5 Antworten von Ramon Mann: Warum am Sonntag 2000 Verbindungsstudenten durch Freiburg ziehen werden

Carolin Buchheim

Seit Donnerstag tagt der Cartellverband (CV) in Freiburg; in ihm sind 120 katholische Studentenverbindungen aus Deutschland organisiert. Auf dem Programm des Jahrestreffens: Gottesdienste, Sitzungen und ein Umzug durch Freiburg. Wie man sich das Treffen vorzustellen hat erklärt Ramon Mann, 30, Mitglied der Freiburger Studentenverbindung Falkenstein.



Herr Mann, welche Bedeutung haben Studentenverbindungen ihrer Meinung nach heutzutage noch im Studentenleben

Ramon Mann: Meine Einschätzung ist da sicher durch meine eigenen Erfahrungen gefärbt. Die grundlegende Erkenntnis ist aber natürlich, dass das alles schon mal mehr gewesen ist.

Da sind zwei Kriege dazwischen gekommen, und ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. Wir haben aber nach dem Krieg, in der neuen geschenkten Freiheit, direkt wieder Fuß fassen können. Der Cartellverband hat seit den 2000er Jahren auch wieder steigende Mitgliederzahlen.

Letztendlich war es aber immer was besonderes, in einer Verbindung zu sein. Auch vor 150 Jahren war es nicht gängig, Verbindungsstudent zu sein; damals waren höchstens 20 Prozent der Studierenden in Verbindungen, mittlerweile sind es vielleicht - je nach Studienort - zwei bis fünf Prozent.

Die Bedeutung ergibt sich für das einzelne Mitglied. Wie er sich selbst darin sieht, welchen Nutzen er daraus zu ziehen versteht. Damit meine ich nicht das gängige Vorteil, dass man als Verbindungsstudent mit einem schlechten Abschluss einen ganz guten Job kriegt, sondern vielmehr, dass man mehr mitkriegt von der Welt, dass man reisen kann, dass man von den verschiedensten Fakultäten etwas mitbekommt. Auch was die Menschenbildung für einen selber angeht, hat man ein ganz anderes Angebot, als wenn man nur ein sechsemestriges Bachelorstudium gemacht hat. Man hat mehr Möglichkeiten.

 

Studierende und Bürger haben manchmal Probleme, die verschiedenen Arten von Verbindungen auseinander zuhalten. Was kennzeichnet die Verbindungen, die in ihrem Verband organisiert sind?

Optisch unterscheiden wir uns nicht so sehr von anderen Verbindungen, aber man kann uns nicht ansehen, worfür wir stehen.

Grundsätzlich lehnen wir die Mensur ab, und das schon seit Gründung, das hat etwas mit einem päpstlichen Dekret zu tun, mit dem das Duellieren verboten worden ist.

Wir gründen uns auf vier Prinzipien. Das wichtigste Prinzip ist die Religio, das Bekenntnis zum katholischen Glauben. Alle weiteren Prinzipien sind darauf begründet: die Wissenschaftlichkeit, die Freundschaft und das Engagement in Staat und Gesellschaft. All das bedingt sich aus dem Prinzip Religio, denn als guter Christ möchte ich auch guter Freund sein, in meiner akademischen Ausbildung sehr gute Leistungen bringen und diese Leistungen mit meinen christlichen Werteinstrumenten der Gesellschaft nützlich machen.

Was passiert bei ihrem Treffen an diesem Wochenende in Freiburg?

Am Donnerstag gab es einen Eröffnungsgottesdienst, am Freitag und Samstag haben wir Sitzungen, das kann man sich vorstellen wie bei der Hauptversammlung einer AG. Da geht es um all das, was im vergangenen Jahr passiert ist, und der Vorstand legt Rechenschaft ab. So ein Amstjahr ist sehr kurz, aber der Verband besteht seit 156 Jahren, da geht es auch um längerfristige Veränderungen.

Gibt es interessante Anträge? Uns wurde zugetragen, es gäbe einen Antrag, der das Thema Frauen im CV thematisiere.

Es gibt den Antrag von Altherrenseite, auch Frauenverbände aufzunehmen. Wenn man sich das demographisch ins Gedächtnis ruft, dann wird einem auch klar, Kinder welcher Zeit diese Herren sind. Der Unitas-Verband, den es in Freiburg auch gibt, bietet bereits seit 20 Jahren die Möglichkeit der Aufnahme von Frauenverbänden. Wir sehen da keinen Bedarf, so sehr man sich das auch wünschen können mag. Aufgrund von Startschwierigkeiten sind Frauenverbindungen meist überkonfessionell, da würde es wenig Sinn machen, nur die Katholikinnen aufzunehmen.

Am Sonntag ziehen sie durch die Stadt. Mit welchen Reaktionen rechnen sie?

Auch bei der letzten Cartellversammlung in Freiburg 1988 gab es so einen Umzug. Der ist meines Wissens nach gewaltsam gestört worden. Für mich geht es um Toleranz und um eine offene Bürgergesellschaft: Wenn unsere angemeldete Veranstaltung gewaltsam gestört werden würden, dann sollte man sich fragen, in was für einem Staat man eigentlich lebt. Ich zum Beispiel als Halbdeutscher fände es sehr eigentümlich, wenn deutsche Bürger eine solche Veranstaltung stören würden.

Zur Person


Ramon Mann,
30 Jahre alt und studiert Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck. Er ist Mitglied im KDStV Falkenstein und der AV Austria Innsbruck.

Mehr dazu:

[Bild 1: Thomas Kunz/Mitglieder der Freiburger Studentenverbindung Hercynia bei der Prozession an Fronleichnam; Bild 2: Privat]