5 Antworten: Was hat die Gleisbesetzung den Bildungs-Demonstranten gebracht?

Carolin Buchheim

Am Ende der gestrigen Bildungsstreik-Demo mit rund 1500 Teilnehmern besetzte ein kleiner Teil der Demonstranten für rund eineinhalb Stunden das Gleis 1 am Freiburger Hauptbahnhof. Was hat die Aktion gebracht? 5 Antworten von Tom Peters, Mitglied im Vorstand des uSta der PH.



Der Antwortgeber


Tom Peters ist seit einem Jahr Mitglied des Vorstands des usta der PH.

Die Gleisbesetzung war ja eine eher wenig konstruktive Aktion. Habt ihr jetzt die Publicity die ihr wolltet?

Tom Peters: Auf die Frage kann man aus mehreren Perspektiven reagieren. Du setzt mit dieser Frage voraus, dass es keine konstruktive Aktion ist. Kein Protest, keine Aktion hat das Ziel, irgendetwas ganz neues aufzubauen und in diesem Sinne konstruktiv zu sein. Es geht immer darum, gehört zu werden, indem man in Abläufe eingreift, um Menschen in ihrer Routine, in ihrem 'Ja, mir geht es gut', zu unterbrechen und um so auf ein bestimmtes politisches Thema aufmerksam zu machen.

Ich persönlich denke, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit jetzt viel stärker auf das Thema Bildung und auf die Motive der Demonstrierenden gerichtet worden ist – ganz egal, ob man jetzt für oder gegen so eine Gleisbesetzung ist.

Ihr habt gestern behauptet, dass die Gleisbesetzungs-Aktion ungeplant gewesen sei. Dafür wart ihr allerdings wirklich rasant im Verschicken der solidarisierenden Pressemitteilungen. Wie kommt's?

Die Leute, die Presse machen, sind vor Ort. Sie beobachten die Lage, und wenn etwas passiert, dann ist sofort der nächste Schritt ins Büro und dann wird die Pressemitteilung getippt und rumgeschickt, weil man eben weiß, dass die Presse ja auch Redaktionsschluss hat und unsere Mitteilung mitveröffentlichen soll. Das geht eigentlich immer schnell.



Im Gleis saßen gestern nach unseren Beobachtungen auch sehr junge Schülerinnen und Schüler, zum Teil aus der Primarstufe. Wie kann man es verantworten, die Teilnehmer einer Demo, die für Schüler und Schülerinnen aller Alterstufen ausgerichtet ist, in diese nicht ungefährliche Situation zu bringen?

Auf einer Demonstration ist jeder erst einmal in eigener Verantwortung. Und soweit ich das weiß, war auf dem Gleis niemand aus der Primarstufe. Ich selber habe dort nur ältere Schüler gesehen, aus der Oberstufe, die sich dafür entschieden haben, sich dort hinzusetzen.

Von außen sieht es so aus, als gäbe es eine Spaltung innerhalb der Demonstranten von gestern – in Bildungsaktivisten und in die stadtbekannten Freiburger Demonstranten. Wie siehst Du das von innen?

Bei jeder Demonstration ist es so, dass jeder Demonstrant seine eigene Meinung und seine eigenen, ganz konkreten Motive hat, warum er mitläuft. Zu sagen, dass alle, die da auf dem Gleis sitzen, eine Meinung hätten, ist Quatsch.

Worin man die Demonstranten vielleicht unterscheiden kann, ist, dass die einen eben ganz konkret wegen ganz bestimmter Punkte an Universität, PH oder Schule demonstrieren und andere eher stärker die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge sehen. Die sagen dann vielleicht eher: das hier ist ein Prozess im Bildungswesen, ein Prozess von Privatisierung, Durchsetzung von mehr Konkurrenz, Druck und Wettbewerb, und das passiert auch in allen anderen öffentlichen Sektoren, im Gesundheitswesen und bei den Renten zum Beispiel.

Nicht nur bei Bürgerinnen und Bürgern, die zum Teil sicher Eure Anliegen teilen, sondern auch bei vielen Demonstranten hat die Gleisbesetzung für Unverständnis gesorgt. Was plant ihr zu tun, damit wieder über Eure eigentlichen Anliegen geredet wird?

Von uns aus wird das über Presse und Aufklärungsarbeit gemacht. Man versucht das, was gestern passiert ist, für Diskussionen zu nutzen. Heute diskutieren viele Leute die Demonstration und das, was da war.

Ich selber habe gestern geflyert, und Leute sind auf mich zugekommen und haben mich gefragt 'Was macht ihr denn da für einen Scheiß?', aber daraus haben sich Gespräche ergeben, und dann hat man eben über die Ursachen für so eine Blockade geredet. Mit den Leuten, die Lust hatten, sich wirklich damit auseinanderzusetzen und mal darüber nachzudenken, mit denen hat man dann auch Argumente gefunden und den politischen Missstand aufarbeiten können. Und das war wichtig. Es braucht eben eine Auseinandersetzung, die macht nicht jeder. Aufgabe hier ist es, genau diese über Veranstaltungen, über Dozierende, die den Bildungsstreik unterstützen, zum Thema zu machen.

Heute Abend findet um 18 Uhr im KG V (PH) die nächste Veranstaltung statt, ein Vortrag von Dr. Kalff zum Thema "Bildungsstreik im gesamtgesellschaftlichem Kontext".

Mehr dazu:

  [Fotos: Janos Ruf]