihen. Zehn Tage lang dauert das Festival an, am Ende gewinnt ein Film den Publikumspreis.

Mehr dazu:

Was: 10. Filmfest Freiburg
Wann: Donnerstag, 18. bis 28. Juli 2013
Wo: Harmonie-Kino, Friedrichsbau & MensaGarten
Eintritt: Die Eintrittskarten für den MensaGarten kosten 7,50 Euro, ermäßigt 6,50 Euro; ansonsten gelten in der Harmonie und im Friedrichsbau die üblichen Preise, aber keinen Kinotag. Fünferkarten kosten 30 Euro, Zehnerkarten 50 Euro; diese Karten sind übertragbar, jedoch nicht für die gleiche Vorstellung. Der Vorverkauf für den Mensagarten findet an der Kasse im Friedrichsbau statt.