5 Antworten: Was ändert sich an der Uni durch die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft?

Amelie Herberg

Die neue grün-rote Landesregierung ist sich einig: An den Universitäten in Baden-Württemberg werden nicht nur die Studiengebühren abgeschafft, sondern auch die Verfasste Studierendenschaft wieder eingeführt. Das zumindest steht im gemeinsamen Koalitionsvertrag, der am Mittwoch unterzeichnet wurde. Amelie Herberg hat für fudder mit u-asta Vorstand Vincent Heckmann darüber gesprochen, was sich dadurch für die Studierenden und ihre Vertretung ändert.



Mit der neuen Landesregierung kommt auch die Verfasste Studierendenschaft. Wird der u-asta damit überflüssig?

Vincent Heckmann: Ja, aber das war ja auch immer das Ziel des u-asta. Es ging darum, solange zu bestehen, bis die Verfasste Studierendenschaft eingeführt wird. Wenn das endgültig passiert ist, wird der u-asta überflüssig sein. Bis dahin muss aber noch einiges vorbereitet und koordiniert werden und das übernehmen wir. Bis zur ersten Wahl im Rahmen einer neuen Verfassten Studierendenschaft wird es wohl noch zwei Jahre dauern.>

Wie sehen die nächsten Schritte aus? Im Sommersemester sollte es eigentlich wieder Uni-Wahlen geben. Finden die jetzt trotzdem statt?


Die Uni-Wahlen am 5. Juli 2011 finden trotzdem statt, denn zunächst muss gemeinsam ein Modell  gefunden werden, wie die Satzung der Verfassten Studierendenschaft aussehen soll. Dazu werden wir Veranstaltungen anbieten, bei denen wir die Studis informieren wollen. Und letztendlich muss es auch eine Abstimmung geben, in der aus allen Vorschlägen das endgültige Modell ausgewählt wird. Wir möchten alle Studierenden einladen, diesen Prozess mitzugestalten.

Was ändert sich mit der Einführung der Verfassten Studierendenschaft für die Studenten?

Die Verfasste Studierendenschaft ist die demokratische Vertretung der Studierenden. Der u-asta war ja bisher nur ein Ersatz, weil sich der asta nicht zu hochschulpolitischen Themen äußern durfte. Durch die Einführung der Verfassten Studierendenschaft ändert sich das und auch finanziell wird vieles einfacher werden. Die Fachschaften müssen zum Beispiel nicht für jede Fahrt einen Dienstreiseantrag bei der Uni stellen, für Finanzierungen müssen wir jetzt keine komplizierten Wege mehr suchen. Denn die Verfasste Studierendenschaft darf selbst über ihre Finanzen entscheiden.

Hat sich Rektor Schiewer schon gemeldet?

Nein, das Rektorat hat sich bis jetzt noch nicht gemeldet. Nur einige studentische Gruppen, zum Beispiel der RCDS, der in einer Pressemitteilung bedauert hat, dass sich jetzt nun einiges an den Hochschulen in Baden-Württemberg ändern wird. Aber auch wenn mit der Verfassten Studierendenschaft und der Abschaffung der Studiengebühren zwei unserer Forderungen umgesetzt werden, hören wir ja jetzt nicht auf. Es gibt immer noch weitere Themen, für die wir uns weiterhin beim Rektorat einsetzen müssen und auch werden. Zum Beispiel der Datenschutz oder die Anwesenheitspflicht.

Am Wahlabend haben im u-asta also keine Sektkorken geknallt?

Doch, auch wenn es keinen Sekt gab, sondern eine kleine Party mit Bier. Wir haben uns natürlich sehr gefreut, die Euphorie ist immer noch da. Aber man muss die Parteien auch weiterhin daran erinnern, dass sie ihre Wahlversprechen einhalten. Vor der Wahl hieß es, dass die Verfasste Studierendenschaft innerhalb von 100 Tagen eingeführt werden soll. Das wird allerdings wohl nicht funktionieren. Zumindest ist aber 30 Jahre nach der Abschaffung mit der Wiedereinführung deutlich geworden, dass es sich bei der Verfassten Studierendenschaft nicht, wie früher behauptet, um den 'Sumpf des Terrorismus’ handelt [Anmerkung der Redaktion: Zitat des damaligen Ministerpräsidenten Filbinger].  

Mehr dazu:

[Bild 1: Rektor Schiewer spricht beim Bildungsstreik im WS 2009/2010 mit Studierenden im Audimax/Fotograf: Michael Bamberger; Bild 2: Privat]